Knesset-Wahl

Gadi Eisenkot, der Anti-Netanjahu: Das sind seine Pläne für Israels Zukunft

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

:newstime

Spannende Parlamentswahl in Israel

Videoclip • 28 Sek • Ab 12


Israel entscheidet über seine Zukunft. Im Mittelpunkt: ein ehemaliger General, der auf Kriegsfuß mit Netanjahu ist. Wer ist dieser Mann, der gerade das politische Israel aufmischt?

Das Wichtigste in Kürze

  • Israel wählt ein neues Parlament.

  • Netanjahus stärkster Herausforderer ist der Ex-Militärchef Eisenkot.

  • Mit seinem Profil als Mann der Mitte gilt er als Gegenpol zu Netanjahus aggressiver Außenpolitik.

Er gilt als integer, bodenständig und ein Mann der Mitte: Gadi Eisenkot könnte bald Israels langjährigen rechten Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ablösen. Ob es dazu kommt, wird sich nach der Parlamentswahl am Dienstag (27. Oktober) entscheiden. Umfragen zufolge liegt Eisenkots Partei Jaschar leicht vor Netanjahus Likud-Partei.

Doch wie konnte Eisenkot zu einer Gefahr für Netanjahu werden und welche politischen Ziele verfolgt er? Ein Überblick über die Agenda des Netanjahu-Herausforderers.

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Vom Kasernenhof in die Knesset

Der 66-Jährige ist kein Politiker von der Stange. Aufgewachsen in Eilat am Roten Meer, geboren in Tiberias im Norden des Landes, mit marokkanischen Wurzeln – der Karriereweg führte ihn nicht durch Parteibüros, sondern durch die israelischen Streitkräfte. Vier Jahre lang, von 2015 bis 2019, stand er als Generalstabschef an der Spitze der israelischen Armee. Sein Ruf als profunder Kenner der Hisbollah-Miliz im Libanon begleitet ihn bis heute.

Erst 2022 wagte Eisenkot den Sprung in die Politik – zunächst als Teil eines Mitte-Rechts-Bündnisses, später als Gründer seiner eigenen Partei Jaschar (auf Hebräisch: "geradeaus"), die er politisch in der Mitte des Spektrums verortet.


Was ihn antreibt – und was ihn von Netanjahu unterscheidet

Eisenkots politische Handschrift ist die eines Mannes, der auf Geradlinigkeit und Integrität setzt. Kritiker:innen werfen ihm mangelndes Charisma vor, Unterstützer:innen sehen genau darin sein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem schillernden Langzeitregierungschef Netanjahu.

Seine zentralen Positionen auf einen Blick:

  • Hamas-Herrschaft beenden: Innerhalb von 18 Monaten nach einem möglichen Amtsantritt als Ministerpräsident will er die islamistische Organisation aus dem Gazastreifen verdrängen und deren militärischen Arm zerschlagen.

  • Klare Absage an die Zweistaatenlösung: Wer nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 noch an einen unabhängigen palästinensischen Staat denke, sei nach seinen eigenen Worten "schlicht verrückt".

  • Nein zur Wiederbesiedlung Gazas: Eine israelische Rückkehr als Siedler:innen in den Gazastreifen lehnt er ab.

  • Kritik an rechtsextremen Ministern: Das Vorgehen von Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich sowie Siedlergewalt gegen Palästinenser im Westjordanland schadeten Israels internationalem Ansehen massiv.

  • Kein Militärschlag auf Iran – außer im Extremfall: Einen Angriff auf iranische Atomanlagen hält er nur dann für denkbar, wenn Israel unmittelbar existenziell bedroht wäre.

  • Ablehnung einer Einheitsregierung mit Netanjahu: Anders als sein früherer Mitstreiter Benny Gantz will Eisenkot keine gemeinsame Regierung mit dem amtierenden Regierungschef.

Ein persönlicher Preis des Krieges

Was Eisenkots politische Botschaft von der Netanjahus am deutlichsten trennt, ist nicht nur Programmatik – es ist das Persönliche. Im Gaza-Krieg verlor er seinen Sohn und zwei Neffen. Diese Verluste stehen für viele Israelis sinnbildlich für den Kontrast zu Netanjahu, dessen Sohn Jair den Krieg im Ausland verbrachte, ohne in einer Kampfeinheit zu dienen.

Eisenkot nutzt diese Erfahrung auch politisch: Er kritisiert scharf die Bestrebungen der rechts-religiösen Regierung, ultraorthodoxe Männer dauerhaft von der allgemeinen Wehrpflicht auszunehmen.

Wo er steht – und was noch fehlt

In aktuellen Umfragen liegt Eisenkots Partei Jaschar vor Netanjahus Likud. Doch entscheidend ist nicht, wer die stärkste Fraktion stellt, sondern wer eine Regierungsmehrheit organisieren kann. Weder sein Lager noch Netanjahus Rechts-Religiös-Block können demnach sicher mit 61 der 120 Knesset-Mandate rechnen.

Arabische Parteien könnten am Ende das Zünglein an der Waage spielen – obwohl mehrere jüdische Parteien, auch aus der Opposition, eine Koalition mit ihnen ablehnen.

Eisenkot ist am 19. Mai 1960 geboren und 66 Jahre alt.

Die Betonung liegt klar auf der letzten Silbe. Das "o" wird entsprechend kurz ausgesprochen, also als "Eisen-kott".

Der 66-Jährige hat insgesamt 41 Jahre für die israelischen Streitkräfte gedient. Zuletzt war er von 2015 bis 2019 Generalstabschef.

Im Gegensatz zu Netanjahu gilt Eisenkot als besonnen, ruhig, unaufgeregt und politisch weder rechts noch links. Mehrere der von Netanjahu angefangenen Kriege will er Schritt für Schritt deeskalieren. Zudem will er die illegale israelische Siedlergewalt eindämmen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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