Bekennerschreiben veröffentlicht
Sabotageverdacht: Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln wieder freigegeben
Aktualisiert:
von Fabia Söllner:newstime
DB will 90-Prozent-Pünktlichkeit erreichen
Videoclip • 59 Sek • Ab 12
Nach dem Brand an der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln ist ein Bekennerschreiben veröffentlicht worden. Die Ermittler:innen prüfen einen möglichen Sabotageakt. Die Bahnverbindung ist wieder befahrbar.
Das Wichtigste in Kürze
Ermittler:innen gehen nach dem Brand an der Bahnstrecke Düsseldorf nach Köln von Brandstiftung aus.
Die Gruppe "Kommando Angry Birds" beansprucht den Anschlag für sich.
Die Bahnstrecke wurde wieder freigegeben.
Nach dem Brand auf der wichtigen Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln gehen die Ermittler:innen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Aus Sicherheitskreisen heißt es, dass ein Sabotageakt nicht ausgeschlossen wird. Zudem ist auf der Plattform Indymedia ein mutmaßliches Bekennerschreiben veröffentlicht worden.
Die Bahnverbindung ist seit Freitag gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden erhebliche Schäden verursacht. Mittlerweile ist die seit Freitag gesperrte Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln wieder freigegeben. Der Zugverkehr rollt nach Angaben der Deutschen Bahn wieder ohne Einschränkungen.
Die Deutsche Bahn schloss die Reparaturarbeiten an den zahlreichen beschädigten Kabeln nach eigenen Angaben am frühen Abend ab. Fachleute hätten seit Freitag durchgehend daran gearbeitet, die Schäden so schnell wie möglich zu beheben. Die Bahn bedauerte die mit der Sperrung verbundenen Einschränkungen für die Reisenden.
Reul spricht von gezielter Sabotage
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verurteilte den mutmaßlichen Brandanschlag scharf. Er bezeichnete die Tat als gezielte Sabotage, die den Alltag vieler Menschen beeinträchtige und mögliche Folgen für Unbeteiligte bewusst in Kauf nehme.
Zugleich kritisierte Reul die mutmaßlichen Täter:innen dafür, ihre Aktionen mit politischen Zielen zu begründen. Nach seiner Einschätzung gehe es ihnen jedoch nicht um gesellschaftliche Veränderungen, sondern darum, durch Gewalt und gezielte Störungen Unruhe zu schaffen.
Bekennerschreiben von "Kommando Angry Birds"
Ein mutmaßliches Bekennerschreiben wurde unter dem Namen der Gruppe "Kommando Angry Birds" veröffentlicht, die bereits in der Vergangenheit mit Anschlägen auf Bahnstrecken in Verbindung gebracht worden war. Darin übernimmt die Gruppe die Verantwortung für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen und beschreibt, wie Brandsätze an Kabelschächten angebracht worden sein sollen. Als Begründung werden politische Motive im Zusammenhang mit der technologischen Entwicklung und deren Folgen genannt.
Nach Informationen aus Sicherheitskreisen halten die Ermittler:innen das Schreiben für authentisch. Gleichzeitig gilt ein technischer Defekt als Ursache des Brandes derzeit als eher unwahrscheinlich.
Mehr zu Sabotage:
Zeug:innen gesucht
Nach dem Brand in dem Kabelschacht bei Leverkusen-Rheindorf sucht die Kriminalpolizei nach Zeug:innen. Ersten Erkenntnissen zufolge hatten Techniker:innen das Feuer an der Eisenbahnbrücke, die über die Wupper führt, in der Nähe der Solinger Straße am Freitagvormittag bemerkt und die Feuerwehr alarmiert.
Ein Sprecher der Polizei Köln sagte auf Anfrage, es würden Ermittlungen geführt, ob das Bekennerschreiben authentisch sei. In einem solchen Bereich werde auch geprüft, ob gegebenenfalls Zusammenhänge zu anderen Delikten bestünden. Der Staatsschutz der Kölner Polizei hatte bereits am Freitag die Ermittlungen übernommen, da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte.
"Angry Birds": Nicht der erste Anschlag
Die mutmaßlich linksextremistische Gruppe "Kommando Angry Birds" war bereits mehrfach mit Sabotageakten gegen die Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen in Verbindung gebracht worden. Unter anderem bekannte sie sich zu einem Brandanschlag auf die Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg im Juli 2025, der den Zugverkehr über mehrere Tage lahmlegte. Anfang 2026 reklamierte die Gruppe außerdem einen gescheiterten Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath für sich.
NRW-Innenminister Herbert Reul hatte bereits im vergangenen Jahr vor der Gruppe gewarnt. Nach seinen Angaben wird sie für mehrere Sabotageakte verantwortlich gemacht, darunter Angriffe auf Telekommunikationsanlagen sowie ein Tunnelbrand an der A46. Die Ermittlungen gestalten sich laut Reul schwierig, da die Gruppe offenbar keine klaren organisatorischen Strukturen aufweist.
Auch in den News:
Weitere Sperrung der Bahnstrecke
Einen Tag nach dem Brand war noch unklar, wann der gesperrte Abschnitt Düsseldorf - Köln wieder freigegeben wird. Am Samstagmittag sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn, es könne aktuell keine Prognose abgegeben werden, wann die Strecke wieder befahren werden könne. Seit Samstagabend (11. Juli) gilt die Strecke wieder als freigegeben.
Im Nah- und Fernverkehr kam es wegen der Sperrung zu Umleitungen und Verspätungen und zum Ausfall einzelner Züge.
Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Bahn weiter. "Expertinnen und Experten der DB arbeiten mit voller Kraft an der Reparatur der immensen Schäden", hieß es in einer Mitteilung. Der Bahn zufolge hatte am Freitagvormittag an zwei Stellen die Böschung zwischen Langenfeld und Leverkusen gebrannt. Die Feuerwehr habe die Brände zwar gelöscht. Allerdings habe das Feuer Schäden an mehreren Signalkabeln angerichtet, so dass auf dem Streckenabschnitt keine Züge fahren konnten.
Bahn spricht von angespannter Lage in NRW
Die Bahn bezeichnete "die aktuelle betriebliche Lage in NRW" als "sehr angespannt". Grund sei neben der möglichen Sabotage an der Strecke Düsseldorf - Köln auch ein erst am Freitag festgestellter Brückenschaden in Opladen bei Leverkusen. Die beschädigte Brücke liegt auf dem Korridor Hagen - Wuppertal - Köln, der nach einer Generalsanierung gerade erst wieder in Betrieb genommen worden war.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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