Produktion ohne Erlaubnis

Russland verkauft weiter BMW – obwohl der Konzern längst ausgestiegen ist

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von Benedikt Rammer

Russland baut ohne Erlaubnis einfach weiter BMW-Fahrzeuge. (Archivbild)

Bild: Sven Hoppe/dpa


BMW hat Russland nach dem Angriff auf die Ukraine verlassen. Trotzdem werden dort offenbar weiter SUV-Modelle der Marke montiert, und russische Händler bieten nach Medienberichten sogar schon den neuen X5 an.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Kaliningrad werden laut Medienberichten weiter BMW-SUVs aus alten CKD-Bausätzen montiert, obwohl sich BMW 2022 aus Russland zurückgezogen hat.

  • BMW distanziert sich von der Produktion, warnt vor Qualitätsmängeln und übernimmt weder Garantie noch technische Verantwortung.

  • Trotz Sanktionen bleibt die Nachfrage in Russland hoch, viele Fahrzeuge gelangen über Parallelimporte ins Land.

BMW hatte sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aus Russland zurückgezogen. Der Konzern stellte 2022 Produktion und Vertrieb ein und beendete auch die Zusammenarbeit mit dem Auftragsfertiger Avtotor in Kaliningrad. Doch dort werden offenbar weiter Fahrzeuge der Marke montiert. Darüber berichten "Auto Motor und Sport" unter Berufung auf die russische Wirtschaftszeitung "Kommersant" und weitere russische Medien.

Demnach betrifft das die SUV-Modelle X5, X6 und X7. Laut "Kommersant", zitiert von "Auto Motor und Sport", wurden im vergangenen Jahr 145 in Kaliningrad montierte BMW neu zugelassen. Das seien fast dreimal so viele Fahrzeuge wie im Vorjahr. Grundlage dafür seien sogenannte CKD-Bausätze, also vormontierte Fahrzeugpakete, die nach dem Ende der Zusammenarbeit mit BMW noch im Werk geblieben seien.

Alte Teile, neue Zulassung

Die Fahrzeuge sollen äußerlich weiterhin dem Modellstand von 2022 entsprechen. Zugelassen würden sie aber inzwischen als Modelle der Baujahre 2025 oder 2026. Nach Informationen russischer Medien, auf die sich "Auto Motor und Sport" bezieht, sollen inzwischen auch lokal beschaffte Bauteile verbaut werden. Genannt werden unter anderem Kabelbäume, Schläuche, Gummiteile und lackierte Karosserieteile. Der Grund: Die Bestände an Originalteilen gehen offenbar zurück.

Trotzdem werden für die Fahrzeuge hohe Preise verlangt. Laut Bericht liegen diese bei umgerechnet mehr als 150.000 Euro. Das zeigt, dass es in Russland weiterhin zahlungskräftige Kund:innen gibt, die auch unter erschwerten Bedingungen westliche Premium-Fahrzeuge kaufen wollen.

BMW selbst grenzt sich klar von dem Vorgang ab. Der Hersteller erklärt laut "Auto Motor und Sport", Avtotor habe "ohne Zustimmung mit der Montage kleiner Stückzahlen begonnen". Außerdem betont BMW, dass es seit dem Ende der Zusammenarbeit keine Qualitätskontrollen mehr gebe. Der Konzern warnt deshalb davor, dass einzelne Bauteile wegen der langen Lagerung womöglich nicht mehr den ursprünglichen Spezifikationen entsprechen.

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BMW distanziert sich deutlich

Eine Herstellergarantie oder technische Verantwortung übernimmt BMW nach eigenen Angaben nicht. Das ist für Käufer:innen ein wichtiger Punkt. Denn ohne Qualitätskontrolle und ohne Garantie steigt das Risiko für Mängel und spätere Probleme deutlich.

Hinzu kommt: Laut einem weiteren Bericht von "Auto Motor und Sport" nehmen mehrere russische Händler bereits Vorbestellungen für den neuen BMW X5 entgegen. Angeboten würden zunächst die Varianten X5 40i xDrive und X5 40d xDrive. Offizielle Lieferungen des Herstellers gibt es nach Angaben von BMW aber nicht.

Der Konzern verweist darauf, dass Vertragspartner internationale Exportvorschriften einhalten müssen. BMW habe seine internen Kontrollen in den vergangenen Jahren verschärft, um Verstöße gegen Export- und Sanktionsbestimmungen zu verhindern. Ende 2024 habe das Unternehmen eigene Unregelmäßigkeiten bei Fahrzeuglieferungen entdeckt und arbeitsrechtliche Konsequenzen gegen beteiligte Mitarbeiter:innen gezogen.

Der Export von Pkw nach Russland ist wegen der EU-Sanktionen grundsätzlich verboten. Verstöße können laut Außenwirtschaftsgesetz strafrechtlich verfolgt werden. Zusätzlich drohen Maßnahmen durch den Hersteller, etwa bis hin zur Kündigung von Händlerverträgen. Trotzdem bleibt die Nachfrage hoch: Nach Angaben der russischen Marktforschungsplattform "Avtostat" wurden 2025 rund 16.700 BMW neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von etwa 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele Fahrzeuge kommen demnach über Parallelimporte ins Land.


Verwendete Quellen:

auto-motor-und-sport.de: "X5, X6 und X7 aus Kaliningrad: Russland baut weiter BMW-Modelle aus Altbeständen"

auto-motor-und-sport.de: "Trotz Sanktionen und Embargo: In Russland kann man neuen BMW X5 schon bestellen"

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