Treibstoffversorgung erschwert
Ukraine greift Moskau an – fast 200 Drohnen setzen Raffinerie in Brand
Veröffentlicht:
von Jacqueline Bittl:newstime
Drohne beschädigt Moskauer Wohnhaus (4. Mai)
Videoclip • 19 Sek • Ab 12
Nahezu 200 Drohnen erreichen Moskau. Eine riesige Raffinerie steht in Flammen, Flughäfen werden geschlossen. Der Angriff trifft Russlands Hauptstadt ins Mark und wirft neue Fragen zur Sicherheit auf.
Moskau ist offenbar Ziel eines der heftigsten Drohnenangriffe seit Beginn des Ukraine-Krieges geworden. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, haben ukrainische Drohnen in der Nacht (17. auf 18. Juni) eine große Ölraffinerie im Südosten der russischen Hauptstadt getroffen und dort schwere Brände ausgelöst. Laut Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin ist es mehreren unbemannten Flugkörpern gelungen, trotz Luftabwehr bis zur Anlage vorzudringen.
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Angriff der Ukraine traf Moskau schwer und wird Russlands Treibstoffversorgung erschweren
In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos, die Explosionen und meterhoch aufsteigende Rauchwolken zeigen. Auf mehreren Aufnahmen ist zu sehen, wie der Deckel eines Öltanks durch eine Explosion in die Luft geschleudert wird. Aufnahmen von Augenzeug:innen legen nahe, dass die russische Flugabwehr Mühe hatte, die Drohnen abzufangen. Offiziell heißt es, mehr als 190 Drohnen seien abgeschossen worden, dennoch haben einzelne ihr Ziel erreicht.
Die Raffinerie im Stadtteil Kapotnja zählt zu den größten Anlagen des Landes und gehört dem Energiekonzern Gazpromneft. Sie verarbeitet bis zu elf Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr und spielt eine zentrale Rolle für die Treibstoffversorgung Moskaus. Über das genaue Ausmaß der Schäden machte die russische Seite zunächst keine Angaben. Das unabhängige Portal "Astra" will anhand von Videoanalysen jedoch mehrere Brandherde identifiziert haben.
Der Angriff hatte auch Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Nach offiziellen Angaben wurden Wohngebäude beschädigt, zudem mussten alle vier Moskauer Flughäfen zeitweise den Betrieb einstellen. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht. Die Einschläge rund 15 Kilometer vom Kreml entfernt gelten Beobachter:innen zufolge als empfindlicher Imageschaden für die russische Führung, da Moskau lange als vergleichsweise gut geschützt galt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff in sozialen Netzwerken. Er sprach von "Langstrecken-Sanktionen" gegen die russische Ölindustrie und bezeichnete die Raffinerie als wichtiges Ziel für die russische Kriegsführung. Ähnliche Angriffe wurden zuletzt häufiger, mit einer steigenden Zahl selbst produzierter Drohnen versucht Kiew, die russische Luftabwehr zu überlasten und die Treibstoffversorgung zu schwächen. Zuletzt trafen Ukraine-Drohnen Russlands Energieader schwer.
Neben Moskau wurden in derselben Nacht auch weitere russische Regionen angegriffen. Das russische Militär sprach von insgesamt mehr als 550 abgefangenen Drohnen. In der Grenzregion Belgorod wurde laut Behörden ein Mensch getötet. Beobachter:innen rechnen nun damit, dass Moskau auf den Angriff erneut mit schweren Gegenangriffen reagieren könnte.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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