Ukraine-Krieg
"Friedenslösung nach zwei Monaten des Kriegs": Van Aken stellt umstrittene These zu Russland-Sanktionen auf
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von teleschauJan van Aken (rechts) sorgte mit seiner These zum Ukraine-Krieg nicht nur bei Markus Lanz für Unverständnis.
Bild: ZDF / Cornelia Lehmann
Gerüchte um Putsch-Versuche gegen Merz in Berlin, Drohnen- und Raketenangriffe in Kiew und Moskau: Bei "Markus Lanz" ging es am Mittwochabend um viele Schlachtfelder - und auch im Studio gab es rund um die Thesen von Jan van Aken harte Wortgefechte.
Gerüchte um Putsch-Versuche gegen Merz in Berlin, Drohnen- und Raketenangriffe in Kiew und Moskau: Bei "Markus Lanz" ging es am Mittwochabend um viele Schlachtfelder - und auch im Studio gab es rund um die Thesen von Jan van Aken harte Wortgefechte.
Die Gäste waren kaum vorgestellt, da platzte es auch schon aus Markus Lanz heraus: "Was macht der Putsch gegen Merz: Wer hat ihn losgetreten? Wir brauchen Name, Telefonnummer ...", wollte er von "Table.Briefings"-Journalistin Helene Bubrowski wissen. "Friedrich Merz hat, man kann es, glaube ich, so sagen, die Nerven verloren", brachte sie die aktuellen Geschehnisse auf den Punkt. Dass der Bundeskanzler drastisch auf "wüste" Behauptungen reagiere und seinem Parteikollegen Methoden unterstellt habe, die "der AfD ins Blatt spielen", konnte Lanz kaum fassen. Auch Linken-Vorsitzender Jan van Aken kritisierte die Reaktion von Friedrich Merz als "unprofessionell": "Das darf man als Kanzler nicht machen!"
Darüber wollte der in Moskau geborene Publizist Andrey Gurkov nicht urteilen, legte aber einen anderen Gradmesser an: "In der russischen Reaktion auf Merz ist mehr Hass enthalten als gegenüber Scholz." "Ein interessanter Qualitätsnachweis", stellte Lanz lachend fest - und nutzte diesen zum Themenwechsel. Denn der Krieg in der Ukraine stand im Fokus des restlichen Abends.
Erst in der Nacht auf Montag hatte Russland 600 Langstreckendrohnen und 90 Raketen auf Kiew abgefeuert. Bilder und Szenen der Zerstörung, die Jan van Aken zu einem Was-wäre-wenn-Spiel veranlassten: "Was hätten wir im Februar, März 2022 tun können, um das zu verhindern?", sei die entscheidende Frage. Statt die Kriegskasse Russlands zu füllen, hätte man ein sofortiges Ölembargo einsetzen müssen. Das hätte die "Kosten-Nutzen-Rechnung" im Kreml verändert: "Vielleicht hätten wir da schon eine Friedenslösung gehabt. Nach zwei Monaten des Krieges", meinte er.
"Das ist Unsinn", widersprach ihm Militärhistoriker Sönke Neitzel heftig. Putin hätte "auf jeden Fall sechs Monate, sieben Monate Krieg führen können". Ohne die Waffenlieferungen am Anfang gäbe es die Ukraine gar nicht mehr. Klarstellen wollte er auch, dass die Bundesregierung zusätzlich Diplomatie und Sanktionen versucht hatte. "Nur auf Waffen hat die Bundesregierung bestimmt nicht gesetzt", lehnte er van Akens Vorwurf ab.
Publizist Andrey Gurkov: "Jetzt ist der Krieg nach Moskau gekommen"
Dass schnellere Sanktionen und vor allem ein frühes Ölembargo zu Beginn des Angriffskriegs Putin gestoppt hätten, tat auch der Publizist Gurkov als "illusorisch" ab. Wirkung hätten die Sanktionen allerdings schon - "zusammen mit den Waffen", wie er betonte. Seit dem Herbst spüre Russland den Effekt, den Preis des Kriegs in die Höhe zu treiben. Zwar habe der Iran-Krieg die Lawine der wirtschaftlichen Probleme verlangsamt, aber nicht gebremst: "Der Augenblick musste kommen - und jetzt kommt er!", war er überzeugt, dass sich die Situation noch verschlechtere.
Hinzu sei die Stimmung in der russischen Bevölkerung gekippt, meinte Gurkov. Er bezog sich auf das Video einer jungen Frau, das nach dem größten ukrainischen Drohnenangriff auf die Region Moskau viral gegangen ist. "Ich hätte nie gedacht, dass der Krieg uns so treffen würde", beschrieb sie darin ihr Befinden. Für Gurkov ist es ein "Schlüsselsatz": "Jetzt ist der Krieg nach Moskau gekommen", wusste er - und warnte gleichzeitig: "Daraus zu schließen, dass der Krieg bald zu Ende geht, würde ich nicht wagen." Putin wolle um jeden Preis den Donbass, zitierte er Quellen - erst dann wäre er bereit, Frieden zu schließen.
Militärexperte Neitzel: "Wir könnten diesen Krieg nicht führen"
Auch van Aken hoffte auf ein Ende des Kriegs oder zumindest darauf, "dass es in diesem Jahr zu Gesprächen kommt, die weitergehen als die bisherigen". Große Angst, dass Russland die NATO angreift, habe er hingegen nicht: "Wir sind geschützt", rechnete er für die EU, NATO-Staaten und Kanada vor: "Wir haben doppelt so viele Flugzeuge, wir haben dreimal so viel Artillerie." Das Geld, das auf den Tisch gepackt werde, reiche völlig zur Landesverteidigung, meinte er.
Mit diesem "reinen Zahlenvergleich" konnte Neitzel wenig anfangen. Deutschland sei im Bereich der Drohnen "nackt": Der Bundeswehr fehle es in diesem Bereich an Kampfkraft und Fähigkeiten, aber auch an technischen Mitteln. "Wir könnten diesen Krieg nicht führen", stellte er klar.
Statt Drohnen zu produzieren, sollte man "jedes Jahr eine Milliarde in die Forschung stecken", um Störtechnologien zu entwickeln, schlug van Aken vor. Deutschland solle sich nicht in der Aufrüstungsspirale verheddern, sondern seine Stärke im Ingenieurswesen nutzen.
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