Sicherheitsdebatte in Europa

Experte warnt: Könnte Putin zuerst Rügen angreifen?

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

Europa ist Russland auch ohne die USA militärisch überlegen

Videoclip • 01:19 Min • Ab 12


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Ein estnischer Sicherheitsexperte hält Rügen für ein mögliches Ziel eines russischen Tests der Nato. Andere Fachleute halten das Szenario jedoch für eher unwahrscheinlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der estnische Sicherheitsexperte Erkki Koort hält Rügen für ein mögliches Ziel eines russischen Tests gegen die Nato und verweist auf Deutschlands zentrale Rolle in Europa.

  • Er beschreibt ein hybrides Szenario mit getarnten Kräften und späteren Landungen ohne Hoheitskennzeichen, ähnlich dem Vorgehen Russlands auf der Krim 2014.

  • Andere Fachleute halten einen Angriff auf Rügen für eher unwahrscheinlich, betonen aber, dass das Durchspielen solcher Szenarien wichtig für Abschreckung und Vorbereitung ist.

Die Frage, wie ein möglicher russischer Angriff auf NATO-Gebiet aussehen könnte, beschäftigt Militärs und Sicherheitsexpert:innen seit Monaten. Diskutiert werden immer wieder Ziele im Baltikum, in Schweden oder an der Ostsee. Nun bringt der estnische Sicherheitsexperte Erkki Koort auch Deutschland ins Spiel – genauer gesagt die Insel Rügen.

Gegenüber dem "Münchner Merkur" sagt Koort, Russland könnte Rügen als erstes Ziel ins Visier nehmen. Seine Begründung: Deutschland sei für Moskau nicht irgendein Staat, sondern wegen des Zweiten Weltkriegs tief in der "russischen DNA" verankert. Außerdem sei Deutschland die stärkste Wirtschaftsmacht Europas. Wenn Deutschland angegriffen oder destabilisiert werde, könne Russland den Druck auf andere europäische Staaten leichter erhöhen.


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Warum Rügen aus Sicht des Experten attraktiv wäre

Koort hält Rügen auch aus praktischen Gründen für ein denkbares Ziel. Anders als die schwedische Insel Gotland, über die ebenfalls häufig gesprochen wird, liegt Rügen nicht isoliert mitten in der Ostsee, sondern ist über eine Brücke direkt mit dem deutschen Festland verbunden. Das könnte nach seiner Einschätzung eine schrittweise Infiltration erleichtern.

Der Experte beschreibt ein Szenario, in dem zunächst kleine Gruppen getarnt als Tourist:innen auf die Insel gelangen. Später könnten weitere Kräfte ohne Hoheitskennzeichen anlanden – etwa von Schiffen der sogenannten Schattenflotte oder großen Jachten. Koort verweist damit indirekt auf die Besetzung der Krim 2014, als Russland lange abstritt, dass die "kleinen grünen Männchen" in Wahrheit eigene Soldaten waren.

Sorge vor hybriden Methoden und Spaltung

Ein weiterer Punkt in Koorts Analyse ist die russische Gemeinschaft in Deutschland. Er betont zwar, dass viele Russ:innen in Deutschland einfach arbeiten und in Frieden leben wollten. Zugleich sagt er aber auch, es gebe Menschen, "die dem deutschen Staat nicht wohlgesonnen sind" oder bereits vor ihrer Einreise für das Regime gearbeitet hätten. Daraus leitet er die Gefahr ab, dass Russland im Ernstfall auf hybride Methoden setzen könnte.

Rückendeckung bekommt Koort aus Teilen der deutschen Politik. Der frühere Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Marcus Faber, sagte der "Bild", Koort habe recht. Russland baue sein Angriffspotenzial auf die NATO seit Jahren aus. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte schon 2024 gewarnt, Russland greife Deutschland hybrid an. Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen sprach zudem davon, Moskau sehe Deutschland als "Feind Nummer eins".

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Viele Fachleute halten das Szenario für unwahrscheinlich

Trotzdem gibt es auch deutlichen Widerspruch. Andere westliche Sicherheitsexpert:innen halten einen Angriff auf Rügen für eher unwahrscheinlich. Die Insel liege sehr nah am Festland und könne militärisch vergleichsweise schnell verteidigt werden. Der ARD-Journalist und Militär-Experte Kai Küstner sagte in der NDR-Nachrichtensendung "Stabile Zeitenlage", solche Szenarien seien zwar wichtig, aber nicht automatisch wahrscheinlich.

Gerade darin liege jedoch der Sinn solcher Debatten: Militärs spielen mögliche Angriffe bewusst durch, um im Ernstfall schneller reagieren zu können. Wenn Politik und Streitkräfte vorbereitet sind, sinkt nach dieser Logik die Chance, dass Russland überhaupt mit einem Überraschungsangriff Erfolg hätte. Rügen ist damit vor allem eines: ein Warnszenario, das zeigen soll, wie ernst Europa die Bedrohung durch Moskaus hybride und militärische Strategien nehmen muss.


Verwendete Quellen:

Frankfurter Rundschau: "Angriff auf NATO: Putin könnte zuerst Deutschland attackieren – Experte erklärt seine Warnung"

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