Vom Familienbetrieb zum Milliardenkonzern
Die Aldi-Erben: Wer hinter dem Discounter-Imperium steht
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Aldi Süd plant Mega-Transformation (17. April)
Videoclip • 01:17 Min • Ab 12
Die Aldi-Erben – zwei Brüder – machten aus dem kleinen Laden ihrer Eltern zwei der erfolgreichsten Discounter-Ketten Deutschlands. Auch heute noch sind diese in der Hand der Familien, allerdings indirekt über ein Geflecht aus Stiftungen. Ein Überblick zu Familien, Stiftungen und Machtstrukturen hinter Aldi.
Das Wichtigste in Kürze
Die Aldi-Erben sind die Nachkommen der Brüder Karl und Theo Albrecht, die Aldi Süd und Aldi Nord aufgebaut haben.
Verschiedene Stiftungen halten alle Anteile an Aldi Süd und Aldi Nord. Die Begünstigten der Organisationen sind die Kinder und Enkel der Gründer.
Durch die Organisation über Stiftungen behalten die Erben die Kontrolle über Aldi.
Die Erben: Wer heute hinter Aldi steht
Die Aldi-Erben sind die Nachkommen der Brüder Karl und Theodor Paul "Theo" Albrecht, die die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord aufgebaut haben. Deren Ursprünge gehen auf einen 1913 gegründeten Familienbetrieb in Essen zurück.
Heute zählen ihre Nachfahren zu den reichsten Familien weltweit. Die Erbstruktur teilt sich in zwei Linien:
Karl Albrecht (Aldi Süd) hatte zwei Kinder: Karl Albrecht junior und Beate Heister.
Theo Albrecht (Aldi Nord) war Vater zweier Söhne: Theo Albrecht junior und Berthold Albrecht, der bereits verstorben ist.
Die beiden Aldi-Unternehmen gehören tatsächlich nicht direkt den Kindern und Enkeln: Sie befinden sich im Besitz verschiedener Familienstiftungen. Diese sorgen dafür, dass das Unternehmen bis heute unter Kontrolle der Gründerfamilien bleibt. Die Hauptbegünstigten sind jeweils die Nachkommen: Sie erhalten regelmäßige Geldzuwendungen von den Stiftungen. Wie die Firmengründer meiden auch sie weitgehend die Öffentlichkeit.
Karl und Theo Albrecht riefen die Stiftungen ins Leben und überführten große Teile ihres Vermögens sowie ihrer Anteile in die Organisationen. Sie wollten damit verhindern, dass externe Investoren Einfluss nehmen können oder die Konzerne zerschlagen werden.
Aldi Nord und Aldi Süd werden beide von externen Managern geführt, die nicht zur Familie gehören. Der letzte Albrecht in der Geschäftsführung war Theo Albrecht junior. Er zog sich jedoch 2023 aus der operativen Führung von Aldi Nord zurück und sitzt seitdem im Aufsichtsrat.
So groß sind die beiden Unternehmen heute: Wichtige Zahlen zu Aldi
In Deutschland gibt es rund 4.200 Aldi‑Filialen. Zusammengenommen gehören Aldi Nord und Süd damit zu den größten Discountern.
Aldi Süd mit Sitz in Mülheim an der Ruhr betreibt rund 2.000 Filialen in Süd- und Westdeutschland. 50.000 Mitarbeiter:innen arbeiten für den Konzern.
Aldi Nord hat seinen Stammsitz in Essen. 40.000 Mitarbeiter:innen sind in 2.200 Filialen in Nord- und Ostdeutschland tätig.
Beide Unternehmen sind weltweit aktiv. Auf Aldi Nord entfallen knapp 5.500 Filialen in acht Ländern. Zum Unternehmen gehört auch die US-Kette Trader Joe's. Aldi Süd betreibt 6.500 Filialen in elf Ländern. Dazu gehört auch die österreichische Kette Hofer. Die Zahlen beinhalten jeweils die deutschen Märkte.
Aldi-Nord-Gründer Theo Albrecht (Bild) war wie sein Bruder Karl Albrecht öffentlichkeitsscheu - es gibt kaum Bilder von ihm. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 1971.
Bild: picture-alliance / dpa
Wie reich sind die Aldi-Erben?
