"Smartphones auf Rädern"
Polen verhängt Fahrverbote für beliebte E-Autos: Das steckt dahinter
Aktualisiert:
von Jana WejkumE-Autos aus China, etwa die des Herstellers BYD, erfreuen sich in Polen großer Beliebtheit. (Archivbild)
Bild: Matthias Balk/dpa
Was wie eine Laune der Handelspolitik wirkt, hat einen ernsten Hintergrund. Darum sind chinesische Autos in Polen mancherorts verboten.
Das Wichtigste in Kürze
In Polen dürfen Autos chinesischer Marken sicherheitsrelevante Bereiche nicht mehr befahren.
Grund ist die Sorge vor Spionage, weil moderne Autos permanent Daten über ihre Fahrer:innen und die Umgebung sammeln und sie an die chinesische Regierung weitergeben könnten.
In Deutschland sind E-Autos aus China noch nicht weit verbreitet, was sich aufgrund der neuen E-Auto-Förderung ändern könnte.
E-Autos aus China drängen auf den europäischen Markt. Vergleichbare Fahrzeuge europäischer Hersteller kosten meistens mehr. Umso verlockender werden Marken wie BYD, Xpeng und Zeekr.
Doch die finanziellen Vorteile haben ihren Preis: Moderne Autos sind mit Kameras, Sensoren und Radarsystemen ausgestattet. Sie sammeln ständig Daten über ihre Insassen und die Umgebung. Das tun zwar alle modernen Autos – doch bei denen chinesischer Hersteller ist unklar, wofür diese Informationen benutzt werden. Denn diese sind in China dazu verpflichtet, mit den Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten - welche dadruch etwa auf Kameradaten zugreifen könnten.
In Polen reagiert das Verteidigungsministerium jetzt auf die Sorge um Spionage: Fahrzeuge chinesischer Hersteller dürfen bestimmte Gebiete nicht mehr befahren. Militärisches Gelände ist tabu. Auch das Parken in der Nähe strategisch wichtiger Objekte ist verboten. Wie "T-online" berichtet, kommt das einem örtlichen Fahrverbot gleich. Bei "Tagesschau.de" heißt es zudem, dass Militärangehörige ihre Diensthandys nicht mehr mit chinesischen Autos koppeln dürfen.
Ein landesweiter Beschluss für diese Regelung soll in wenigen Tagen vorgestellt werden. Nach Informationen von "T-online" könnten auch Fahrzeuge des Herstellers Tesla, der US-Milliardär Elon Musk gehört, vom Verbot betroffen sein.
Bericht: "Smartphones auf Rädern"
In den Fokus der Öffentlichkeit gelangte das Thema durch einen Bericht des Warschauer Zentrums für östliche Studien. Dieser trägt den Titel "Smartphones auf Rädern". Seine Verfasserin, Paulina Uznańska, warnt davor, das Gefahrenpotenzial der Autos zu unterschätzen.
"Wir haben diese Tendenz, bei einem Auto einfach nur an ein Fahrzeug zu denken, das uns von A nach B bringt", zitiert "Tagesschau.de". Doch die von den Autos erfassten Daten könnten im schlimmsten Fall zu militärischen oder Spionagezwecken oder für Cyberangriffe genutzt werden.
Auch in den News:
China: Skepsis gegenüber ausländischen Autos
In Polen hat sich der Absatz von chinesischen Neuwagen 2025 vervierfacht. Wie das "Handelsblatt" berichtet, ist ein Modell des chinesischen Herstellers BYD der meistverkaufte Plug-in-Hybrid Europas und überholt damit den deutschen Konzern VW.
In China ist man gegenüber westlichen Autoherstellern deutlich skeptischer. Wie Paulina Uznańska in ihrem Bericht beobachtet, gelten in China strikte Regeln und Lizenzierungsverfahren für ausländische Unternehmen. In China sei man "sich bewusst, dass es reale Risiken gibt und versucht, sich mit ihrem eigenen Regulierungssystem davor zu schützen", so Uznańska.
Chinesische Autos in Deutschland noch wenig verbreitet
Eine Analyse des Portals "Business Insider" zeigt, dass Automarken aus China sich in Deutschland vorerst noch nicht durchsetzen konnten. Beim Verkauf von E-Autos stieg der Verkauf zwar um ein Viertel, deutsche Hersteller haben trotzdem einen Marktanteil von über 60 Prozent. Der Absatz von E-Autos war 2024 nach dem Ende des Umweltbonus insgesamt eingebrochen.
Die neue E-Auto-Förderung der Bundesregierung könnte das ändern. Die Unternehmensberatung Deloitte gibt zu bedenken, dass davon verstärkt chinesische Hersteller profitieren könnten, weil die E-Auto-Produktion in Europa den Bedarf nicht decken könne.
E-Auto-Förderung gilt auch für chinesische Marken
Deloitte-Autobranchenfachmann Harald Proff plädiert für Einschränkungen der Förderkriterien auf lokal produzierte Fahrzeuge: "Um die europäische Automobilwirtschaft tatsächlich zu fördern, müssen jedoch Local-Content-Kriterien definiert werden, damit wir nicht Gefahr laufen, mit deutschen Steuergeldern Importfahrzeuge aus China zu subventionieren."
Noch sind solche Kriterien nicht Teil der E-Auto-Förderung. "Die Bundesregierung wolle "schnellstmöglich" EU-konforme-Präferenzregelungen erarbeiten, wie es auf der Webseite des Umweltministeriums heißt. "Diese Vorgaben werden später in das laufende Förderprogramm integriert."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Tagesschau: "Polens Sorge wegen Autos aus China"
T-online: "Polen verhängt erste Fahrverbote für beliebte E-Autos"
Business Insider: "Deutsche E-Autobauer schlagen China überraschend deutlich – Tesla stürzt ab"
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