Russische Ziele im Visier

Ukrainische Drohnenangriffe setzen Putins Ölindustrie massiv zu

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Russlands Rohölexporte brechen stark ein

Videoclip • 01:11 Min • Ab 12


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Mehrere ausländische Partner haben Kiew laut Präsident Selenskyj gebeten, die Angriffe auf Russlands Ölsektor zu reduzieren. Doch die ukrainischen Attacken scheinen immer erfolgreicher zu werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehrere ausländische Partner haben Kiew gebeten, die Angriffe auf Russlands Ölsektor zu reduzieren.

  • Hintergrund ist die Sorge vor weiter steigenden Ölpreisen wegen der ohnehin schon angespannten Lage aufgrund des Iran-Kriegs.

  • Der Ukraine gelangen allerdings zuletzt einige spektakuläre Erfolge gegen die wichtige Einnahmequelle von Kreml-Herrscher Putin.

Partnerländer drängen auf weniger ukrainische Angriffe auf Ölziele

Die ukrainische Führung steht vor einem Spannungsfeld: Einerseits drängen ungenannte Partnerstaaten Kiew dazu, die Angriffe auf russische Ölziele zu begrenzen, weil der Konflikt im Nahen Osten und der Krieg des Iran die Energiepreise zusätzlich nach oben treiben. Andererseits sieht die Ukraine in den gezielten Drohnenoperationen eine Chance, Russlands Kriegsfinanzierung empfindlich zu treffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj machte erst vor wenigen Tagen klar, dass ein Einlenken nur unter Bedingungen denkbar ist. "Wenn die Russen wollen, dass dies aufhört, müssen sie ihre Angriffe einstellen, und dann werden wir entsprechend handeln", sagte Selenskyj.

Zuvor hatte bereits der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Kyrylo Budanow, bestätigt, dass ausländische Partner Kiew aufgefordert hätten, die Schläge gegen die russische Ölinfrastruktur zu beenden. Hintergrund ist die Sorge, dass weitere Ausfälle im russischen Ölsektor in Verbindung mit den Spannungen im Nahen Osten die weltweiten Energiepreise noch stärker treiben könnten.

Die Ukraine jedoch setzt darauf, dass weniger Öleinnahmen Moskau militärisch schwächen. Wegen höherer Ölpreise durch den Iran-Krieg und gelockerter US-Sanktionen zählt Moskau hingegen auf mehr Einnahmen für seine Kriegskasse. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst wiederum berechnete kürzlich, dass die russischen Exporte von Öl und Treibstoffen im März wegen der beschädigten Hafenanlagen leicht gesunken seien. Skeptischer äußerte sich hingegen Selenskyjs Kanzleichef Budanow. "Unsere Schläge, die wir ihren Raffinerien versetzen, können leider nicht mit dem Preisanstieg mithalten", sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform in Kiew. "Aber sie treffen die russische Öl- und Gasbranche trotzdem."

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Ukrainische Drohnen attackieren russische Öl-Infrastruktur

Tatsächlich wurden die Angriffe zuletzt intensiviert. Nach Einschätzung von Beobachter:innen scheint Kiew eine Dynamik erkannt zu haben, mit der durch Langstrecken-Drohnenangriffe auf zentrale Ölziele größerer Schaden angerichtet werden kann als bisher. Am 5. April trafen laut einem Bericht des ZDF Langstreckenangriffe die Norsi-Ölraffinerie in Kstowo in der Region Nischni Nowgorod, die zum Konzern Lukoil gehört. Die Anlage musste ihren Betrieb einstellen. Norsi ist die viertgrößte Raffinerie Russlands, und die Unterbrechung der Kraftstofflieferung soll sich auch in offiziellen Zahlen zum Kraftstoffabsatz auf dem russischen Markt widerspiegeln.

Kurz darauf griffen ukrainische Drohnen erneut die Ölinfrastruktur rund um die Schwarzmeerstadt Noworossijsk an. Am 6. April wurde der Ölterminal Sheskharis im Hafen getroffen, der zum Caspian Pipeline Consortium gehört. Eine abschließende Schadensanalyse liegt noch nicht vor, doch Videoaufnahmen aus der Nacht des Angriffs deuten auf erhebliche strukturelle Schäden hin. Damit rücken wichtige Exportknotenpunkte Russlands zunehmend in den Fokus.

Auch Putins wichtige Ostsee-Terminals im Visier

In derselben Nacht erreichten leichte ukrainische FPV-Drohnen zudem eine russische Ölbohrplattform im Schwarzen Meer, wie das ZDF weiter berichtet. Nach den verfügbaren Videoaufnahmen dürfte der direkte Schaden zwar gering sein. Der Angriff zeigt jedoch, wie verwundbar diese Anlagen gegenüber vergleichsweise einfachen Drohnensystemen sind, die vermutlich von Meeresdrohnen aus gestartet wurden. Auch weit draußen gelegene Plattformen sind damit nicht mehr automatisch sicher.

Nur einen Tag später, am 7. April, wurde erneut der Ölterminal Ust-Luga an der Ostsee angegriffen – inzwischen der vierte Angriff innerhalb von drei Wochen auf diese Anlage. Gemeinsam mit dem ebenfalls mehrfach getroffenen Terminal Primorsk haben beide wichtigen Ostsee-Exporthäfen in den vergangenen Wochen nach den vorliegenden Analysen erhebliche Schäden erlitten. Expert:innen schätzen, dass ihre Exportkapazitäten derzeit um 20 bis 30 Prozent reduziert sind.

Zentrale Pipeline in Russland attackiert

Am Morgen des 10. April trafen Drohnenangriffe außerdem die Ölproduktpipeline Wolgograd–Tikhoretsk. Diese Leitung gilt als zentrale Route für den Transport von Diesel aus Wolgograd zum Exportterminal von Noworossijsk im Süden Russlands. Der Schlag gegen diese Pipeline dürfte das Exportpotenzial Russlands abermals einschränken.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Nachrichtenagentur Reuters

ZDF: "Wie ukrainische Drohnen Russlands Ölsektor ins Wanken bringen"

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