Militäreinsatz beendet
US-Streitkräfte haben den Irak verlassen: Die Ungewissheit nach dem Abzug
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
Flugzeugträger: US-Militär dementiert Missstände (14. August)
Videoclip • 01:21 Min • Ab 12
Das US-Militär ist nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vollständig aus dem Irak abgezogen. Damit endet eine Zeit von heftigen Militäreinsätzen in dem nahöstlichen Land.
Das Wichtigste in Kürze
Der letzte US-Soldat hat nach Angaben des Pentagon den Irak verlassen, Bagdad ruft den "Tag der Unabhängigkeit" aus.
Mit dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte endet eine Zeit der Militäreinsätze in dem nahöstlichen Land – zunächst mit dem Ziel, Saddam Hussein zu stürzen, dann gegen den IS.
Unsicherheit herrscht bezüglich eines potenziellen Machtvakuums, welches sich Milizen zunutze machen könnten.
Die letzten Soldaten haben das Land verlassen: Das US-Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass das US-Militär vollständig aus dem Irak abgezogen ist. Seit 2003, als der frühere Machthaber Saddam Hussein gestürzt wurde, befanden sich die US-Streitkräfte im Land. Später folgten Einsätze gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Ein Kapitel, das 2003 mit dem umstrittenen Einmarsch begann und sich als Beginn jahrelanger Instabilität entpuppte, ist damit offiziell geschlossen.
In Bagdad wird der Abzug als "Tag der Unabhängigkeit" gefeiert – vier offizielle Feiertage hat die irakische Regierung ausgerufen, öffentliche Einrichtungen bleiben geschlossen. Der irakische Sicherheitsberater Kassim al-Aradschi bezeichnete das Ende der US-geführten Militärmission "Operation Inherent Resolve" als wichtigen Meilenstein – betonte aber zugleich, dass Sicherheits- und Geheimdienstkooperationen zwischen Bagdad und Washington fortgesetzt werden sollen.
Auch in den News:
Zwölf Jahre Kampf gegen den IS
Das US-Verteidigungsministerium – unter Präsident Donald Trump inzwischen "Kriegsministerium" genannt – sprach von einem Erfolg: Eine zwölfjährige Kampagne habe den Islamischen Staat (IS) als organisierte militärische Kraft im Irak und der Region gebrochen. Seit 2014 hatten die USA gemeinsam mit Verbündeten den IS bekämpft, der 2017 im Irak für militärisch besiegt erklärt wurde.
Zuletzt hielten sich noch rund 2.500 US-Soldaten im Land auf – in Erbil in der Kurdenregion, nahe dem Flughafen Bagdad und in der sogenannten Grünen Zone im Regierungsviertel der Hauptstadt. Der Abzug war bereits 2024 zwischen Bagdad und Washington vereinbart worden.
Gefährliches Machtvakuum?
Doch hinter dem Jubel lauern ernste Risiken. Die irakische Regierung trägt nun allein die Verantwortung für die Sicherheitslage – und die ist alles andere als stabil. IS-Zellen sind nach wie vor aktiv und verüben vereinzelt Anschläge. Zugleich sind mit dem Iran verbündete Milizen im Land präsent, die nach US-Einschätzung die irakische Souveränität untergraben.
Besonders brisant: Der laufende Iran-Krieg, den die USA seit Ende Februar gemeinsam mit Israel führen, hat die Sicherheitslage auch im Irak verschlechtert. Milizen griffen dabei unter anderem die US-Botschaft in Bagdad und den Stützpunkt Erbil an. Auch Saudi-Arabien wurde aus dem Irak heraus attackiert, eine wichtige Öl-Pipeline beschädigt.
Milizen-Entwaffnung auf Eis gelegt
Besonders heikel ist die Frage der Milizen-Entwaffnung. Eigentlich hätten die mächtigen, Iran-treuen Gruppen zeitgleich mit dem US-Abzug in die staatlichen Streitkräfte eingegliedert werden sollen. Ministerpräsident Ali al-Saidi schob diesen Schritt jedoch auf – nun ist er frühestens im Juni 2027 vorgesehen. Die stärksten Milizen im Land haben eine Entwaffnung bislang rundweg abgelehnt. Sollte die Regierung diesen Schritt mit Gewalt durchsetzen wollen, droht eine neue Eskalationsspirale.
Bundeswehr bleibt vorerst im Irak
Auch Deutschland ist Teil dieser Geschichte: Die Bundeswehr war seit 2015 am Anti-IS-Einsatz beteiligt, unter anderem bei der Ausbildung irakischer Soldaten. Das aktuelle Mandat mit bis zu 500 Kräften läuft noch bis Januar 2027. Außenminister Johann Wadephul (CDU) deutete an, dass eine Bundeswehr-Präsenz in Erbil auch danach möglich bleibt.
Der amerikanische Rückzug aus dem Irak ist vollzogen – doch ob er Frieden bringt oder ein Vakuum reißt, das andere füllen werden, bleibt die drängendste Frage des Tages.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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