Geheime Dokumente

Ex-BND-Chef August Hanning muss in U-Haft: Verdacht auf Spionage und versuchten Landesverrat

Aktualisiert:

von Christopher Schmitt

17:30 SAT.1 Bayern

Spionage beim BND? Ex-Präsident Hanning und Büroleiter festgenommen (6. Oktober)

Videoclip • 01:32 Min • Ab 12


August Hanning war einst Chef des BND. Nach seiner Verhaftung wegen Spionageverdacht muss der Ex-Geheimdienstchef nun in Untersuchungshaft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Ex-BND-Boss August Hanning muss in Untersuchungshaft.

  • Ebenso wie sein ehemaliger Mintarbeiter Manfred D. war Hanning am Dienstag (6. Oktober) festgenommen worden.

  • Die Bundesanwaltschaft wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.

Für Deutschlands Geheimdienst war es ein Schock: August Hanning, der den Bundesnachrichtendienst (BND) zwischen 1998 und 2005 führte, ist am Dienstag (6. Oktober) unter Spionageverdacht festgenommen worden – und muss nun unter anderem deshalb in Untersuchungshaft. Einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft zufolge habe ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Vollzug gesetzt.

Hanning werden von Seiten der obersten Anklagebehörde in Deutschland geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchter Landesverrat vorgeworfen.

Sein ehemaliger Büroleiter beim BND, Manfred D., musste bereits am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft, nachdem beide auf Grundlage von Haftbefehlen festgenommen wurden – Hanning im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern, D. im nordrhein-westfälischen Landkreis Steinfurt.

Auch in den News:

Über die Verhaftungen hatte zunächst die "Tagesschau" unter Verweis auf Recherchen des WDR, NDR sowie der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) berichtet. Ein Regierungssprecher sagte zu den Festnahmen: "Die Bundesregierung wird das wegen der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren."

Schwere Vorwürfe: Landesverrat und Agententätigkeit

Die Ermittler:innen werfen Hanning nichts Geringeres vor als versuchten Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit. Manfred D., der Jahrzehnte als enger Vertrauter an Hannings Seite arbeitete, soll ihm dabei Beihilfe geleistet haben. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ steht hinter dem Fall jedoch keine Verbindung zu Russland.

Das Konstrukt, das die Ermittler:innen beschreiben, klingt wie ein Spionageroman: Manfred D. soll Hanning nach dessen Ausscheiden aus dem BND über viele Jahre hinweg mit internen Geheimdiensterkenntnissen versorgt haben – gegen Bezahlung. D. selbst blieb Teil des BND: Von März 2012 bis März 2026 arbeitete er als Büroleiter für amtierende BND-Präsidenten und hatte damit Zugang zu hochsensiblen Informationen.


Mehr als 2.000 Dokumente – viele davon Verschlusssache

Das Ausmaß des mutmaßlichen Datenflusses ist beachtlich: Laut Bundesanwaltschaft soll D. Hanning insgesamt über 2.000 Dokumente zugespielt haben. Ein erheblicher Teil davon war als Verschlusssache eingestuft und ausschließlich für den internen Dienstgebrauch bestimmt – darunter Unterlagen für Lagebesprechungen hochrangiger Beamt:innen im Bundeskanzleramt.

Hanning selbst soll die geheimen Erkenntnisse für seine Arbeit als Sicherheitsberater in der Privatwirtschaft genutzt haben, in die er nach seiner Zeit als Staatssekretär im Bundesinnenministerium gewechselt war. In mindestens einem Fall soll er die Informationen dazu verwendet haben, für Mitarbeiter:innen eines fremden Nachrichtendienstes eine Analyse zu erstellen. Ob dieses Dokument seinen Adressaten tatsächlich erreichte, konnte bislang nicht festgestellt werden. Darüber hinaus soll Hanning über Jahre in engem Kontakt mit einem Angehörigen eines weiteren ausländischen Nachrichtendienstes gestanden und diesen regelmäßig mit Informationen beliefert haben.

Block-Fall brachte Ermittler auf die Spur

Aufgeflogen ist das mutmaßliche Netzwerk durch einen anderen Skandal: Hanning stand bereits im Herbst 2025 im Verdacht, in die Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block verwickelt gewesen zu sein. Als Verantwortlicher einer Sicherheitsfirma soll er 2022 einen Auftrag zur Kindesentziehung angenommen haben. Bei einer Durchsuchung im Rahmen jener Ermittlungen stießen die Behörden auf Funde, die das jetzt laufende Spionageverfahren erst ins Rollen brachten.


Politik verlangt lückenlose Aufklärung

Die Reaktionen aus der Politik kamen prompt und scharf. Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz, der auch dem parlamentarischen Geheimdienstkontrollgremium angehört, sprach gegenüber dem "Spiegel" von einer "eisenharten und abgründigen Geschichte" und forderte eine vollständige Aufarbeitung der Vorwürfe. Den mutmaßlich entstandenen nachrichtendienstlichen Schaden gelte es schnell zu beziffern, so von Notz. Der Grünen-Politiker nutzte den Fall zugleich für eine grundsätzliche Forderung: Frühere Geheimnisträger der Bundesrepublik sollten solche Lobbytätigkeiten nach ihrer Amtszeit generell verboten bekommen.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen:

Tagesschau: "Ermittler nehmen Ex-BND-Chef Hanning fest"

Nachrichtenagentur dpa

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