"Absolut widerlich und böse"
MAGA-Bewegung kritisiert Angriffe auf Iran: Verliert Trump Rückhalt aus dem eigenen Lager?
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Trump kündigt verstärkte Angriffe im Iran an
Videoclip • 03:59 Min • Ab 12
Donald Trump versprach im Wahlkampf ein Ende amerikanischer Kriege. Jedoch bricht er sein Versprechen mit dem Iran-Krieg erneut. Die MAGA-Bewegung ist wütend. Wendet sich Trumps eigene Gefolgschaft gegen ihn?
Das Wichtigste in Kürze
US-Präsident Donald Trump erntet für seinen Angriff auf den Iran heftige Kritik aus dem eigenen MAGA-Lager.
Prominente Namen wie Steve Bannon, Marjorie Taylor Greene oder Tucker Carlson greifen das Vorgehen des Republikaners im Nahe Osten scharf an.
MAGA-Anhänger:innen warnen vor den Folgen. Trump befinde sich durch die Iran-Angriffe auf "heiklem politischen Terrain".
Die Entwicklungen in Nahost könnten US-Präsident Donald Trump viele seiner eigenen Unterstützer:innen kosten. Denn dem Republikaner war es nicht zuletzt wegen seiner sich wiederholenden und offenbar falschen Friedens-Versprechen möglich, eine stabile und treue Wählerschaft aufzubauen. Der aktuelle Krieg gegen den Iran versetzt aber besonders die MAGA-Bewegung ("Make America Great Again") in Aufruhr.
Erneut beweist Trump wenig Integrität, nachdem er bereits mit der Intervention in den von Israel geführten Zwölf-Tage-Krieg gegen den Iran und den Sturz des venezolanischen Machthabers Nicolas Maduro seine eigene Gefolgschaft gespalten hatte.
Jetzt fühlen sich MAGA-Anhänger:innen ein weiteres Mal betrogen. Denn es steht mehr auf dem Spiel: Der Iran-Krieg brachte bereits tote US-Soldat:innen hervor und könnte sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Wird sich die MAGA-Community jetzt endgültig abspalten und Trumps Amt damit ernsthaft gefährden?
Auch in den News:
"Keine Kriege mehr": MAGA-Anhängerin Greene stellt Trumps geistige Gesundheit in Frage
Eine Reihe prominenter MAGA-Anhänger:innen zeigen sich empört über den am Samstag (28. Februar) begonnenen Krieg gegen den Iran. Die MAGA-Bewegung hat Donald Trump unter anderem deswegen den Rücken gestärkt, weil dieser im Wahlkampf wiederholt betonte, seinen Fokus während seiner Amtszeit auf die US-Innenpolitik zu legen: Einwanderung, Inflation, Arbeitslosigkeit - mit "America First" sollte zuerst von Innen heraus aufgeräumt werden.
Innerhalb der US-amerikanischen Bevölkerung herrschte zudem eine tiefe Enttäuschung über lang geführte Kriege im Nahen Osten mit sinnlosen Todesopfern, wie beispielsweise im Irak-Krieg. Auf dieser Enttäuschung baute sich Trump im Zuge seines Wahlkampfes seine Wählerschaft auf, indem er versprach, keine sinnlosen Kriege mehr zu führen. Die Anhänger:innen der MAGA-Bewegung waren allesamt scharfe Kritiker:innen der von den USA geführten Kriegen im Ausland.
Zu den sogenannten Isolationist:innen aus dem Trump-Lager zählen beispielsweise Trumps Ex-Chefstratege und Medienunternehmer Steve Bannon oder die ehemalige Abgeordnete Marjorie Taylor Greene aus Georgia.
Diese hat infolge der jüngsten Entscheidungen des Republikaners, den Iran anzugreifen, sogar die geistige Gesundheit von Donald Trump in Frage gestellt. "Nun, ich möchte eine Frage stellen, eine ernste Frage: Was geht in seinem Kopf vor?", sagte Greene in der "SiriusXM-Show." "Was ist mit dem Mann passiert, den ich unterstützt habe, den Sie unterstützt haben, dem Mann, der die Ereignisse im Irak angeprangert hat, dem Mann, der gesagt hat: 'Keine Kriege im Ausland mehr', 'Keine Regimewechsel mehr'?", fragte die MAGA-Politikerin vorwurfsvoll.
Greene teilte in der "Megyn Kelly Show" außerdem mit, dass sie der Ansicht ist, dass Trump von Prinzipien der "America First"-Überzeugungen abgekommen sei. Dafür müssten jetzt amerikanische Soldat:innen "für fremde Länder sterben und ermordet werden".
MAGA-Anhänger warnt: Trump auf heiklem politischen Terrain
Unter Bezugnahme auf Aussagen von US-Außenminister Marco Rubio erzürnte sich auch der ehemalige "Fox News"-Moderator und Kommentator Tucker Carlson. Rubio sagte am Montag (2. März), dass die USA Kenntnis von einer "israelischen Aktion" gehabt habe. "Wir wussten, dass dies einen Angriff auf amerikanische Streitkräfte nach sich ziehen würde. Und wir wussten, dass wir höhere Verluste erleiden würden, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgehen würden, bevor sie diese Angriffe starteten."
Carlson kritisierte daraufhin das Vorgehen der US-Regierung in seinem Podcast scharf: "Dieser Krieg wird nicht im Namen der nationalen Sicherheitsziele der USA geführt, um das Land sicherer oder reicher zu machen." In einem Interview mit ABCNews nannte der US-Podcaster den Krieg "absolut widerlich und böse".
