Frankreich
Marine Le Pen will bei der Präsidentschaftswahl 2027 kandidieren
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Nach Le Pen-Urteil: Bardella vor Wahl?
Videoclip • 02:06 Min • Ab 12
Marine Le Pen tritt 2027 erneut für Frankreichs Präsidentschaft an. Trotz Verurteilung sieht sich die Rechtsnationale im Rennen – doch ihre Kandidatur bleibt riskant.
Marine Le Pen will bei der französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr erneut antreten. Das sagte die 57‑Jährige dem Sender TF1 nach einem für sie wichtigen Gerichtstag. "Heute Abend bin ich Kandidatin für die Präsidentschaftswahl", erklärte Le Pen laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Ihre Ankündigung kommt trotz einer Verurteilung in einem Verfahren um Scheinbeschäftigung und EU-Gelder. Ein Berufungsgericht sprach Le Pen schuldig und verhängte nach dpa-Angaben ein Jahr Haft mit Fußfessel. Zudem wurde ihr das passive Wahlrecht für 15 Monate entzogen. Dieser Teil der Strafe gilt allerdings als bereits verbüßt. Weitere 30 Monate Haft wurden zur Bewährung ausgesetzt. Le Pen kündigte an, gegen das Urteil Revision einzulegen.
Kandidatur mit juristischem Risiko
Dass Le Pen überhaupt sofort ihre Kandidatur erklärte, zeigt, wie eng Politik und Justiz in diesem Fall zusammenhängen. Nach den Berichten hatte sie ihre Entscheidung, ob sie antreten würde, von dem Urteil abhängig machen wollen. Juristisch ist ihre Bewerbung damit zwar vorerst möglich, ganz ohne Risiko ist sie aber nicht.
Politisch bleibt Le Pen dennoch eine der stärksten Figuren im französischen Parteiensystem. Die Chefin des rechtsnationalen Lagers ist bereits dreimal bei Präsidentschaftswahlen angetreten. 2012 landete sie noch auf Platz drei. 2017 und 2022 schaffte sie jeweils den Sprung in die Stichwahl gegen Emmanuel Macron – verlor aber beide Male.
Le Pen wurde von Wahl zu Wahl stärker
Trotz dieser Niederlagen konnte Le Pen ihr Ergebnis bei jeder Wahl verbessern. Das macht sie auch für 2027 zu einer ernsthaften Kandidatin. Beobachter:innen rechnen den Rechtsnationalen erneut gute Chancen aus, die entscheidende zweite Runde zu erreichen. Dass Le Pen 2022 klar gegen Macron verlor, lag auch daran, dass viele Wähler:innen aus dem linken Spektrum für Macron stimmten, um einen Sieg Le Pens zu verhindern.
Die Ausgangslage 2027 könnte aber anders sein. Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten. Damit fehlt der Kandidat, der Le Pen in den vergangenen beiden Wahlen direkt gegenüberstand. Ob es dem politischen Zentrum oder der Linken erneut gelingt, sich hinter einer Gegenfigur zu versammeln, ist offen.
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Warum die Wahl so wichtig ist
Die Präsidentschaftswahl in Frankreich ist besonders bedeutend, weil das Amt dort mit viel Macht verbunden ist. Der Präsident oder die Präsidentin wird direkt vom Volk für fünf Jahre gewählt. In der Regel fällt die Entscheidung in einer Stichwahl zwischen den zwei stärksten Bewerber:innen.
Frankreichs Staatsoberhaupt ist Armeechef, entscheidet über Militäreinsätze mit, kann Referenden ansetzen und die Nationalversammlung auflösen. Deshalb wird ein möglicher Sieg Le Pens auch über Frankreich hinaus mit Sorge beobachtet – vor allem in Berlin und Brüssel. Ihre nationalistische und euroskeptische Linie könnte die Politik in Europa deutlich verändern.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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