Ratgeber für den Ernstfall
Ukraine-Krieg: Polen rüstet Bevölkerung für mögliche Angriffe
Veröffentlicht:
von Benedikt RammerEin 50-seitiger Sicherheitsratgeber wurde in Polen an die Bevölkerung verteilt, um sie auf mögliche Notfallszenarien vorzubereiten.
Bild: Screenshot Titelbild von Ratgeber "Poradnik Bezpieczeństwa"
Polen reagiert auf die wachsende Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg mit einem umfassenden Sicherheitsratgeber. Während einige die Maßnahmen als Panikmache abtun, sehen andere darin eine sinnvolle Vorbereitung auf den Ernstfall.
Das Wichtigste in Kürze
Polen verteilt einen Sicherheitsratgeber, um die Bevölkerung auf mögliche Notfälle vorzubereiten.
Die Maßnahmen stoßen sowohl auf Zustimmung als auch auf Kritik wegen möglicher Panikmache.
Apps und Schulungen ergänzen die Präventionsmaßnahmen gegen mögliche Angriffe.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich die Sicherheitslage in Europa dramatisch verändert. Bilder von Zerstörung und Flucht prägen das kollektive Bewusstsein, während die Befürchtungen vor einer Ausweitung des Konflikts wachsen. Polen reagiert auf diese Unsicherheiten mit einem außergewöhnlichen Schritt: Ein 50-seitiger Sicherheitsratgeber wurde landesweit an die Bevölkerung verteilt, um sie auf mögliche Notfallszenarien vorzubereiten.
Der "Poradnik Bezpieczeństwa" (deutsch: Sicherheitsratgeber) enthält praktische Anleitungen für den Fall von Katastrophen wie Luftangriffen, chemischen Waffen oder terroristischen Bedrohungen. So wird etwa empfohlen, bei einer Explosion sofort in eine Mulde zu springen und den Kopf zu bedecken. Für den Fall einer radioaktiven Kontamination soll die Bevölkerung mehrere Tage in einem abgedichteten Gebäude überleben können. Die Inhalte des Handbuchs sollen die Menschen dabei unterstützen, sich im Ernstfall richtig zu verhalten und schneller zu reagieren.
Maßnahmen stoßen auf gemischte Reaktionen
Die polnische Regierung sieht den Ratgeber als notwendige Vorsichtsmaßnahme angesichts der geopolitischen Spannungen. Doch die Meinungen dazu gehen laut dem "Tagesspiegel" auseinander. Während einige Expert:innen wie Survival-Spezialist Rafał Wieczorek die Hinweise als übertrieben kritisieren und von "unnötiger Panikmache" sprechen, betonen andere die Bedeutung solcher Vorkehrungen. Besonders der Ratschlag, bei einer terroristischen Bedrohung mit Alltagsgegenständen wie einer Handtasche oder einem Stuhl zu kämpfen, sorgte für Diskussionen.
Ein Militärexperte erinnerte jedoch daran, dass im Ratgeber zunächst zur Flucht oder zum Verstecken geraten wird. "Eine absolute Anfängerin, beispielsweise eine verängstigte Frau, kann einen Angreifer mit ihrer Entschlossenheit überraschen", fügte er hinzu.
Vorbereitung auf den Ernstfall
Neben dem Handbuch hat Polen dem "Tagesspiegel" zufolge weitere Maßnahmen eingeführt, um die Bevölkerung zu beruhigen und zu schulen. Eine App des Innenministeriums zeigt Schutzräume in der Nähe an, und Bürger:innen können Krisen-Schulungen beim Militär buchen. Der Sicherheitsratgeber ist online bereits seit dem vergangenen Jahr verfügbar und wird nun durch die neuen Initiativen ergänzt.
Die polnische Bevölkerung scheint den Ernst der Lage durchaus wahrzunehmen. Laut einer Umfrage des "Tagesspiegels" fürchten sich rund 47 Prozent der Menschen vor einem größeren Angriff aus Russland. Angesichts dieser Zahlen scheinen die Vorsichtsmaßnahmen der Regierung nicht unbegründet, auch wenn sie teils auf Kritik stoßen.
Verwendete Quellen:
Tagesspiegel: "Lassen Sie sich in eine Mulde fallen": Polen bereitet Bevölkerung mit Krisenratgeber auf den Kriegsfall vor"
gov.pl: "Poradnik bezpieczeństwa"
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Haushaltsstreit
Shutdown beendet: Trump hat Haushaltspaket unterschrieben

Sohn von Ex-Diktator ermordet
Haus im Libyen gestürmt: Gaddafi-Sohn Saif al-Islam offenbar tot

Haushaltsstreit
US-Parlament macht Weg frei: Ende des Shutdowns zum Greifen nah

Junge aus Eritrea tot aufgefunden
Obduktion abgeschlossen: Yosef (14) aus Dormagen wurde erstochen

Ermittlungen gegen Online-Plattform
Frankreich: Durchsuchung bei X – Elon Musk vor Gericht geladen

Debatte um Leistung
Kevin Kühnert wird bei "Hart aber fair" wieder zum Angreifer

