Hilflose Europäer?

Diskussion bei Markus Lanz zeigt, warum Europa nicht ohne Trump auskommt

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

U.a. "Zeit"-Redakteur Holger Stark und CNN-Reporter Frederik Pleitgen (r.) diskutierten am Mittwochabend mit Markus Lanz.

Bild: Screenshot ZDF


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Die Talkrunde bei Markus Lanz beleuchtet Europas Abhängigkeit von den USA. Der Grönland-Konflikt zeigt, warum Deutschland und die EU geopolitisch schwächeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Markus Lanz wurde über Europas Abhängigkeit von den USA und den Grönland-Konflikt diskutiert.

  • Russlands Strategie in der Arktis und Trumps Interessen zeigen Europas geopolitische Schwäche.

  • Die Talkrunde beleuchtet die Rolle des BND und die Überwachung deutscher Politiker:innen durch die USA.

Bei Markus Lanz wurde am Mittwochabend (22. Januar) erneut deutlich, wie sehr Europa und Deutschland von den USA abhängig sind. Der Grönland-Konflikt, der strategische Interessen der Vereinigten Staaten, Russlands und Chinas betrifft, zeigt die geopolitische Hilflosigkeit der Europäischen Union. Die Gäste der Talkrunde diskutierten, warum die EU bis heute nicht aus dem Schatten der USA heraustreten kann.

Wolfgang Schmidt (SPD), Frederik Pleitgen von CNN, Sabine Adler vom Deutschlandfunk und Holger Stark von der Zeitung "Zeit" waren sich einig: Die USA sehen Europa weniger als Partner, sondern zunehmend als Rivalen. Besonders unter Donald Trump sei die transatlantische Beziehung durch Misstrauen geprägt.

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Grönland als strategisches Spielfeld

Der Konflikt um Grönland verdeutlicht die geopolitischen Spannungen zwischen den Großmächten. Laut CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen ist das Interesse der USA an der Arktisregion sowohl sicherheitspolitisch als auch wirtschaftlich motiviert. "Die Amerikaner wollen Handelsrouten kontrollieren und ihre Militärbewegungen absichern", erklärte Pleitgen. Russland hingegen betrachte die Region als sein eigenes Einflussgebiet und investiere massiv in Militärbasen und Eisbrecherflotten.

Sabine Adler betonte, dass Wladimir Putin das amerikanische Interesse an Grönland als Bedrohung sehe. Sie erklärte, dass Trumps Grönland-Vorstoß "eine wahnsinnig schlechte Nachricht" für Putin sei.  Der russische Präsident verfolge eine langfristige Strategie, um die Kontrolle über die Arktis zu behalten – ein Ansatz, der Europa und die NATO ins Hintertreffen bringe.


Europas geopolitische Schwäche

Die Gäste waren sich einig, dass Europa selbst kaum strategische Stärke zeigt. Holger Stark von der "Zeit" machte deutlich, dass deutsche Politiker:innen historisch stark auf die "Elternrolle" der USA fixiert seien. Olaf Scholz habe als Kanzler alle Bestrebungen nach mehr Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten als unrealistisch abgetan. Diese Haltung hindere die EU daran, eigene geopolitische Konzepte zu entwickeln.

Besonders kritisch sei die Abhängigkeit von US-amerikanischen Geheimdienstinformationen. Der Bundesnachrichtendienst (BND) habe vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine gravierende Fehleinschätzungen getroffen, während die Amerikaner mit ihren Informationen deutlich besser aufgestellt gewesen seien, so Stark.

Ungleichgewicht in der Partnerschaft

Eine weitere Diskussion drehte sich um die Frage der Überwachung durch Geheimdienste. Journaslist Stark berichtete, dass der BND in der Vergangenheit sogar die Air Force One abgehört habe – ein Verhalten, das heute kaum mehr denkbar sei. Umgekehrt müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass deutsche Spitzenpolitiker:innen wie Kanzler Friedrich Merz durch US-Geheimdienste überwacht würden. Dies unterstreiche das Ungleichgewicht in der transatlantischen Partnerschaft und die geopolitische Schwäche Europas.


Verwendete Quellen:

ZDF-Sendung "Markus Lanz" vom 22. Januar 2026

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