Weg Richtung Nordsee

Experten: Wal Timmy kann nach vermeintlicher Rettung "kaum überleben"

Aktualisiert:

von Christopher Schmitt

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Buckelwal auf dem Weg in die Freiheit

Videoclip • 01:55 Min • Ab 12


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Nach wochenlangem Hoffen und Bangen ist der in der Ostsee gestrandete Buckelwal nun auf dem Weg Richtung Nordsee. Expert:innen schätzen die Überlebenschancen schlecht ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der wochenlang in der Ostsee gestrandete Buckelwal ist auf dem Weg in die Nordsee.

  • Der Bootsverband mit Timmy im Schlepptau bewegt sich langsam vorwärts.

  • Die Rettungsaktion birgt aber weiter Risiken für das Tier, Expert:innen glauben, er könne "in tieferem Wasser kaum überleben".

Buckelwal Timmy ist auf dem Weg in Richtung Nordsee: Angaben des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern zufolge liegt das aus einer flachen Bucht vor Wismar geborgene Tier während seines Transports im gefluteten Lastschiff auf einem Bett aus Sand.

Einem Sprecher von Minister Till Backhaus (SPD) zufolge sei der Wal sein eigener Anker und nicht angebunden. Am Mittwochmittag (29. April) geben der Minister und Beteiligte der Rettungsaktion in Kirchdorf auf Poel ein Update zur Situation.

Experten: "Gut gemeint", aber ...

Also doch ein Happy End? Expert:innen der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen vor einem Trugschluss. "Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben", erklärte das zuständige Expertengremium für Strandungen. "Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Maßnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen."

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Neues Schleppfahrzeug für Timmy

Auf seiner Reise Richtung Nordsee wird der Lastkahn mit dem gestrandeten Buckelwal an Bord von einem anderen Schiff weitergezogen. Die "Fortuna B" hat am Mittwochmorgen vor 7 Uhr als Schleppfahrzeug übernommen, wie ein Mitglied der privaten Initiative, das an Bord ist, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte.

Am Dienstagabend (28. April) hatte zunächst der Schlepper "Robin Hood" die Barge – also eine Art schwimmendes Becken – mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel übernommen. Anschließend fuhr er samt dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee. Begleitet wurde er von dem Mehrzweckschiff "Fortuna B", das nun die Schleppaufgabe übernimmt.

Nach Plänen einer privaten Rettungsinitiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann freigelassen werden.

Am Dienstagabend übernahm der Schlepper "Robin Hood" die Barge mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel. Anschließend fuhr er samt dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee.

Rettungsaktion in entscheidender Phase

Mit der Verlegung des Wals in die Barge ging die Rettungsaktion am Dienstag in die entscheidende Phase. Mehrere Stunden lang hatten Helfer:innen das Tier in eine eigens gebaggerte Rinne bugsiert. Mitglieder des Teams zogen den Wal mit Gurten zu der Barge.

Um 14:45 Uhr war das Tier schließlich in dem abgesenkten Kahn. Anschließend wurde ein Netz aufgespannt, um zu verhindern, dass der Wal wieder herausschwimmt. Kleinere Boote schoben die Barge dann hinaus aus der Kirchsee in die Wismarbucht, wo sie vom Schlepper "Robin Hood" auf den Haken genommen wurde.

Auch in den News:

Helfer:innen zogen Wal stundenlang zum Lastkahn

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus zeigte sich nach der geglückten Aktion erleichtert. "Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen", sagte er im Hafen von Kirchdorf. "Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Metern mitzuhelfen." Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint.

Nach der Aktion fielen sich die Helfer:innen der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine Träne der Erleichterung nach bangen Wochen voller Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. "Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben", sagte eine Schaulustige vor Ort.

Erste Sichtung des Wals schon Anfang März

Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden erstmals Anfang März in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Zwar gelang es dem Tier, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.

Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest. So kam es zu der nun laufenden Rettungsvariante.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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