Parlamentswahl
Ungarn im Umbruch: Ist Magyar nur der neue Orbán?
Veröffentlicht:
von Emre Bölükbasi:newstime
Machtwechsel in Ungarn
Videoclip • 01:54 Min • Ab 12
Péter Magyar hat die historische Wahl in Ungarn gewonnen. Er klingt aber in vielem erschreckend vertraut. Muss Europa doch noch zittern? Was Expert:innen sagen.
Das Wichtigste in Kürze
Péter Magyar hat Orbán nach 16 Jahren aus dem Amt gedrängt – doch der neue ungarische Premier ist konservativer, als viele denken.
Grenzzaun, kein EU-Migrationspakt, kein schneller Abschied von russischem Gas: Vieles klingt vertraut.
Was Magyar wirklich von Orbán unterscheidet – und was das für Deutschland und die EU bedeutet.
Er ist eher rechts, konservativ, ein Verfechter dichter Grenzen – und machte Wahlkampf mit einem Bibelvers. Die Rede ist nicht von Ungarns amtierendem Regierungschef Viktor Orbán, sondern dessen Herausforderer Péter Magyar.
Mit seinem Erdrutschsieg bei der Ungarn-Wahl am Sonntag (12. April) beendete er zwar die Orbán-Ära, aber seine Politik klingt teilweise bekannt. Warum jubeln dann die Massen in Ungarn – und ist Magyar vielleicht ein neuer, junger Orbán? Eine Frage, die auch für Deutschland von großer Bedeutung ist.
Im Video unten: So hatte Orbán die EU immer wieder lahmgelegt!
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Vom Orbán-Anhänger zum Orbán-Kritiker
Der 45-jährige Rechtsanwalt war einst selbst Teil des Systems – er war Mitglied der Orbán-Partei Fidesz und ist somit ein Insider. Genau das macht ihn laut Expert:innen glaubwürdig, wenn er über Korruption spricht. 2024 kam es zum Bruch mit der Partei und er trat der konservativen Partei Tisza bei.
Politikwissenschaftlerin Melani Barlai von der Andrássy Universität Budapest zufolge zeigte er sich zudem als Systemkenner extrem nahbar. "Er hat das ganze Land mehr oder weniger durchrockt, mehr als 500 Orte besucht und die Menschen bei ihren Sorgen abgeholt", erklärt sie gegenüber :newstime.
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Sein Wahlspruch – der Bibelvers "Fürchtet euch nicht" – habe auch einen Nerv getroffen. "Diese Angst hat er sehr gut lösen können, indem er eine Alternative angeboten hat – nicht nur für eine Person, sondern für einen Systemwechsel."
Migration, Ukraine, Russland: So ähnlich sind sich Orbán und Magyar
Die inhaltlichen Überschneidungen mit Orbán sind aber real. Bei der Migration bleibt Magyar hart, der Zaun an der Grenze zu Kroatien und Serbien soll stehen, russisches Gas fließt vorerst weiter. "Er möchte eine eher sicherheitsorientierte Asyl- und Migrationspolitik", betont der Politikwissenschaftler Kai-Olaf Lang im :newstime-Interview.
Und wie sieht es mit der Ukraine aus? "Magyar selbst ist sicherlich kein glühender Verfechter der Solidarität mit der Ukraine", ist sich der Politologe sicher. Auch wenn Magyar seine Unterstützung für die Souveränität Kiews mehrmals bekundet hat: Im Wahlkampf hielt er das Thema eher klein, weil die Bevölkerung Beobachter:innen zufolge Angst hat, in den Krieg reingezogen zu werden.
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Weg vom Anti-EU-Kurs
Der entscheidende Unterschied liegt woanders: Europa. Magyar hat es noch am Wahlabend klar formuliert: "Ungarn wird wieder ein starker Verbündeter in der EU und der NATO sein."
Lang sieht darin eine echte Verschiebung: "Einfacher wird alles, was mit der Ukraine, Russland und Sanktionspolitik zusammenhängt. Da wird Magyar nicht konsequent blockieren." Gleichzeitig warnt Lang: Magyar werde in Brüssel und Berlin auftreten "mit der Ansage: 'Ihr wollt doch nicht, dass Orbán wieder zurückkommt. Deswegen brauche ich Erfolge.'"
Ein weiterer Punkt, der Magyar nicht nur von Orbán unterscheidet, sondern auch womöglich den Erdrutschsieg ermöglicht hat: der Fokus auf Maßnahmen gegen Korruption. Beobachter:innen zufolge ist die Korruption unter Orbán zu einem ernsthaften Problem geworden. Magyars Versprechen: Er will mit allen Mitteln dagegen vorgehen.
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