Kritik der Jugend
Jusos kritisiert Senioren-Rabatt: Soll das Deutschlandticket für alle günstiger werden?
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Deutschlandticket spart Tonnen von CO2
Videoclip • 29 Sek • Ab 12
Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern machen das Deutschlandticket für Senioren billiger. Jusos und Grüne Jugend fordern Entlastung für alle und bringen ein 9-Euro-Ticket ins Spiel.
Das Wichtigste in Kürze
Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern subventionieren das Deutschlandticket für Senior:innen, während andere Altersgruppen weiter den vollen Preis zahlen.
Jusos-Chef Philipp Türmer und die Grüne Jugend kritisieren, dass Entlastung an der Rentengrenze endet, und fordern ein günstigeres Ticket für alle – bis hin zu einem neuen 9-Euro-Ticket.
Streit gibt es, ob Rabatte beim ÖPNV oder Steuersenkungen auf Sprit der bessere Weg sind.
In Hamburg kostet das Deutschlandticket für viele ältere Menschen ab Mai wieder 49 Euro statt bislang 63 Euro. Die Stadt übernimmt die Differenz aus dem Haushalt, profitieren sollen alle Hamburger:innen ab 67 Jahren, die bereits ein Abo beim Verkehrsverbund HVV haben.
Ein ähnliches Modell gibt es in Mecklenburg-Vorpommern schon länger. Dort zahlen Senior:innen ab 65 Jahren seit Jahresbeginn nur 43 Euro im Monat, der Rest wird vom Land getragen. Jüngere Fahrgäste zahlen weiterhin den regulären Preis von 63 Euro.
Jusos: Solidarität darf nicht an der Rente enden
Der Bundeschef der Jusos, Philipp Türmer, lobt zwar, dass ältere Menschen vergünstigt mobil sein können. Gleichzeitig kritisiert er, dass die Unterstützung nur eine Altersgruppe erreicht. Er fragt, warum Solidarität an der Rentengrenze aufhöre, gerade in einer Phase, in der die Spritpreise wieder deutlich steigen. Besonders junge Menschen, Auszubildende und Studierende seien überdurchschnittlich von Armut betroffen.
Türmer fordert deshalb, dass die Politik auch für andere Gruppen Entlastungen schafft. Ein günstigeres Deutschlandticket könnte dazu beitragen, finanzielle Sorgen zu mildern und gleichzeitig den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn zu erleichtern.
Grüne Jugend will bundesweites 9-Euro-Ticket
Auch die Grüne Jugend begrüßt die Seniorenrabatte, hält sie aber für nicht ausreichend. Bundessprecherin Henriette Held schlägt vor, das Ticket vorübergehend wieder deutlich zu verbilligen – und zwar für alle Altersgruppen. Ihr Ziel: ein bundesweites 9-Euro-Ticket nach dem Vorbild des Sommers 2022.
Finanzieren will sie das über eine Übergewinnsteuer auf große Ölkonzerne, die aktuell von hohen Preisen profitieren. Gleichzeitigt weist sie darauf hin, dass ein günstiges Ticket allein nicht reicht. Vor allem im ländlichen Raum fehlten vielerorts überhaupt Bus- und Bahnangebote, auf die Menschen umsteigen könnten.
Deutschlandticket spart CO₂ – aber noch nicht genug
Ein Zwischenbericht zur Wirkung des Deutschlandtickets zeigt, dass der Umstieg auf den ÖPNV messbare Effekte hat. Nach Berechnungen mehrerer Forschungsinstitute im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums wurden 2024 durch das Ticket rund 2,5 Millionen Tonnen CO₂ eingespart. Ein Teil der Fahrten, die heute mit dem Abo zurückgelegt werden, wäre sonst mit dem Auto gefahren worden.
Das entspricht etwa drei Prozent der jährlichen Emissionen des privaten Pkw-Verkehrs. Rund 14,6 Millionen Menschen haben ein Deutschlandticket-Abo, etwa jede fünfte Person in Deutschland. Aus Sicht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen müssten es aber etwa 20 Millionen sein, damit das Ticket wirklich spürbar zur Verkehrsverlagerung beiträgt. Günstigere Preise könnten dabei helfen – solange Bund und Länder sich über eine solide Finanzierung einigen.
Auch in den News:
Tankrabatt-Debatte verschärft Konflikt
Parallel dazu diskutiert die Bundesregierung Entlastungen über eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Aus Sicht vieler Grüner ist das der falsche Weg. Hamburgs Grünen-Chef Leon Alam spricht von einem "Tankrabatt 2.0", der wie schon 2022 vor allem den Mineralölkonzernen nutze. Sinnvoller seien eine niedrigere Stromsteuer, ein begrenztes Tempolimit und erneut ein sehr günstiges ÖPNV-Ticket.
Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank kritisiert, Steuersenkungen auf Kraftstoffe seien ein Milliardengeschenk an fossile Energieanbieter. Wer wirklich entlasten wolle, müsse beim Strom ansetzen und einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr finanzieren. Vor diesem Hintergrund wirken die speziellen Seniorenrabatte in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wie ein erster Schritt – für Jusos und Grüne Jugend aber längst nicht weit genug.
Verwendete Quellen:
Berliner Morgenpost: "49 Euro-Ticket nur für Senioren: "Warum endet Solidarität an der Rentengrenze?""
Nachrichtenagentur dpa
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