Bilanz für 2025
Verlust von 8,6 Milliarden Euro: Warum das trotzdem ein Erfolg für die Bundesbank ist
Veröffentlicht:
von Jana WejkumBundesbank-Präsident Joachim Nagel hat schon auf weitere Verlustjahre eingestimmt. (Archivbild)
Bild: Arne Dedert/dpa
In der Bilanz der Bundesbank klafft für 2025 erneut ein großes Loch. Gewinne kann ihr Präsident Joachim Nagel nicht versprechen, sieht aber ein Licht am Ende des Tunnels.
Das Wichtigste in Kürze
Die Bundesbank macht zum sechsten Mal in Folge einen Verlust: 2025 steht ein Minus von 8,6 Milliarden Euro in der Bilanz.
Damit hat sich der Verlust im Vergleich zu 2024 mehr als halbiert.
Grund für die Verluste ist die Zinspolitik des Euroraums, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs von gestiegenen Leitzinsen der EZB geprägt ist.
Die Bundesbank hat zum sechsten Mal in Folge einen Milliardenverlust zu verzeichnen. Im Jahr 2025 schlägt ein Minus von rund 8,6 Milliarden Euro in der Bilanz zu Buche. Im Vergleich zum Rekordminus, das 2024 mehr als 19 Milliarden Euro betrug, hat sich der Verlust aber mehr als halbiert. 2023 hatte die Bundesbank einen Fehlbetrag knapp vermieden, weil sie mit Rücklagen in Milliardenhöhe die Belastungen der Zinswende ausgleichen konnte.
Wegen der roten Zahlen fällt die Auszahlung von etwaigen Gewinnen an den Staat erneut aus. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte bereits vor einem Jahr gewarnt, dass der Bund in nächster Zeit keine Gewinnausschüttungen von der Bundesbank erwarten könne.
Das liegt daran, dass die Bundesbank infolge der Geldpolitik im gesamten Euroraum ihre Verluste von einem Jahr ins nächste mitnimmt. Der Bilanzverlust, der sich aus dem aktuellen Jahresfehlbetrag und dem Verlustvortrag vorheriger Jahre ergibt, beträgt momentan 27,8 Milliarden Euro.
Wie sieht die Prognose für 2026 aus?
Die Bundesbank rechnet für das laufende Jahr erneut mit einem Jahresfehlbetrag, so Nagel. "Wir haben zwar weiter finanzielle Belastungen zu tragen, sie lassen aber nach", sagte er. Man rechne damit, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt.
Nagel sprach davon, künftige Jahresüberschüsse zu nutzen, "um den aufgelaufenen Bilanzverlust aus eigener Kraft ab- und die notwendige Risikovorsorge aufzubauen". Ihre Aufgaben könne die Bundesbank dennoch vollumfänglich erfüllen.
Wann hat die Bundesbank zuletzt Gewinn gemacht?
Die Bundesbank war jahrelang fest als Geldgeber im Bundeshaushalt eingeplant. Üblicherweise rechnete das Bundesfinanzministerium mit 2,5 Milliarden Euro von der Bank. Im Jahr 2019 gab es mit 5,85 Milliarden Euro den letzten Gewinn – und gleichzeitig die höchste ausgezahlte Summe seit der Finanzkrise.
Ist es Aufgabe der Bundesbank, Gewinn zu machen?
Zwar ist ein Gewinn der Bundesbank für den Bundeshaushalt erfreulich, aber: Gewinne zu erzielen ist nicht die Aufgabe der Bundesbank.
Wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt, ist die Bundesbank als oberste deutsche Bank vor allem für die Regelung des Geld- und Zahlungsverkehrs und die Verwaltung der Staatsreserven zuständig. Sie hat die Aufsicht über die Einhaltung von Regeln im deutschen Bankenwesen. Gewinne zahlt die Bundesbank an den Staat aus, dieser muss aber auch ihre Verluste ausgleichen. Die Bundesbank ist außerdem dafür zuständig, anderen Banken oder Sparkassen Geld zu leihen.
Seit Einführung des Euros steht die Europäische Zentralbank (EZB) über der Bundesbank. Sie achtet gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken auf die Stabilität der Eurowährung.
Weitere News:
Welchen Einfluss hat der Leitzins der EZB auf die Bundesbank?
Weil die nationalen Notenbanken sich nach den Entscheidungen der EZB richten müssen, hat deren Geldpolitik Auswirkungen auf die Bundesbank. Wegen des Ukraine-Kriegs und dessen wirtschaftlichen Folgen hat die EZB den Leitzins im Euroraum ab Sommer 2022 rasant erhöht. Damit sollte die Inflation abgebremst werden.
Das führte dazu, dass Notenbanken steigende Zinsausgaben für Gelder, die Geschäftsbanken bei ihnen parken, bewältigen mussten. Die Zinseinnahmen konnten damit nicht Schritt halten: Die Wertpapiere, die sie jahrelang in großem Umfang gekauft hatten, haben lange Laufzeiten. Die so erworbenen Staats- und Unternehmensanleihen bringen deshalb wenige Zinsen ein.
Wie sieht die Bilanz der EZB für 2025 aus?
Die EZB konnte die Zinsen nach der Rekordinflation schrittweise wieder senken; der Einlagensatz liegt derzeit bei zwei Prozent. Aber die EZB hat trotzdem, genau wie die nationalen Zentralbanken, Verluste hinnehmen müssen: Rund 1,25 Milliarden Euro Verlust stehen in der Bilanz von 2025. Eine Gewinnausschüttung an die nationalen Banken fällt deshalb aus.
Die höchsten Verluste verzeichnete die EZB 2024: Mit mehr als 7,9 Milliarden Euro im Minus stellte sie einen Negativrekord auf.
Die EZB bleibt optimistisch: In diesem oder im nächsten Jahr erwartet sie erneut Gewinne. Das bedeutet aber nicht, dass die nationalen Banken sofort davon profitieren. Zunächst muss die EZB mit den Gewinnen die mitgeschleppten Verluste der letzten Jahre in Höhe von 10,5 Milliarden Euro ausgleichen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
bpb: "Deutsche Bundesbank"
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