Zu wenig Rückläufer

Neuer Wehrdienst-Fragebogen: Fast jeder dritte 18-Jährige schweigt

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

:newstime

Spahn: "Deutschland ist ärmer geworden"

Videoclip • 01:03 Min • Ab 12


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Seit Januar müssen 18-jährige Männer einen Fragebogen zur Wehrdienst-Bereitschaft ausfüllen. 28 Prozent reagieren bisher nicht – obwohl ihnen ein Bußgeld droht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Januar verschickt die Bundeswehr Fragebögen an 18-Jährige zur Eignung und Bereitschaft für den neuen freiwilligen Wehrdienst.

  • Laut RND haben bisher 72 Prozent der angeschriebenen Männer reagiert, 28 Prozent nicht – trotz Auskunftspflicht und der Androhung eines Bußgelds bei dauerhafter Verweigerung.

  • Verteidigungsminister Boris Pistorius will die Truppe bis 2035 massiv vergrößern, der Fragebogen ist das erste Element eines neuen Systems, mit dem die Bundeswehr mehr freiwillige Soldat:innen und Reservist:innen gewinnen will.

Seit Anfang des Jahres verschickt die Bundeswehr an alle frisch volljährigen Männer und Frauen ein Schreiben mit Zugangsdaten zu einem Online-Fragebogen. Abgefragt werden Eignung und Bereitschaft für den neuen, mindestens sechsmonatigen freiwilligen Wehrdienst.

Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) haben bislang etwa 72 Prozent der angeschriebenen 18-jährigen Männer geantwortet – 28 Prozent blieben trotz gesetzlicher Pflicht stumm. Aus dem Verteidigungsministerium heißt es, man wolle das nicht hinnehmen.

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Viele Fragebögen bleiben unbeantwortet

Der Fragebogen fragt unter anderem ab, ob gesundheitliche Gründe gegen einen Dienst sprechen und wie groß die grundsätzliche Bereitschaft ist, zur Bundeswehr zu gehen. Rund die Hälfte der Antwortenden habe Interesse signalisiert, so Bundeswehrkreise. Ob daraus am Ende tatsächlich ein Dienstantritt wird, hängt von vielen Faktoren ab – etwa davon, ob ein heimatnaher Standort angeboten werden kann.

Bis zum 24. April wurden laut Verteidigungsministerium rund 194.000 Anschreiben mit Zugangsdaten verschickt. Adressiert sind Männer und Frauen, die seit Jahresbeginn 18 geworden sind. Frauen können freiwillig antworten, Männer sind laut Wehrdienstgesetz zur Auskunft verpflichtet.

Pflicht nur für Männer – Bußgeld bei Verweigerung

Die Regeln sind klar: Ab dem Eingang des Schreibens haben die angeschriebenen Männer vier Wochen Zeit, den Fragebogen auszufüllen. Bleibt die Antwort aus, verschickt die Bundeswehr zunächst eine Mahnung. Wer dauerhaft nicht reagiert, begeht eine Ordnungswidrigkeit – es droht ein Bußgeld.

Das Ministerium kündigt an, hartnäckige Verweigerer im Blick zu behalten. In den kommenden Monaten will Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dem Bundestag erstmals eine Zwischenbilanz zum neuen System vorlegen. Er ist verpflichtet, halbjährlich Zahlen vorzulegen – auch zur Quote der Nicht-Antwortenden.

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Pistorius’ Ziel: Deutlich mehr Soldat:innen

Hinter dem Fragebogen steht eine weitreichende Reform: Das Wehrdienstgesetz wurde im Dezember 2025 geändert. Pistorius will die Zahl der aktiven Soldat:innen bis 2035 deutlich erhöhen – von derzeit rund 186.000 auf etwa 255.000 bis 270.000. Parallel soll die Zahl der fest eingeplanten Reservist:innen von knapp 60.000 auf bis zu 200.000 steigen.

Wer im Fragebogen Interesse zeigt, kann zu einem Beratungsgespräch, einer Musterung oder einem Assessment eingeladen werden. Erst danach wird entschieden, ob und in welcher Funktion jemand tatsächlich Dienst leistet. Eine Antwort auf den Fragebogen bedeutet also noch keine Einberufung, aber sie ist der erste Schritt in den neuen Auswahlprozess.

Aus Sicht des Verteidigungsministeriums ist die Auskunftspflicht dennoch zentral: Nur wenn bekannt ist, wie viele junge Menschen überhaupt in Frage kommen und wie hoch die Bereitschaft ist, kann die Bundeswehr ihre Planungen anpassen. Ob sich die Antwortquote im Laufe des Jahres verbessert – und wie viele aus "interessiert" tatsächlich zu "eingezogen" werden – dürfte sich in der angekündigten Sommerbilanz zeigen.


Verwendete Quellen:

RedaktionsNetzwerk Deutschland: "Fragebogenpflicht zum neuen Wehrdienst: 28 Prozent der jungen Männer verweigern Antwort"

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