Karl und Theo Albrecht waren schon Anfang der 1950er-Jahre Millionäre. Doch danach expandierten die Unternehmen Aldi Süd und Aldi Nord immer weiter – was sie und ihre Nachkommen noch reicher machte.
Das gemeinsame Vermögen der Albrecht-Familien schätzte die Nachrichtenagentur Bloomberg auf knapp 55 Milliarden US‑Dollar. Das entspricht rund 47 Milliarden Euro. Damit landen sie auf Platz 25 der reichsten Familien weltweit (Stand: November 2025).
Die Echtzeit-Milliardärs-Liste des US-Magazins "Forbes" führt die Familien getrennt auf (Stand der Zahlen: 6. Mai 2026):
Karl Albrecht junior und Familie: 18,2 Milliarden US-Dollar (knapp 15,5 Milliarden Euro)
Theo Albrecht junior und Familie: 17,1 Milliarden US-Dollar (knapp 14,5 Milliarden Euro)
Aldi ist in zwei komplett getrennte Konzerne aufgeteilt: Aldi Süd und Aldi Nord.
Bild: Christoph Reichwein/dpa
Wem gehört Aldi Süd?
Aldi Süd steht über mehrere Familienstiftungen unter Kontrolle der Gründerfamilie. Kern der Struktur ist die Siepmann‑Stiftung, die als zentrale Holding mindestens 75 Prozent der Anteile hält. Sie verwaltet das Vermögen und die Markenrechte von Aldi Süd.
Gegründet wurde sie 1973 von Karl Albrecht. Der Name geht auf seine Mutter zurück, die unter dem Namen Anna Siepmann zur Welt kam. Nach Karl Albrechts Tod 2014 wurden seine Kinder und Enkel als Begünstigte eingesetzt.
Zu den Begünstigten sollen Beate Heister, ihre sechs Kinder, ihr Ehemann Peter, ihr Bruder Karl junior und dessen Ehefrau Gabriele Mertes gehören. Über deren mögliche Kinder gibt es keine bestätigten öffentlichen Informationen. 2006 übernahm Beate Heisters Sohn Peter Max Heister den Vorstandsvorsitz der Stiftung.
Die übrigen Anteile liegen bei zwei gemeinnützigen Stiftungen – der Oertl‑ und der Elisen‑Stiftung. Sie sollen Forschung und Kultur fördern. An diese beiden Einrichtungen fällt das Vermögen der Siepmann-Stiftung, falls es keine Nachfahren von Karl Albrecht mehr geben sollte.
Wer besitzt Aldi Nord?
Aldi Nord wird über ein komplexes Netz aus Familienstiftungen kontrolliert. Den Anfang machte 1973 die Markus‑Stiftung, die heute 61 Prozent der Anteile hält. Später kamen die Lukas‑ und die Jakobus‑Stiftung hinzu.
Die Stiftungen begünstigen die Nachkommen von Theo Albrecht, allerdings ist die Struktur deutlich komplexer als bei Aldi Süd. Größere Investitionen und zentrale Entscheidungen müssen in der Regel einstimmig getroffen werden. Dadurch bleibt die Kontrolle innerhalb der Familie, gleichzeitig macht es das System aber auch anfällig für Konflikte.
Nach dem Tod des Gründers 2010 übernahmen seine Frau Cäcilie und sein Sohn Theo Albrecht junior die zentrale Rolle bei der Markus- und der Lukas-Stiftung. Der zweite Sohn, Berthold Albrecht, kontrollierte die Jakobus‑Stiftung.
Nach dessen Tod 2012 kam es zu jahrelangen Konflikten über Einfluss, Gremienbesetzung und strategische Entscheidungen. Die Familien zogen sogar vor Gericht.
Ende 2023 einigten sich die Beteiligten auf eine neue Holding-Struktur, die die Kontrolle zwischen den Familienzweigen neu ordnet. Sie gehört je zur Hälfte den Stiftungen des Familienzweigs von Theo Albrecht junior und Berthold Albrecht.
Die Institutionen begünstigen jeweils verschiedene Familienmitglieder: Bei der Markus-Stiftung profitieren nur die Kinder und Enkel des Gründers Theo Albrecht. Die Lukas-Stiftung zahlt Gelder an Theo Albrecht junior und seine Familie, einschließlich seiner Tochter. Bei der Jakobus-Stiftung werden die Witwe von Berthold Albrecht, Babette, und ihre fünf Kinder begünstigt.
