Zweidrittelmehrheit
Polit-Beben in Ungarn: Orban unterliegt Herausforderer Magyar
Aktualisiert:
von dpa:newstime
Neuanfang: Peter Magyar siegt in Ungarn
Videoclip • 02:21 Min • Ab 12
Der Regierungschef verliert deutlich gegen Herausforderer Peter Magyar. Orban hat seinem Kontrahenten schon gratuliert - macht er nun in der Opposition weiter?
Das Wichtigste in Kürze
Peter Magyar hat die Parlamentswahl in Ungarn gewonnen.
Ministerpräsident Viktor Orban hat seine Niederlagen nach Bekanntwerden der ersten Ergebnissen eingestanden.
Für die EU ist Orbans Niederlage richtungsweisend.
Die Tisza-Partei des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar hat nach Berechnungen der Wahlkommission eine Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament erreicht. Nach Auszählung der Stimmzettel in 84,91 Prozent der Wahllokale kommt Tisza auf 138 von 199 Mandaten im Parlament.
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat seine Niederlage eingestanden. "Was auch immer kommt, wir werden auch in der Opposition der Heimat dienen", sagte er vor Anhängern in Budapest. "Die Aufgabe ist klar: Nachdem die Last der Regierungsarbeit nicht mehr auf unseren Schultern liegt, müssen wir unsere eigene Gemeinschaft stärken", fügte er mit Blick auf seine Anhängerschaft hinzu.
Mit der parlamentarischen Zweidrittelmehrheit kann Magyar Reformen durchführen, die Verfassungsänderungen erfordern, sowie Amtsträger austauschen, die Orban eingesetzt hat. Ohne diese Möglichkeit könnte etwa das Verfassungsgericht Reformvorhaben der künftigen Tisza-Regierung blockieren. Wie Magyar in Budapest erklärte, habe ihm Orban telefonisch zum Wahlsieg gratuliert.
Für die Europäische Union ist diese Wahl richtungsweisend
Die Wahl galt als wichtigste Wählerentscheidung seit der demokratischen Wende 1989/90. Orban hat in seiner Regierungszeit seit 2010 einen halb-autoritären Staat errichtet, sein Land auf einen Konfrontationskurs zur EU gesteuert und sich mit Russland und der US-Regierung von Präsident Donald Trump verbündet.
In der EU blockierte er mit seinen Vetos wichtige Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine. Die Union brachte er damit an den Rand der Handlungsunfähigkeit. Wegen der Verstöße gegen das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit legte die EU Milliardenhilfen aufs Eis, die Ungarn zustehen würden.
Die Wahlbeteiligung erreichte einen Rekordwert. Sie betrug eine halbe Stunde vor Schließung der Wahllokale 77,8 Prozent.
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