Reformpaket der Regierung
Einkommensteuerreform: Reichensteuer soll Entlastungen sichern
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Koalition einig bei Reformpaket
Videoclip • 01:28 Min • Ab 12
Die schwarz-rote Bundesregierung hat heute ihre Pläne für eine umfassende Steuerreform vorgestellt – und verspricht Millionen Steuerzahler:innen spürbare Entlastungen. Gegenfinanziert werden soll das vor allem über eine Verschärfung der Reichensteuer. Ein Überblick.
Das Wichtigste in Kürze
Die schwarz-rote Koalition hat ihre Steuerreform-Pläne mit einem Entlastungsvolumen von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr vorgestellt.
Familien mit mittleren Einkommen sollen ab 2027 um bis zu 600 Euro jährlich entlastet werden.
Für die Gegenfinanzierung wird vor allem eine Gruppe herangezogen.
So will die Merz-Regierung bei der Steuer entlasten
Höheres Kindergeld, mehr Grundfreibetrag, ein flacherer Steuerverlauf: Die Koalitionsspitze um Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat heute (2. Juli) ihr lang erwartetes Reformpaket präsentiert. Ein wichtiger Punkt dabei: eine große Steuerreform. Kleine und mittlere Einkommen sollen damit spürbar entlastet werden – und das bereits ab dem 1. Januar 2027. Das Entlastungsvolumen beläuft sich laut Koalition auf rund zehn Milliarden Euro pro Jahr.
Im Mittelpunkt der Reform steht die gezielte Entlastung von Familien. In der Vereinbarung der schwarz-roten Koalition heißt es laut "Welt": "Die Entlastung ist so ausgestaltet, dass sie für Familien mit Kindern am stärksten wirkt; damit erleichtert die Koalition gezielt den Alltag von Familien." Als konkretes Beispiel nennt die Bundesregierung eine berufstätige Familie mit zwei Kindern und einem zu versteuernden Gesamteinkommen von 60.000 Euro: Sie soll gegenüber heute um mehr als 600 Euro jährlich entlastet werden – in voller Wirkung ab 2028.
Fünf Hebel für mehr Netto vom Brutto
Um die Entlastung zu erreichen, setzt die Koalition an mehreren Stellschrauben an:
Anhebung des Grundfreibetrags: Das ist der Teil des Einkommens, der komplett steuerfrei bleibt – er sichert, dass das Existenzminimum nicht besteuert wird. 2026 liegt er bei 12.348 Euro. Im Herbst wird ohnehin ein Bericht zum Existenzminimum erwartet, der eine Anpassung nach sich ziehen muss.
Anhebung des Kinderfreibetrags sowie eine Erhöhung des Kindergeldes: Familien sollen dadurch deutlich stärker als kinderlose Haushalte profitieren.
Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrags: Wer als Angestellte:r arbeitet, kann damit pauschal mehr Werbungskosten steuerlich geltend machen.
Abflachen der Steuerprogression: Der Steuersatz soll künftig weniger steil ansteigen. Konkret soll der Spitzensteuersatz später greifen als bisher. Derzeit wird er bei einem zu versteuernden Einkommen ab 69.879 Euro für Ledige fällig. Genaue neue Grenzwerte nannte die Koalition zunächst nicht.
Reichensteuer wird gesplittet
Die Gegenfinanzierung des Milliarden-Pakets soll vor allem Gutverdiener:innen schultern. Die Bundesregierung plant, die sogenannte Reichensteuer zu reformieren und künftig in zwei Stufen aufzuteilen:
Ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 250.000 Euro soll ein Steuersatz von 45 Prozent gelten.
Ab 280.000 Euro steigt der Satz auf 47 Prozent.
Zum Vergleich: Derzeit greift der Höchststeuersatz von 45 Prozent erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 277.826 Euro. Die Reform bedeutet also: Wer viel verdient, zahlt künftig früher und mehr. Ausdrücklich ausgeschlossen hat die Koalition hingegen eine Erhöhung der Erbschafts- oder Vermögensteuer – diese bleiben unangetastet.
Auch in den News:
Bei den Handwerker:innen-Leistungen wird gekürzt
Zwei weitere Punkte des Reformpakets sind für viele Haushalte relevant. Zum einen soll der pauschale Steuersatz bei Mini-Jobs von derzeit zwei auf künftig fünf Prozent steigen. Zum anderen soll die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerker:innen-Leistungen gekürzt werden. Wer also Handwerker:innen für Reparaturen oder Renovierungsarbeiten bezahlt und diese bisher von der Steuer absetzen konnte, wird künftig weniger davon profitieren.
Verwendete Quellen:
Welt: "Steuern, Rente, Krankschreibung – lesen Sie hier das Dokument zum Reform-Paket in voller Länge"
Nachrichtenagentur dpa
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