Angespannte Lage
Macron ruft angesichts der Schulproteste in Frankreich zur Mäßigung auf
Veröffentlicht:
von Deborah Rebel:newstime
Krisensitzung nach Schülerprotesten
Videoclip • 34 Sek • Ab 12
Die Schulproteste in Frankreich dauern an. Mit Demonstrationen und Blockaden an Schulen und Universitäten fordern junge Menschen bessere Lernbedingungen. Der gewaltsame Einsatz der Polizei sorgt für Empörung.
Das Wichtigste in Kürze
Seit rund zehn Tagen stehen Frankreichs Gymnasien im Zentrum einer Protestbewegung für bessere Lernbedingungen.
Das Vorgehen der Polizei wird scharf kritisiert. Insbesondere der Einsatz von Blendgranaten gegen Schülergruppen sorgt für Empörung.
Präsident Emmanuel Macron hat eine Krisensitzung im Élysée-Palast einberufen. Dabei rief er nach Angaben des Innenministers zur Mäßigung auf.
Angesichts der Schulproteste in mehreren französischen Städten hat Präsident Emmanuel Macron am Dienstag (6. Oktober) eine Krisensitzung im Élysée-Palast einberufen. Dabei habe er zur Mäßigung aufgerufen, erklärte der Innenminister Laurent Nuñez in einem Interview mit dem Sender RTL.
Macron habe betont, dass die Polizei Verständnis zeigen und ihr Vorgehen erklären müsse. Bei schweren Gewalttaten müsse sie eingreifen. Bei friedlichen Demonstrationen gebe es hingegen keinen Grund dafür – auch dann nicht, wenn Schüler:innen vor ihren Schulen protestierten.
Auch in den News:
Proteste weiten sich aus
Die Schulproteste begannen im Großraum Paris und breiteten sich anschließend auf das ganze Land aus. Schüler:innen fordern eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen. Besonders in ärmeren Stadtvierteln machen sie auf Missstände aufmerksam: kaputte Toiletten, undichte Decken und fehlendes Lehrpersonal.
An einzelnen Gymnasien und Universitäten kam es zu Blockadeaktionen. Bildungsgewerkschaften rufen zu weiteren Demonstrationen auf.
Mancherorts eskalierten die zunächst friedlichen Proteste. Demonstrierende setzten Mülltonnen in Brand und warfen Feuerwerkskörper. Seit Beginn der Proteste wurden mehr als 5.000 Menschen festgenommen; 87 Prozent davon waren minderjährig.
Schülervertretungen distanzierten sich deutlich von der Gewalt. Sie erklärten, viele der Ausschreitungen seien nicht von Gymnasiast:innen, sondern von Außenstehenden verübt worden.
Blockade von Schüler:innen in Paris
Bild: REUTERS
Vorwürfe von Polizeigewalt
Auch das Vorgehen der Polizei steht in der Kritik. Ein Fall sorgt besonders für Empörung: In der nordfranzösischen Stadt Lens hat ein 15-jähriger Schüler durch eine Blendgranate, die Polizeikräfte in eine Schülergruppe abgefeuert haben sollen, eine Hand verloren. Die Generalinspektion der Polizei ermittelt zu dem Vorfall.
Friedensorganisationen bezeichneten den Polizeieinsatz gegen Kinder als unverhältnismäßig und forderten eine Deeskalation.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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