Glaubenskrieg im Weißen Haus?

Wie Trumps Papst-Angriff Diplomatie und Katholiken spaltet

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

Papst richtet eindringlichen Appell an Trump

Videoclip • 55 Sek • Ab 12


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US-Präsident Trump attackiert Papst Leo wegen dessen Kritik am Iran-Krieg und unterstellt ihm, ein nukleares Iran zu tolerieren. Kurz vor einem Besuch von Außenminister Rubio im Vatikan wächst die Spannung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trump beschuldigt Papst Leo, mit seiner Iran-Haltung "viele Katholiken zu gefährden", und unterstellt ihm, ein nuklear bewaffnetes Iran zu akzeptieren.

  • Kurz vor einem Besuch von US‑Außenminister Marco Rubio im Vatikan versucht die US‑Diplomatie, den Konflikt zu entschärfen.

  • Die Auseinandersetzung belastet auch das Verhältnis zu Verbündeten wie Italien und sorgt für Spannungen unter katholischen Spitzenpolitiker:innen in den USA.

US-Präsident Donald Trump hat den Konflikt mit Papst Leo weiter angeheizt. In einem Radiointerview mit dem konservativen Moderator Hugh Hewitt behauptete er, der Papst halte es für akzeptabel, wenn Iran eine Atombombe habe, und gefährde damit "viele Katholiken und viele Menschen".

Tatsächlich hat Papst Leo nie gefordert, Iran solle Atomwaffen besitzen. Der aus Chicago stammende Pontifex verurteilt den US‑israelischen Krieg gegen den Iran und dringt seit Monaten auf Waffenruhen und Dialog – im Iran selbst, im Libanon und im restlichen Nahen Osten.


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Heikler Besuch im Vatikan

Die Wortwahl des Präsidenten kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt: In wenigen Tagen wird US‑Außenminister Marco Rubio den Papst im Vatikan treffen. Der US‑Botschafter beim Heiligen Stuhl, Brian Burch, erwartet nach eigenen Angaben ein "offenes" Gespräch, betont aber, er sehe keinen tiefen Bruch zwischen USA und Vatikan.

Rubio, selbst Katholik, versucht den Eindruck einer Krisenmission herunterzuspielen. Der Besuch sei schon länger geplant, erklärt er, es gebe viele Themen zu besprechen – von der Iran‑Politik bis zu humanitären Fragen. Faktisch dürfte das Gespräch aber auch der Versuch sein, nach Trumps jüngsten Ausfällen das persönliche Verhältnis zwischen Präsident und Papst zu entkrampfen.

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Kritik auch aus Europa und aus den USA

Der Streit strahlt inzwischen nach Europa aus. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni hatte Trumps Angriffe auf den Papst kritisiert und seine Iran‑Strategie in Frage gestellt. Medienberichten zufolge reagierte das Weiße Haus verärgert und drohte mit einem Truppenabzug aus Italien.

Auch innerhalb der US‑Regierung sorgen Trumps Attacken für Spannungen. Vizepräsident JD Vance, der vom Protestantismus zum Katholizismus konvertierte, mahnte, der Vatikan solle sich auf moralische Fragen konzentrieren und vorsichtig sein, wenn er über Krieg und Außenpolitik spreche. Rubio und Vance hatten Papst Leo erst vor einem Jahr bei seiner Amtseinführung in Rom besucht und ihm persönlich eine Einladung Trumps ins Weiße Haus überbracht – die der Papst bislang nicht angenommen hat.


Verwendete Quellen:

The Guardian: "Trump accuses pope of 'endangering a lot of Catholics' with Iran stance"

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