Auch geheime Daten

Trotz Grok-Empörung: Trump-Minister Hegseth setzt voll auf Musks KI

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von Joachim Vonderthann

Trotz weltweiter Empörung über Grok setzt das Pentagon unter US-Verteidigungsminister Hegseth voll auf die KI von Elon Musk.

Bild: J. Scott Applewhite/AP


Die Trump-Regierung baut auf die KI-Systeme von Elon Musk im Pentagon. Trotz Bedenken und Kontroversen um Musks Chatbot Grok sollen die Technologien die militärische Datenverarbeitung revolutionieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Pentagon integriert die KI-Systeme von Musk zur Datenverarbeitung.

  • Musks Chatbot Grok steht wegen ethischer Probleme und Kontroversen in der Kritik.

  • Ob die unter Trump-Vorgänger Biden erlassenen Einschränkungen für den militärischen Einsatz von KI weiter gelten, ist unklar.

Die USA verstärken ihren Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Verteidigungsbereich. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte am Montag (12. Januar) an, dass Elon Musks KI-Chatbot Grok sowie Googles generative KI-Technologie künftig in den Netzwerken des Pentagons integriert werden. Ziel sei es, die großen Datenmengen des Militärs effizienter zu nutzen und die technologische Entwicklung voranzutreiben.

"Sehr bald werden wir die weltweit führenden KI-Modelle in jedem nicht klassifizierten und klassifizierten Netzwerk unserer Abteilung haben", erklärte Hegseth bei einer Rede in Südtexas bei Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, wie "Independent" berichtet. Laut Hegseth sollen "alle geeigneten Daten" aus den IT-Systemen des Militärs sowie Geheimdienstdatenbanken für die KI-Nutzung bereitgestellt werden. Diese Entscheidung ist Teil einer umfassenderen Initiative der USA, die technologische Innovationskraft des Militärs zu stärken.

Pentagon setzt trotz Kritik auf Musk-KI Grok

Die Ankündigung erfolgt inmitten von Kontroversen um Musks Chatbot Grok, der kürzlich für Empörung sorgte. Kritiker:innen werfen der KI vor, hochgradig sexualisierte Deepfake-Bilder von Frauen und Minderjährigen generiert zu haben – ohne deren Zustimmung. Länder wie Malaysia und Indonesien haben den Chatbot bereits gesperrt, während die britische Online-Sicherheitsaufsichtsbehörde Ofcom eine Untersuchung angekündigt hat. Auch innerhalb der Europäischen Union war Musks Unternehmen xAI in den vergangenen Tagen wegen solcher Bilder in die Kritik geraten. Trotz dieser Vorwürfe soll Grok laut Hegseth noch in diesem Monat im US-Verteidigungsministerium eingeführt werden.

Darf KI künftig sogar Atomwaffen übernehmen?

Die Regierung von Donald Trumps Vorgänger Joe Biden sah den Einsatz von KI im Militär kritischer und hatte die Notwendigkeit strenger Regularien betont. Beamte warnten davor, dass die Technologie für Massenüberwachung, Cyberangriffe oder autonome tödliche Geräte missbraucht werden könnte. 2024 verabschiedete die Biden-Regierung einen Rahmen für den Einsatz fortschrittlicher KI-Systeme, der bestimmte Anwendungen untersagt – etwa solche, die Bürgerrechte verletzen oder den Einsatz von Atomwaffen automatisieren würden. Ob diese Verbote unter der aktuellen Trump-Regierung bestehen bleiben, bleibt unklar, so der "Independent"

Hegseth will keine "woke künstliche Intelligenz" in seinem Ministerium

Hegseth betonte in seiner Rede die zentrale Rolle von Daten für effektive KI-Systeme: "KI ist nur so gut wie die Daten, die sie erhält, und wir werden dafür sorgen, dass diese Daten vorhanden sind." Laut dem Verteidigungsminister verfügt das Pentagon über "kampferprobte operative Daten aus zwei Jahrzehnten Militär- und Geheimdienstoperationen".

Er verteidigte den Einsatz der KI-Technologie trotz bestehender ethischer Bedenken und fügte hinzu, dass er Modelle ablehne, "die es nicht ermöglichen, Kriege zu führen". Seine Vision sei ein schneller und zielgerichteter Fortschritt ohne ideologische Einschränkungen. Die KI des Pentagons werde "nicht woke sein", machte Trumps Minister deutlich. Musk selbst bewirbt Grok als Alternative zu "woke AI", wie er rivalisierende Systeme wie Googles Gemini oder OpenAIs ChatGPT bezeichnet.

Die Kontroversen um Grok verschärften sich im Juli dieses Jahres zusätzlich, als der Chatbot antisemitische Kommentare abgab und Adolf Hitler lobte. Der Pentagon reagierte bislang nicht auf Fragen zu den Problemen mit Grok.


Verwendete Quellen:

Independent: "Pentagon is embracing Musk's Grok AI chatbot as it draws global outcry"

Nachrichtenagentur dpa

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