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"Ganz geringer Optimismus": Warum die Duma-Wahl in Russland junge Männer verängstigt

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

:newstime

Parlamentswahl in Russland beginnt

Videoclip • 30 Sek • Ab 12


Russland wählt ein neues Parlament – ohne echte Opposition, dafür mit massiver Repression. :newstime-Reporter Adrian Kriesch berichtet aus Moskau von gedämpfter Stimmung und einem Thema, das besonders jungen Leuten Angst macht.

Erstmals seit Beginn der Ukraine-Invasion wählt Russland ein neues Parlament. Mehr als 110 Millionen Russ:innen können bis Sonntag (20. September) ihre Stimmen abgeben. Zur Wahl stehen 450 Sitze in der Staatsduma und zehn kremltreue Parteien – echte Alternativen zum Kurs von Kremlchef Wladimir Putin gibt es nicht.

Wie ist aber die Stimmung vor Ort – und haben die Menschen Hoffnung, dass sich mit dieser Wahl doch noch etwas ändern könnte? Unser Reporter Adrian Kriesch verfolgt die Wahl direkt in Moskau – und schildert, wie wenig von diesem historischen Urnengang tatsächlich zu spüren ist.

Trübe Stimmung in der Hauptstadt

"Man merkt hier in Moskau kaum, dass es Wahlen gibt", berichtet Kriesch. Wahlplakate seien rar, ein öffentlicher Diskurs über Kandidat:innen oder Programme finde praktisch nicht statt. "Es gibt wenige Wahlplakate, es gibt wenige Leute, die hier das Gespräch suchen und Leute von ihren Positionen überzeugen", so der Reporter. Die einzigen Hinweise darauf, dass überhaupt gewählt werden kann, seien im Stadtbild präsent.

Diese demonstrative Zurückhaltung des Kremls hat laut dem Analysten Andrej Perzew einen Grund: Der politische Apparat versuche, die Wahl angesichts wachsender Probleme möglichst unauffällig über die Bühne zu bringen.


Noch mehr Repression, noch weniger Transparenz

Dass sich die politische Lage im Land weiter verschärft, ist laut Kriesch unübersehbar. "Man hat schon den Eindruck, dass das politische System noch ein Stück weiter angespannt ist und die Stellschrauben in Richtung Repression noch weiter anzieht", sagt er. Der Ausschuss der Antikriegspartei Jabloko von dieser Wahl sei dafür nur das jüngste Beispiel.

Ein weiterer Punkt, der den Urnengang in Russland noch undurchsichtiger macht: Unabhängige Wahlbeobachtung existiert laut dem Reporter praktisch nicht mehr. Selbst die letzten verbliebenen Organisationen, die sich diesem Thema gewidmet hatten, sahen sich zuletzt mit Gerichtsurteilen und Sanktionen konfrontiert.

Angst auf der einen, Hoffnung auf der anderen Seite

Vor der Wahl hatte Kriesch mit dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin gesprochen, einem der wenigen, die den Krieg in der Ukraine über Jahre öffentlich kritisiert hatten und inzwischen ins Ausland ausgewichen sind. Jaschin, dem laut Kriesch mittlerweile wegen Äußerungen in sozialen Netzwerken Prozesse drohen, fürchte inzwischen eine längere Haftstrafe – deshalb habe er das Land verlassen.

"Jetzt hat er eben Angst, dass der nächste Schritt eine längere Haftstrafe sein könnte. Darum hat auch er das Land verlassen und ist frustriert darüber, wie sich die Lage hier entwickelt", berichtet der Reporter von dem Gespräch.

Das ist ein ganz geringer Optimismus seitens der Opposition, dass sich was ändert.

Adrian Kriesch, Reporter

Und doch habe der Oppositionelle die Hoffnung nicht aufgegeben – eine Haltung, die man auch bei anderen Gesprächspartnern in Moskau wahrnehme. Das ernüchternde Fazit des Reporters: "Das ist ein ganz geringer Optimismus seitens der Opposition, dass sich was ändert."

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Angst vor dem Krieg

Besonders auffällig ist die Stimmung unter jungen Männern in der russischen Hauptstadt. Viele von ihnen treibt offensichtlich die Sorge um, dass nach der Wahl eine neue Mobilisierungswelle für den Ukraine-Krieg folgen könnte – ein Gerücht, das sich trotz zweifacher Dementis Putins in den vergangenen Wochen hartnäckig halte.

"Ich habe gestern erst mit einem jungen Mann gesprochen, der meinte, er hat wahnsinnige Angst davor und arbeitet schon an einem Plan B", erzählt Kriesch. "In seinem Fall kennt er zwei Leute, die sich freiwillig fürs Militär gemeldet haben. Einer ist gestorben, einer hat ein Bein verloren."


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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