Orientierung weg?
Ungarn nach Orbán: Zerbricht jetzt das Vorbild der europäischen Rechten?
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Machtwechsel in Ungarn (13. April)
Videoclip • 01:54 Min • Ab 12
Viktor Orbán galt Europas Rechtsaußen als Leitfigur. Nach seiner Wahlniederlage reagieren AfD, Le Pen & Co. nervös – aber sehr unterschiedlich. Ein Überblick über die Folgen für Europas Rechte.
Das Wichtigste in Kürze
Viktor Orbán ist in Ungarn abgewählt worden und verliert damit seine Machtbasis.
Europas rechte Parteien müssen ohne ihr wichtigstes Vorbild auskommen.
Die Wahlniederlage könnte ihre Strategien und Allianzen spürbar verändern.
Der Machtverlust von Viktor Orbán trifft Europas rechte Parteien ins Mark. Der langjährige ungarische Regierungschef galt vielen Rechtspopulist:innen als strategisches Vorbild und ideologischer Fixpunkt. Seine Abwahl markiere nun eine Zäsur: Das politische Lager muss sich neu sortieren – zwischen Loyalität, Distanzierung und offener Ratlosigkeit.
DEUTSCHLAND
Für die AfD kommt Orbáns Niederlage zur Unzeit. Parteichefin Alice Weidel hatte den Ungarn offen hofiert, ließ sich kurz vor der Bundestagswahl 2025 demonstrativ in Budapest empfangen und pflegte das Bild einer internationalen Achse der Rechten. Nach der Abwahl fiel die Reaktion auffallend nüchtern aus. Zwar gratulierte Weidel dem Wahlsieger, dankte aber zugleich Orbán ausdrücklich für seine "Leistungen" und seine "Verdienste um Europa".
In der Partei überwog Frust. Der rechte Ideologe Benedikt Kaiser brachte es drastisch auf den Punkt: "Die freiwillige Selbstbindung an einen harten Trumpismus schadet der jeweils heimischen Rechten bei den Wählern kolossal."
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FRANKREICH
Für Marine Le Pen ist Orbáns Abwahl mehr als nur ein symbolischer Verlust. Über Jahre hinweg zählte er zu ihren wichtigsten politischen Verbündeten. Noch kurz vor der Wahl feierte sie ihn als "Freund", "Pionier" und "Ausnahme‑Politiker". Nach dem Machtwechsel lobte sie immerhin dessen "Eleganz". Doch strategisch wiegt der Verlust schwer: Mit Orbán fehlt dem Rassemblement National ein erfahrener Mitstreiter im offenen Machtkampf mit Brüssel.
Innenpolitisch bleibt Le Pen davon jedoch unbeeindruckt – in Paris richtet sich der Blick fest auf die nächste Präsidentschaftswahl.
POLEN
In Polen trifft Orbáns Sturz einen alten Mythos der Rechten. PiS‑Chef Jarosław Kaczyński hatte einst ein "Budapest in Warschau" angekündigt – und setzte diesen Kurs später selbst um. Orbán verkörperte genau das politische Modell, an dem sich die PiS orientierte. Nach der Abwahl herrscht Funkstille. Präsident Karol Nawrocki, der Orbán noch im Wahlkampf unterstützte, gratulierte zwar dem Sieger, verweigerte aber jede inhaltliche Einordnung.
Politologin Agnieszka Lada‑Konefal bringt die Lage nüchtern auf den Punkt: "Die PiS muss sich jetzt erst mal selbst sortieren." Auch der demonstrative Trump‑Kurs dürfte neu bewertet werden. "Vermutlich werden sie Trump nicht mehr in jedem zweiten Satz loben."
Auch in den News:
ITALIEN
Für Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni ist Orbáns Abwahl kein politisches Erdbeben, aber ein Einschnitt. Beide arbeiteten jahrelang eng zusammen, Meloni sprach öffentlich von ihrem "Freund Viktor Orbán" und dankte ihm für die "intensive Zusammenarbeit". Gleichzeitig hat sie sich längst von seinem Kurs emanzipiert: Meloni gibt sich europakompatibel, hält Distanz zu Moskau und setzt auf pragmatische Machtpolitik. Dass der neue ungarische Regierungschef Peter Magyar als konservativ und klar prowestlich gilt, verschafft ihr zusätzlichen Spielraum.
ÖSTERREICH
Die FPÖ reagiert kämpferisch – und sucht Schuldige. Parteichef Herbert Kickl macht offen die EU für Orbáns Niederlage verantwortlich und warnt vor einem Brüssel, das nun ungebremst "Irrsinns‑Projekte" durchsetzen könne. Orbán bleibt für die FPÖ trotz Wahlniederlage ein politischer Fixstern. Die Botschaft an die eigene Basis ist klar: Nicht Orbán habe versagt, sondern das System gegen ihn gearbeitet.
EUROPÄISCHE UNION
Auf europäischer Ebene verliert das Bündnis "Patrioten für Europa" seinen wichtigsten Machtfaktor – und den einzigen Regierungschef in den eigenen Reihen. Zwar betont die Fraktion weiterhin den Kampf für "nationale Souveränität" und konservative Werte, doch der Bedeutungsverlust ist offensichtlich. EVP‑Chef Manfred Weber spricht von einer "massiven Schwächung der Populisten" und bringt es klar auf den Punkt: "Mit der Niederlage von Viktor Orbán haben die Rechtspopulisten ihre Symbolfigur verloren."
GROSSBRITANNIEN
Für Nigel Farage kommt Orbáns Abwahl kaum überraschend. Der britische Brexit‑Vorkämpfer hatte sich schon länger von dem Ungarn distanziert. Spätestens Orbáns Nähe zu Moskau machte ihn auf der Insel politisch toxisch – selbst für eingefleischte EU‑Gegner.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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