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Die Aldi-Erfolgsgeschichte: So entstand die Discounter-Kette
Die Anfänge von Aldi gehen auf das Jahr 1913 zurück – auch wenn es noch viele Jahre dauerte, bis der Name und das Discounter-Prinzip eingeführt wurden. Karl Albrecht senior hatte das Bäckerhandwerk gelernt, konnte aber wegen einer Allergie nicht weitermachen. Also startete er im Frühjahr 1913 einen Brothandel in Essen.
Ein Jahr später eröffnete seine Frau Anna einen Tante-Emma-Laden in Essen-Schonnebeck. Der Name: "Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht". Damit begann die Geschichte eines Geschäfts, das später zu einem der bekanntesten Discounter‑Modelle der Welt werden sollte.
Selbstbedienung gab es damals noch nicht: Verkäufer:innen bedienten die Kund:innen. 1919 kaufte die Familie ein Wohn- und Geschäftshaus in der Nähe, in dem 1920 Karl und 1922 Theodor Paul Albrecht geboren wurden.
1945 übernahmen die Brüder das elterliche Geschäft. Zudem bauten sie den Betrieb aus und eröffneten erste Filialen. Bereits Ende der 1940er-Jahre entwickelten sie das Discounter-Prinzip: In einem schlicht eingerichteten Laden wurde ein überschaubares Sortiment direkt in Kartons angeboten – und das zu niedrigen Preisen.
1954 gab es schon 77 Geschäfte, erstmals auch außerhalb von Essen. Im Stammhaus in Schonnebeck starteten Karl und Theo Albrecht ein Experiment: Sie führten die Selbstbedienung ein. Kund:innen konnten die Waren selbst aus den Regalen nehmen. Dieser Schritt markierte einen frühen Bruch mit traditionellen Einkaufsgewohnheiten – und wurde zum Vorläufer des späteren Discounter‑Prinzips.
1961 beschlossen die Albrecht-Brüder, das Unternehmen zu teilen – in Aldi Süd und Aldi Nord. Über die Gründe schwiegen sie sich aus. Es kursieren mehrere Gerüchte: So sollen sie sich nicht einig gewesen sein, ob in den Läden Zigaretten verkauft werden sollten. Dann wieder hieß es, die beiden hätten unterschiedliche Führungsstile gehabt.
1962 eröffnete Theo Albrecht die erste Filiale unter dem Namen Aldi, kurz für "Albrecht Diskont". Damit entstand nicht nur die Marke: Dort setzten sie auch das Discounter-Prinzip erstmals konsequent um. Danach wurde das gesamte Netz von Aldi Süd und Nord auf das neue Konzept umgestellt.
FAQ: Aldi-Erben
Die Aldi-Erben sind die Nachkommen der Brüder Karl und Theo Albrecht, die die beiden Unternehmen Aldi Süd und Nord gründeten. Doch die Kinder und Enkel besitzen die Anteile nicht direkt: Sie kontrollieren das Aldi-Imperium über verschiedene Stiftungen. Insbesondere bei Aldi Nord gab es jahrelang Streit um das Erbe.
Aldi wird weiterhin von den Familien Albrecht geprägt. Aber die Unternehmen gehören den einzelnen Familienmitgliedern nicht direkt. Sie werden von verschiedenen Stiftungen kontrolliert, die die Albrechts unterhalten. Dieses Geflecht sichert den Einfluss der Erben und schirmt die Konzerne nach außen ab.
Theo Paul Albrecht starb im Jahr 2010, sein Bruder Karl Albrecht 2014. Die beiden Männer hatten ihr Unternehmen schon 1961 in Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt. Bis zu ihrem Tod lebten beide sehr zurückgezogen und mieden die Öffentlichkeit.
Verwendete Quellen:
Unternehmensseite von Aldi Süd
Unternehmensseite von Aldi Nord
Bloomberg: "The World's Richest Families"
manager magazin: "Showdown im Aldi-Drama - Urteil im Streit um Macht und Geld"
Spiegel: "Aldi-Erben wollen jahrelangen Machtkampf beenden"
Forbes-Liste "The Richest People In The World"
Forbes: "Beate Heister and Karl Albrecht Jr."
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