Ölsanktionen gelockert
Experte zum Iran: Deshalb ist Trumps Krieg ein "Geschenk für Putin"
:newstime
Trump hebt Sanktionen gegen russisches Öl auf
Videoclip • 53 Sek • Ab 12
Offiziell verurteilt der Kreml Trumps Iran-Krieg – dabei spült er indirekt Geld in Russlands Kriegskasse. Im :newstime-Interview erklärt ein Osteuropa-Experte, warum Putin doppelt profitiert.
Das Wichtigste in Kürze
Putin verurteilt den Iran-Konflikt offiziell, während Russland wirtschaftliche Profite aus der Krise und Trumps innenpolitischen Zwängen zieht.
Die Trump-Regierung hat gerade erst die Ölsanktionen gegen Moskau gelockert, was Osteuropa-Experte Ulrich Schmid gegenüber :newstime als "Geschenk" bezeichnet.
Ob Russland langfristig profitiert, ist aber alles andere als ausgemacht.
Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran (hier gibt es alle Updates zum Iran-Krieg im Ticker) hat der Kreml öffentlich scharf verurteilt. Nach der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei bekundete Russlands Machthaber Wladimir Putin sein Mitgefühl. Moskau bemühte das Völkerrecht, was angesichts des jahrelangen Krieges gegen die Ukraine mehr als zynisch klang.
Dabei könnte ausgerechnet dem Kreml-Chef der Krieg im Nahen Osten in die Karten spielen. "Putin profitiert definitiv davon", unterstreicht Ulrich Schmid, Professor für Osteuropastudien an der Universität St. Gallen, im Interview mit :newstime.
Zum einen wird die Aufmerksamkeit vom Ukraine-Krieg abgelenkt – schon das zweite Mal seit dem Hamas-Überfall auf Israel und dem anschließenden Gaza-Krieg –, zum anderen wird ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor gepusht: das Öl-Geschäft. Schließlich sei das ganze Geschäftsmodell Russlands aufgebaut auf Rohstoffeinnahmen. "Jetzt ist das ein Geschenk für Putin", hält Schmid fest.
Kremlsprecher Dmitri Peskow räumte in einem seiner Medienbriefings bereits ein, dass der Kreml auch aus globalen Konflikten wirtschaftliche Vorteile ziehen will. "Wir müssen die Folgen dieser globalen Erschütterungen für unsere Wirtschaft kleinhalten. Wir müssen dort, wo es möglich ist, Profite für uns sichern, was zynisch klingen mag", sagte Peskow "tagesschau.de" zufolge.
Putin profitiert definitiv davon.
Trump macht Zapfsäulen-Wahlkampf – Putin profitiert
Erste Profite scheint Russland bereits einzufahren: Die US-Regierung unter Donald Trump hat beschlossen, Sanktionen gegen russisches Öl vorübergehend zu lockern. Für 30 Tage erlaubt Washington den Verkauf von auf See befindlichem russischem Öl. Dabei ist Trumps Außenpolitik im Iran, ebenso wie in Venezuela, laut Osteuropa-Experte Schmid vom Wunsch geprägt, die Republikanische Partei bei den Zwischenwahlen im November wieder besser dastehen zu lassen.
"Und in diesem Sinne gilt hier ein altes russisches Sprichwort auch für Trump: 'Das eigene Hemd ist am nächsten zum Körper.'" So würden die Midterms auch an den amerikanischen Zapfsäulen entschieden, weshalb der US-Präsident jede Maßnahme ergreife, um den Ölpreis zu drücken.
Trump betreibe weiter seine übliche Rhetorik, wonach er Russland mit der Ukraine an einen Verhandlungstisch und zum Frieden zwingen wolle. "Aber wir haben auch seit einem Jahr gesehen, dass Trump entweder unfähig oder unwillig ist, wirklich schmerzhafte Maßnahmen gegen Russland zu verhängen."
Die jüngste Entscheidung des Republikaners stößt bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf scharfe Kritik. "Ich will das sehr deutlich sagen, jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch", sagte Merz bei einem Besuch in Norwegen am Freitag (13. März).
Experte: "150 Millionen täglich zusätzlich in Putins Kriegskasse"
Die Sanktionslockerungen dürften Russland, als einem der größten Ölproduzenten der Welt, jedenfalls gefallen. Auch Schmid stellt klar: "Für Russland ist das ein großes Geschenk, dass das Öl, das jetzt eben in dieser Schattenflotte auf den Weltmeeren herumschippert, tatsächlich verkauft werden kann." Denn Russland habe mit Blick auf die Ukraine "ein großes wirtschaftliches Problem. Das ist dieser Krieg. Der kostet etwa 400 Millionen am Tag".
Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Ölpreise um etwa 30 Prozent gestiegen – ein Umstand, der dem Kreml wirtschaftlich zugutekommt. Diese Zahl bestätigt auch Ulrich Schmid gegenüber :newstime. "Wir schätzen, dass jetzt aufgrund der Lage im Iran und des gestiegenen Ölpreises zusätzlich 150 Millionen pro Tag in die Kriegskasse von Putin gespült werden."
Russland inszeniert sich als verlässlicher Partner
Zu Wochenbeginn hielt Putin eine Sitzung zur Situation auf den internationalen Energiemärkten ab. Dabei präsentierte er Russland als verlässlichen Partner für Länder wie China und Indien, die trotz Sanktionen weiterhin russisches Öl und Gas kaufen. Schmid bezeichnet beide Länder als "willige Abnehmer" günstigen russischen Öls. "China war schon immer ein eifriger Käufer von russischem Öl. Indien ist ein typischer Trittbrettfahrer", erläutert er.
"Diese Staaten können sich auch weiterhin auf uns verlassen", betonte Putin selbst. Gleichzeitig warb er indirekt um europäische Kooperation, stellte jedoch klar: "Wir benötigen Signale von ihnen, dass sie bereit sind, mit uns zu kooperieren."
Doch es geht nicht nur um China und Indien. Trotz der geltenden Sanktionen: Die EU sei laut Osteuropa-Experte Schmid "nach wie vor beim Flüssiggas der größte Abnehmer von russischem Flüssiggas". Im :newstime-Interview unterstreicht er zudem, "dass bereits zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine der Kreml darauf spekuliert habe, dass der Energiesektor nicht von den Sanktionen betroffen sein wird. Erst im Jahr 2027 würden die EU-Staaten weitgehend unabhängig von russischen Rohstoffen sein.
Doch während Putin seine Energiepolitik inszeniert, leidet die russische Bevölkerung zunehmend unter den Folgen des Ukraine-Kriegs und steigenden Kosten, wie "tagesschau.de" berichtet.
EU ist nach wie vor größter Abnehmer von russischem Flüssiggas.
Mit dem Iran droht Moskau ein weiterer Verbündeter wegzubrechen
Der Iran-Konflikt könnte Russland aber auch strategische Vorteile verschaffen. Friedensgespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA sollen möglicherweise bald wieder aufgenommen werden – ein Prozess, der momentan ausgesetzt ist und Putin Spielraum verschafft. Zudem könnte die Aufmerksamkeit der USA auf den Iran-Krieg dazu führen, dass weniger Waffen an die Ukraine gehen, wie etwa "Patriot"-Flugabwehrraketen.
Andererseits könnte Putins geopolitisches Netzwerk weiter geschwächt werden. Russland pflegt seit Jahren enge Beziehungen zum Iran, darunter ein im Januar 2025 geschlossenes Partnerschaftsabkommen zur wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Sollte das Regime in Teheran geschwächt werden oder gar fallen, würde Moskau einen weiteren wichtigen Verbündeten verlieren. Zwei andere wichtige Partnerländer, Syrien und Venezuela, sind bereits weggebrochen.
Dem Bericht zufolge bleibt die Frage momentan offen, ob für Putin die Vorteile oder die Nachteile dieses Konflikts überwiegen. Offiziell wünscht sich der Kreml ein schnelles Ende des Waffengangs. US-Präsident Trump mag Putins Zynismus aber möglicherweise durchschaut haben. Nach dem jüngsten Telefonat mit Russlands Machthaber sagte er: "Wenn du den ukrainisch-russischen Krieg beenden würdest – das wäre hilfreicher."
Verwendete Quellen:
tagesschau.de: "Profiteur Putin?"
Nachrichtenagentur Reuters
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Krieg im Nahen Osten
Iran-Krieg: Alle Insassen von US-Tankflugzeug nach Absturz tot

Im Internet
Aktenzeichen-Moderator Rudi Cerne wird selbst Opfer von Verbrechern

Wiederholte Verzögerungen
"Artemis 2" hat neuen Starttermin im April

Polit-Runde
"Caren Miosga": Darum geht es am Sonntag im Talk, das sind ihre Gäste

Spritpreis-Regulierung
Kommt die neue Tankstellen-Regel noch vor Ostern?

Verbraucherorganisation
Stiftung Warentest: Wer steckt eigentlich hinter der Institution?

