Eklat bei Filmfestspielen

Nach Protest von Umweltminister Carsten Schneider: Immer mehr Kritik an Propalästina-Rede bei Berlinale

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

Bundesumweltminister Carsten Schneider

Bild: Reuters / Adriano Machado


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Die diesjährige Berlinale war so politisch wie selten. Bei der Preisverleihung der Internationalen Filmfestspiele in Berlin verließ Umweltminister Carsten Schneider nach Kritik an der Israel-Politik der Bundesregierung aus Protest den Saal. Die umstrittene Rede sorgt im Nachgang auch bei anderen Politkern für Empörung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erneut hat es bei der Berlinale einen Propalästina-Eklat gegeben.

  • Immer mehr Politiker kritisieren das Statement von Regisseur Abdallah Alkhatib bei der Abschlussgala.

  • Darin hatte er der Bundesregierung vorgeworfen, Partner "des Völkermords im Gazastreifen" zu sein.

Eine Gratwanderung zwischen Meinungsfreiheit und politischer Polarisierung sei die Berlinale 2026 gewesen, so lautet das Fazit, das die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zu den Internationalen Filmfestspielen Berlin zieht. Selten sei bei der Berlinale so heftig darum gerungen, worden, wie politisch Kunst sein muss. Die Debatte wirkte sich auch auf die Preisverleihung aus, die bei der Berlinale erneut in einem Propalästina-Eklat endete.

Bei der diesjährigen Abschlussgala verband der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib, der mit "Chronicles From the Siege" den Preis für das beste Spielfilmdebüt gewann, seine Dankesrede mit scharfer Kritik an der Haltung der Bundesregierung im Gaza-Krieg. "Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war", sagt der Filmemacher, der eine palästinensische Flagge auf die Bühne mitgebracht hatte.

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Carsten Schneider: Aussagen "nicht akzeptabel"

Alkhatib warf der deutschen Regierung vor, sie sei faktisch Partner "des Völkermords im Gazastreifen". Die deutsche Regierung vertritt die Position Israels, das abstreitet, im Gazastreifen Völkermord zu begehen, und spricht von Selbstverteidigung nach dem Terrorangriff islamistischer Extremisten auf den jüdischen Staat am 7. Oktober 2023.

Bundesminister Carsten Schneider, der als einziger Vertreter der schwarz-roten Bundesregierung bei der Gala anwesend war, habe während dieser Rede den Saal verlassen, teilt ein Sprecher seines Ministeriums mit. Der SPD-Politiker halte diese Aussagen "für nicht akzeptabel". Schneider habe damit klare Kante gezeigt, sagte Israels Botschafter Ron Prosor.

CSU-Landesgruppenchef spricht von Drohungen gegen Deutschland

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann kritisierte im Onlinedienst "X" "abstoßende Szenen" bei der Preisverleihung des Filmfestivals: mit "Völkermord-Vorwürfen, antisemitischen Ausfällen und Drohungen gegen Deutschland auf der Berlinale", die "absolut inakzeptabel" seien.

Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) wies inzwischen den Kritik Alkhatibs zurück. "Diese Falschbehauptungen sind bösartig und vergiften die politische Debatte. Sie zerstören die Würdigungen der Filmkunst auf der Berlinale." Während der Berlinale habe die "Pali-Aktivistenszene" ihre "hässliche Fratze" gezeigt. Unter den besonderen weltpolitischen Herausforderungen hätten Festivalchefin Tricia Tuttle und Jurychef Wenders das Festival "feinfühlig, grundliberal und künstlerisch anspruchsvoll gestaltet", so Weimer.


Berlinale 2026 war politisch wie nie

Ähnlich äußerte sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Er sagte der "Bild-Zeitung", denjenigen, die sich hier als Pro-Palästina-Aktivist:innen inszenierten, ginge es nicht um Menschenrechte. Es gehe ihnen allein um "Israel-Hass". Tricia Tuttle und Wim Wenders hätten alles dafür getan, um in der angespannten weltpolitischen Lage mit "Feingefühl, Offenheit und Dialogbereitschaft" durch das Filmfestival zu führen.

Die Abschlussgala sei wie das Festival selbst gewesen, sagte Berlinale-Chefin Tuttle. "Es ist ein Ort, an dem Künstler sprechen können, und manchmal sprechen sie auf eine Art und Weise, die unbequem oder umstritten ist, aber es ist wichtig, dass wir diesen Raum bieten." Nicht immer habe sich diese Auseinandersetzung jedoch gut angefühlt, so Tuttle.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Bild.de: "Preisverleihung missbraucht: Riesige Empörung über Israel-Hass auf Berlinale"

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