Tödliche Schüsse in Minnesota

Nach Tötung von Pretti: Druck auf Trump-Flüsterer Stephen Miller steigt

Veröffentlicht:

von Max Strumberger

Stephen Miller galt lange als unangreifbarer Taktgeber von Trumps Einwanderungspolitik - doch jetzt wächst die Kritik.

Bild: ABACAPRESS


Der tödliche Schuss auf den Krankenpfleger Alex Pretti erschüttert die USA – und bringt Trumps einflussreichsten Hardliner Stephen Miller in Bedrängnis. Ausgerechnet der Architekt der rigorosen Einwanderungspolitik erlebt nun Isolation und offenen Widerspruch im Weißen Haus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem tödlichen ICE-Einsatz in Minneapolis steht Trump-Stratege Stephen Miller unter massivem Druck.

  • Der Mann hinter der harten Migrationslinie wird plötzlich von Krisenrunden ausgeschlossen.

  • Sogar vom Präsidenten wird Miller in der zentralen Deutung des Falls korrigiert.

Der Druck auf den einflussreichen Trump-Berater Stephen Miller wächst nach dem tödlichen Schuss auf den Krankenpfleger Alex Pretti durch ICE-Grenzschutzbeamte in Minneapolis – und der politisch hochexplosiven Aufarbeitung des Falls. Miller, Architekt von Donald Trumps harter Einwanderungspolitik, erlebt derzeit eine für ihn ungewohnte Isolation im Weißen Haus. Ein zweistündiges Krisengespräch im Oval Office am Montagabend mit Heimatschutzministerin Kristi Noem fand ohne Miller statt – obwohl dieser bislang als Schlüsselfigur aller Migrationsentscheidungen galt. Mehr noch: Der Präsident widerspricht ihm öffentlich. Nur dreieinhalb Stunden nach dem Vorfall hatte Miller in sozialen Medien Pretti, 37, als "mutmaßlichen Attentäter" bezeichnet, der versucht habe, "Bundesbeamte zu ermorden". Am Dienstag aber beantwortete Trump eine Frage, ob er Pretti für einen Attentäter halte mit "Nein."

Miller, der offiziell als stellvertretender Stabschef des Weißen Hauses firmiert, von Insidern als eine Art "Premierminister" Trumps beschrieben wird. Sein Einfluss erstreckt sich laut Axios-Bericht faktisch auch auf Noem, trotz ihres Kabinettsranges. Demnach soll sie einem Gesprächspartner gesagt haben: "Alles, was ich getan habe, habe ich auf Anweisung des Präsidenten und von Stephen getan." Schon Monate zuvor habe Miller die Einwanderungsbehörde ICE aufgefordert, 3.000 Festnahmen pro Tag vorzunehmen – fast das Zehnfache des Vorjahres. Die Folge, so der Politikwissenschaftler Larry Jacobs von der Universität Minnesota: "Leichtsinn, Brutalität, fehlende rechtsstaatliche Verfahren – all das hat seine Wurzeln bei Stephen Miller."

Miller hat sich unentbehrlich gemacht

Trotz der aktuellen Demütigung gilt Millers Position im inneren Machtgefüge des Trump-Lagers als bemerkenswert stabil. Der 40-Jährige ist seit Jahren der Mann, der Trumps Impulse in konkrete Politik übersetzt – und sich im Gegenzug durch kompromisslose Loyalität unentbehrlich gemacht hat. Experten wie Henry Olsen vom konservativen Thinktank Ethics and Public Policy Center erwarten, dass Miller "auf absehbare Zeit eine deutlich geringere öffentliche Rolle" spielen wird, ohne jedoch wirklich entmachtet zu werden: Trump reagiere allergisch auf schlechte PR, wisse aber zugleich, dass Miller "an den entscheidenden Stellen liefert". Entlassungen von Vertrauten seien für Trump nichts Ungewöhnliches, doch bei Miller, so Olsen, sei "nicht zu erwarten, dass er ihn leichtfertig über Bord wirft".


Miller wird weiter im Hintergrund die Fäden ziehen

Im Hintergrund bleibt Miller außerdem ein wichtiger Propagandist des MAGA-Projekts. In Fernsehauftritten bezeichnet er die Demokraten als "inländische extremistische Organisation" und preist eine Weltordnung, die "von Stärke, von Gewalt, von Macht" bestimmt sei. Seine Frau Katie Miller baut parallel eine eigene Karriere als MAGA-Podcasterin auf. Für Kritiker wie Rick Wilson vom Anti-Trump-Projekt Lincoln Project ist Miller deshalb nicht nur ein Stratege, sondern eine ideologische Schlüsselfigur: "Stephen Miller ist zu dominant in Trumps Vorstellung davon, was die Basis will, um wirklich aus dem Entscheidungsprozess gedrängt zu werden." Wilson ist überzeugt, dass Miller taktisch "einen halben Schritt zurücktritt", aber seine Macht nicht aufgibt: "Das Problem mit Stephen Miller ist, dass Bosheit zäh ist. Er schämt sich nicht. Er glaubt, andere hätten ihn blamiert – nicht, dass er selbst einen massiven Angriff auf die verfassungsmäßigen Freiheitsrechte der Amerikaner führt."


Verwendete Quellen:Nachrichtenagentur dpa

Axios

CNN

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