EU plant Lockerung
Verbrenner-Aus ab 2035 auf der Kippe: Das könnte sich für Autofahrer ändern
Veröffentlicht:
von Nadine von Parseval:newstime
Lockerung des Verbrenner-Aus
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Kommt jetzt die große Kehrtwende beim Verbrenner-Aus? Eigentlich sollten neue Benziner und Diesel ab 2035 in der EU praktisch Geschichte sein. Doch nun könnten die strengen Regeln deutlich gelockert werden.
Das Wichtigste in Kürze
Neue Benziner und Diesel könnten auch nach 2035 in der EU zugelassen werden.
Kleine Elektroautos könnten durch neue Förderregeln günstiger werden.
Kritiker:innen warnen vor einem langsameren Umstieg auf Elektromobilität.
Die Europäische Union könnte beim geplanten Verbrenner-Aus ab 2035 einen deutlichen Kurswechsel vollziehen. Statt neue Benziner und Diesel ab diesem Zeitpunkt praktisch auszuschließen, sollen Hersteller auch künftig Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor anbieten dürfen. Gleichzeitig könnten kleine Elektroautos stärker gefördert werden.
Der Umweltausschuss des EU-Parlaments befasst sich an diesem Mittwoch, den 4. November, in Brüssel mit entsprechenden Lockerungen. Vorangetrieben werden die Pläne von der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), zu der auch CDU und CSU gehören.
Die EU diskutiert über eine Lockerung des Verbrenner-Aus ab 2035.
Bild: Marijan Murat/dpa
Verbrenner-Aus 2035: Diese Änderungen sind geplant
Bislang sehen die EU-Vorgaben vor, dass die CO₂-Emissionen neuer Pkw ab 2035 gegenüber 2021 um 100 Prozent sinken müssen. Damit wären neue Benziner und Diesel, die im Betrieb CO₂ ausstoßen, praktisch ausgeschlossen. Nach den diskutierten Änderungen müssten die Hersteller ihre durchschnittlichen Emissionen bis 2035 nur noch um 95 Prozent reduzieren.
Zusätzlich könnten sie 7,5 Prozentpunkte durch den Einsatz von klimafreundlich produziertem Stahl ausgleichen. Rechnerisch würde sich die notwendige CO₂-Einsparung dadurch auf 87,5 Prozent verringern. Die geplante Lockerung ginge damit sogar über den gemeinsamen Vorschlag Deutschlands und Frankreichs hinaus. Beide Länder hatten sich für eine Reduktion um 90 Prozent ausgesprochen.
Neue Ausnahmen für Verbrenner und Vorteile für kleine E-Autos
Die EVP setzt außerdem auf zusätzliche Sonderregelungen. So sollen Fahrzeuge, die mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) oder Biokraftstoffen betrieben werden, künftig möglicherweise nicht mehr in die Berechnung der Flottenemissionen einfließen.
Auch kleine Elektroautos sollen profitieren. Geplant sind Vorteile für Hersteller, die kompakte E-Autos innerhalb der EU produzieren und über staatlich unterstützte Leasingangebote an Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen vermitteln. Nach dem vorgeschlagenen Modell könnten zwei entsprechend geförderte Elektroautos den Verkauf eines zusätzlichen Verbrenners ermöglichen.
Warum die Politik weiterhin auf Verbrenner setzt
Befürworter:innen argumentieren vor allem mit der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie. "Wir schreiben der Industrie nicht vor, welche Technologie sie einsetzen muss, sondern schaffen echte Technologieoffenheit", erklärt CDU-Verkehrspolitiker Jens Gieseke. Damit sollen auch Arbeitsplätze in der europäischen Autobranche geschützt werden.
Für die Hersteller spielen zudem wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Mit Benzinern und Dieselfahrzeugen erzielen sie bislang häufig höhere Gewinnmargen als mit Elektroautos. Hinzu kommen Einnahmen durch Wartung und Reparaturen. Elektrofahrzeuge benötigen weniger Verschleißteile und kommen beispielsweise ohne Zündkerzen, Zahnriemen oder klassische Abgasuntersuchungen aus.
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Umweltminister Schneider: Elektroautos werden sich durchsetzen
Trotz der geplanten Lockerungen gilt der Elektromobilität nach Einschätzung vieler Politiker:innen die Zukunft. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) erklärt gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Elektroautos werden sich in jedem Fall durchsetzen, weil sie technisch überlegen sind und man damit viel günstiger fahren kann."
Entscheidend sei allerdings, ob diese Fahrzeuge künftig in Europa oder überwiegend in China produziert werden. Schneider zeigt sich zuversichtlich, dass die deutschen Hersteller ihren Rückstand aufholen können. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wachse bereits.
Von Januar bis September wurden in Deutschland laut dem Bericht mehr als 600.000 reine Elektroautos neu zugelassen. Das waren mehr als im gesamten Vorjahr.
Werden Elektroautos durch die neuen EU-Regeln günstiger?
Für Verbraucher:innen könnten die geplanten Änderungen unterschiedliche Folgen haben. Kleine Elektroautos mit geringerer Reichweite könnten preiswerter werden. Grund dafür sind die vorgesehenen Anreize für Hersteller, solche Modelle in Europa zu produzieren und zu erschwinglichen Konditionen anzubieten.
Bei größeren Elektroautos mit hoher Reichweite sind dagegen weniger Preisnachlässe zu erwarten. Denn wenn die EU ihre Emissionsziele lockert, müssen Autobauer weniger Elektrofahrzeuge verkaufen, um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Damit sinkt auch der Druck, die Preise zu reduzieren. Neue Benziner und Diesel könnten weiterhin erhältlich bleiben. Allerdings dürfte die Modellvielfalt langfristig abnehmen. Zudem könnten steigende CO₂-Preise das Tanken verteuern.
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E-Fuels und Biokraftstoffe: Noch viele Fragen offen
Eine wichtige Rolle in den Überlegungen spielen alternative Kraftstoffe. Allerdings ist bislang unklar, wann E-Fuels und vollständig erneuerbare Biokraftstoffe in größeren Mengen verfügbar sein werden. BMW, Toyota, Bosch und der spanische Energiekonzern Repsol testen derzeit erneuerbares Benzin in einem Projekt mit 20 Fahrzeugen.
Porsche und Siemens Energy betreiben wiederum eine Pilotanlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe in Chile. Ob solche Kraftstoffe künftig flächendeckend und zu bezahlbaren Preisen angeboten werden können, ist noch offen.
Kritik an EU-Plänen: Hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet?
Während die Lockerungen kurzfristig Arbeitsplätze in der Verbrennerproduktion sichern könnten, warnen Kritiker:innen vor langfristigen wirtschaftlichen Schäden. Nach Einschätzung des International Council on Clean Transportation könnten durch einen verzögerten Umstieg auf Elektroautos mehr als 500.000 Arbeitsplätze gefährdet werden.
Betroffen wären insbesondere die Batterieproduktion, das Recycling, der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Herstellung von Elektrofahrzeugen. Deutschland könnte die Folgen besonders deutlich spüren. Grünen-Verkehrspolitiker Michael Bloss warnt deshalb vor einem Festhalten an der bisherigen Antriebstechnologie. "Wenn Europas Autobauer jetzt nicht umsteuern, gehen sie mit dem Verbrenner unter." Ob und in welcher Form die geplanten Lockerungen tatsächlich umgesetzt werden, ist noch offen. Die bisherigen EU-Regeln gelten zunächst weiter.
Verwendete Quellen:
rnd: "Verbrenner bleiben erlaubt, kleine E-Autos könnten günstiger werden: Das plant die EU jetzt"
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