Sorge um Reserven
Deutsches Gold in den USA: Ein Druckmittel für Trump?
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
2026: Wird Goldpreis weiter steigen?
Videoclip • 01:01 Min • Ab 12
Mehr als ein Drittel der deutschen Goldreserven lagert in den USA. Das Edelmetall boomt aktuell – und Donald Trump ist unberechenbar. Sollte man das Gold zurückholen?
Das Wichtigste in Kürze
Bei der US-Notenbank Fed in New York City lagern etwa 1.236 Tonnen an Goldreserven der Bundesrepublik Deutschland.
Da US-Präsident Donald Trump das transatlantische Bündnis immer mehr in Frage stellt, werden Stimmen laut, das Gold zurückzuholen.
Unter anderem Marie-Agnes Strack-Zimmermann findet die aktuelle Situation "nicht vertretbar" – doch die Bundesbank versucht, zu beruhigen.
Die Rekordjagd geht weiter: Unter anderem angetrieben von globalen Krisen soll der Goldpreis die hohen Erwartungen 2026 noch übertreffen. Davon profitiert auch Deutschland.
Einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) zufolge besitzt die Bundesrepublik die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Allerdings lagert dieser Schatz nicht ausschließlich hierzulande.
Mehr als ein Drittel befindet sich in den USA, genauer in den Tresoren der US-Notenbank Fed in New York City. Und angesichts von Donald Trumps unberechenbarer Politik werden nun Stimmen laut, das Gold wieder nach Deutschland zu holen.
Insgesamt verfügt die Bundesrepublik laut RND über 3.350 Tonnen Gold. Bei der Fed lagern etwa 1.236 Tonnen – das entspricht einem Wert von satten 164 Milliarden Euro. Ein Risiko?
Experte findet Lagerung in den USA "aktuell riskant"
Der ehemalige Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Emanuel Mönch, erklärte im Interview mit dem "Handelsblatt", es sei "aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern". Man müsse "Trump zutrauen, dass er auch versucht, das Bundesbank-Gold als Druckmittel einzusetzen". Seiner Meinung nach wäre die Bundesbank gut beraten, mit Blick auf eine größere strategische Unabhängigkeit von den USA "über eine Rückholaktion nachzudenken".
Mit seinen Bedenken ist der Experte nicht allein. Auch die Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, schlägt in diese Kerbe. Gegenüber dem "Spiegel" erklärte die FDP-Frau, es sei "nicht vertretbar", dass 37 Prozent der deutschen Goldreserven in New York lagerten. Vertrauen in die Verlässlichkeit transatlantischer Partner dürfe nicht "unsere wirtschaftliche und sicherheitspolitische Souveränität" ersetzen.
FAQ: Gold
Gold wird als krisensichere Anlage betrachtet, weil es im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen keinen Zahlungsausfall kennt und weltweit akzeptiert ist. In Zeiten von Inflation, geopolitischen Spannungen oder Finanzmarkt-Turbulenzen flüchten viele Investoren in Gold, was den Preis zusätzlich stützen kann.
Der Goldpreis wird vor allem durch Zinsen, Inflationserwartungen, den US-Dollar-Kurs und die Nachfrage von Zentralbanken und Anleger:innen beeinflusst. Steigen die Zinsen deutlich, wird Gold oft weniger attraktiv, weil es selbst keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden bringt.
Physisches Gold (Barren, Münzen) eignet sich, wenn du direkten Besitz und Unabhängigkeit von Finanzinstituten willst, verursacht aber Lager- und ggf. Versicherungskosten. Ein Gold-ETF ist bequemer handelbar, eignet sich für kleinere Beträge und das schnelle Umschichten im Depot, bleibt aber ein Finanzprodukt mit Emittenten- und Marktrisiken.
Katharina Beck, die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, wies im "Handelsblatt" darauf hin, dass die Goldreserven "auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden" dürften. Am sichersten könne man dies während Trumps Amtszeit ausschließen, wenn die Goldreserven wieder in Deutschland verwahrt würden.
Bundesbank wiegelt ab
Bundesbankpräsident Joachim Nagel betont hingegen die Bedeutung der Lagerung in unterschiedlichen Währungsräumen. Bereits im Oktober hatte Nagel bekräftigt, dass es keinen Grund zur Sorge gebe. Regelmäßig führe die Bundesbank Inspektionen durch. Das Gold sei "vorhanden, es ist echt und es ist in vollständiger Übereinstimmung mit dem, was wir in unseren Büchern haben".
Auch der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler, erklärte gegenüber dem "Handelsblatt", Reserven in den USA zu lagern, sei sinnvoll. Über einen Abzug zu diskutieren sei "nicht förderlich".
Versöhnlichere Töne schlug Frauke Heiligenstadt, die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, an. Ihrer Meinung nach seien die Goldreserven "diversifiziert angelegt" und Deutschlands Handlungsfähigkeit sichergestellt.
Bereits während Trumps erster Amtszeit sah die Bundesbank keine Veranlassung für eine Verlagerung der Reserven.
Verwendete Quellen
Handelsblatt: "Druckmittel für Trump? Bundesbank gerät in Zwickmühle"
RND: "Deutsche Goldreserven in den USA: Experten fordern Rückholaktion"
Spiegel: "Strack-Zimmermann fordert Überführung deutscher Goldreserven aus den USA"
Nachrichtenagentur dpa
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