Auch Steve Bannon, eine führende Persönlichkeit der MAGA-Bewegung, diskutierte die Ereignisse in Nahost in seinem Podcast: "Wenn es ein harter Kampf wird, dann wurde das nicht in der Kampagne 2024 angekündigt, das war einfach nicht der Fall", erklärte Bannon selbst. "Wir werden an Unterstützung verlieren", fügte er mit Blick auf die derzeit fallenden US-Soldat:innen im Iran-Krieg hinzu.
Im Gespräch mit dem Medienunternehmer warnte ein Gast zudem vor den Folgen, die der Iran-Krieg für Trump haben könnte. Curt Mills, Geschäftsführer des Magazins "The American Conservative" sagte, Trump befinde sich in einem heiklen politischen Terrain. "Ich denke, dass es politisch von Bedeutung ist, dass er 2016 und insbesondere 2024 der Kandidat für ein Ende der endlosen Kriege war, und dies sieht wie ein offener Verrat an seiner Basis aus", so Mills weiter.
Trump greift nach Nobelpreis: Kriege und wackelige Friedenabkommen
Schon in seiner ersten Amtsperiode prahlte Donald Trump damit, der US-Präsident gewesen zu sein, der die wenigsten Kriege auf seinem Konto zu verbuchen hatte. Vielfach wurde diese Behauptung bereits aber widerlegt.
Zwar hatte Trump selbst keine Kriege begonnen, doch unter seiner Führung sind Kriegshandlungen weiter ausgeweitet worden. Der Afghanistan-Krieg zog sich über seine erste Amtszeit von 2017 bis 2021 hinaus, bis hin zu seinem Nachfolger Joe Biden. Erst Biden zog die dort stationierten Soldat:innen ab.
Zudem ergaben Recherchen, dass im Jahr 2017 US-Angriffe in Afghanistan, Somalia, dem Jemen und Pakistan ausgeweitet wurden. "Im September wurden mehr US-Bomben und Raketen auf Afghanistan abgeworfen als in jedem anderen Monat seit fast sieben Jahren", schrieb das Bureau of Investigative Journalism.
Auch die Zahl der Drohnenangriffe in Somalia haben sich demnach seit dem Amtsantritt des Republikaners zum damaligen Zeitpunkt verdoppelt. Insgesamt gab es in Trumps erster Amtszeit mehr als 12.000 Drohnenangriffe. 2018 ließ er zudem Chemiefabriken in Syrien angreifen. Die Militärschläge unter Trumps Führung kosteten laut Berichten Dutzende Zivilist:innen das Leben.
Im Jahr 2020 wurde außerdem der iranische General Qassem Soleimani getötet und weitere Truppen in den Nahen Osten verlegt. Die Beziehungen mit dem Iran hatten sich darüber hinaus weiter angespannt, weil Trump auch das Atomabkommen aufkündigte. Der Iran hatte daraufhin sein Atomprogramm weiter ausgeweitet - was wiederum die Rechtfertigung für die Angriffe während des zwölftätigen Kriegs im Juni 2025 war.
Zuletzt sorgten auch Trumps Behauptungen über seine erfolgreichen Tätigkeiten als Friedenstifter für öffentliche Irritationen. Der Republikaner beteuerte, er habe acht Kriege in seinem ersten Amtsjahr seit seiner Wiederwahl beendet. Darunter fallen Iran, Pakistan und Indien, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo, Thailand und Kambodscha, Armenien und Aserbaidschan, Ägypten und Äthiopien, Serbien und dem Kosovo sowie Israel und Hamas. Recherchen von BBC Verify ergaben allerdings, dass viele der angeblich beigelegten Konflikte wieder entfacht sind. Bei einigen anderen sei nicht klar, ob die Friedensabkommen überhaupt dauerhaft halten werden. Außerdem spielt die Definition von "Krieg" hierbei auch eine erhebliche Rolle, da es sich in einigen Fälle eher um Konflikte als Kriege handelte.
Trumps Kriegshandlungen: US-Bürger:innen lehnen Agriffe auf Iran ab
Nicht nur unter den MAGA-Anhänger:innen erntet der US-Präsident Kritik für seinen außenpolitischen Kurs. Eine aktuelle CNN-Umfrage zeigt, dass auch sechs von zehn befagten US-Amerikaner:innen militärische Schläge gegen den Iran für falsch halten. Die meisten denken nämlich, dass ein langfristiger militärischer Konflikt bevorsteht.
Ein Großteil der Befragten hat demnach Zweifel am Vorgehen Trumps, das Vertrauen in den Präsidenten schwindet. 60 Prozent denken demnach, Trump hat keinen klaren Plan für die Handhabung der Situation. 62 Prozent glauben, er benötigt für weitere militärische Handlungen die Zustimmung des Kongresses.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
eu.usatoday.com: "'Betrayal.' MAGA lashes out on Iran, prompting Trump pushback."
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Landkreis Altötting
Feuer in Marktl am Inn: Wohnhaus steht in Vollbrand

Livestream zu den Wahlen in Bayern
"Kommunalwahl Spezial" am 8. März von SAT.1 Bayern und Merkur.de

Wahl am 8. März 2026
Kommunalwahl 2026 in Bayern: Hier gibt es alle Infos

Krieg im Nahen Osten
Iran-Ticker: U-Boot-Angriff auf iranisches Schiff vor Sri Lanka

Steigende Ölpreise
Dieselpreis an deutschen Tankstellen überspringt Zwei-Euro-Marke

Rettung gescheitert
Eterna-Ende beschlossen: Traditionsunternehmen ist am Ende



