Beim Anlaufen in Alaska
Toter Finnwal auf dem Bug der "Norwegian Joy" – Gab es eine Kollision mit dem Kreuzfahrtschiff?
Aktualisiert:
von Jacqueline Bittl:newstime
Kreuzfahrt-Boom hält unvermindert an
Videoclip • 01:43 Min • Ab 12
Ein toter Finnwal auf dem Bug sorgt für Aufsehen: Die "Norwegian Joy" musste ihr Anlegemanöver in Alaska verschieben. Nun ermitteln Behörden, ob das Tier mit dem Schiff kollidierte.
Ein makaberer Fund hat am Donnerstagmorgen (17. September) den Hafenanlauf eines Kreuzfahrtschiffs in Alaska durcheinandergebracht. Wie "T-Online" und das Fachportal "schiffe-und-kreuzfahrten.de" berichten, entdeckte die Crew der "Norwegian Joy" beim Anlegemanöver im Hafen von Sitka einen toten Finnwal, der auf dem sogenannten Wulstbug des Schiffs lag. Gegen 7:45 Uhr Ortszeit wurde den Passagier:innen mitgeteilt, dass sich der Betrieb an Bord vorübergehend verzögert. Das Schiff befand sich ausgerechnet auf dem Weg zu einer Walbeobachtung.
Auch in den News:
War es eine Kollision mit dem Kreuzfahrtschiff? Meeresschutzbehörde untersucht den toten Wal
Berichten von Augenzeug:innen zufolge lag das Tier mit dem Bauch nach oben auf dem Bug, mit einer deutlich sichtbaren Wunde im hinteren Bereich des Körpers. Für Fachleute gilt eine solche Verletzung als starkes Indiz für eine Kollision mit dem Schiff, letzte Gewissheit soll aber erst eine Obduktion bringen. Unklar ist demnach auch, ob der Wal zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Zusammenstoßes bereits tot gewesen sein könnte.
Eine Passagierin habe dem Sender My Northwest ihre Betroffenheit geschildert: "Mir tut der Wal wirklich leid, und mir tut der Kapitän auch leid." Die Crew habe gemeinsam mit der US-Küstenwache und einem Schlepper den Kadaver mit einer Leine vom Schiffsrumpf gelöst und transportierte ihn abtransportiert, bevor das Anlegen fortgesetzt werden konnte.
Wir sind zutiefst betrübt über diese Situation und kooperieren im Rahmen des Bewertungsprozesses mit den zuständigen Behörden sowie allen relevanten Wissenschaftlern und Wildtierexperten.
Die US-Meeresschutzbehörde NOAA bestätigte den Vorfall offiziell. Noch am selben Tag reisten Expert:innen an, um das tote Tier zu untersuchen. Die Reederei Norwegian Cruise Line äußerte sich betroffen und erklärte laut "Cruise Hive", man sei "zutiefst betrübt über diese Situation" und kooperiere im Rahmen des Bewertungsprozesses mit den zuständigen Behörden sowie mit Wissenschaftler:innen und Wildtierexpert:innen.
Der tote Wal wurde mit dem Bauch nach oben auf dem Wulstbug des Schiffes gefunden
Das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Joy" vor seiner Abfahrt auf der Meyer-Werft in Papenburg. (Archivbild)
Bild: REUTERS/Fabian Bimmer
Walkollisionen an Alaskas Küste sind leider keine Seltenheit
Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorkommnisse an der Küste Alaskas ein: Bereits im Juni dieses Jahres wurde in Seward ein trächtiger Finnwal auf dem Bug eines Schiffs eines anderen Anbieters entdeckt.
Finnwale können über 20 Meter lang werden, gelten als bedroht und sind in nahezu allen großen Ozeanen der Welt heimisch. US-Behörden zufolge zählen Kollisionen mit Schiffen mittlerweile zu den größten Gefahren für die ohnehin gefährdete Finnwal-Population im Nordpazifik – ein Umstand, der Reedereien zunehmend unter Druck setzt, ihre Geschwindigkeit in bekannten Walgebieten anzupassen.
Für die Reisenden an Bord der "Norwegian Joy" hatte der Zwischenfall handfeste Folgen: Die eigens gebuchte Walbeobachtung in der Sitka Bay fiel wegen der Verspätung für viele Gäste praktisch aus. Zu möglichen Entschädigungen äußerte sich Norwegian Cruise Line bislang nicht.
Verwendete Quellen:
t-online.de: "Kreuzfahrtschiff kollidiert offenbar mit Wal"
schiffe-und-kreuzfahrten.de: "Norwegian Joy: Toter Wal blockiert Anlegen in Sitka"
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