Unter Lukaschenko

Belarus in der CRINK-Achse: Russlands Brückenkopf an der EU-Grenze

Veröffentlicht:

von Max Strumberger

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So profitiert Putin vom Krieg im Iran

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Lukaschenkos Belarus wird zum festen Baustein einer autoritären Gegenordnung zum Westen. Enge Anbindung an Russland, wachsende Wirtschafts- und Militärkooperation mit China, Iran und Nordkorea sind die Hauptbestandteile dieser politischen Achse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Belarus hat den lange behaupteten Balancekurs zwischen Ost und West aufgegeben.

  • Das Regime bindet sich tief an Russland, China, Iran und Nordkorea und wird damit zum Knotenpunkt einer autoritären Achse.

  • Die Folge ist eine wachsende strukturelle Abhängigkeit – und eine direkte Gefahr für Europa.

Belarus wendet sich in rasantem Tempo vom Westen ab und verankert sich immer tiefer im Machtgefüge einer neuen autoritären Staatenachse. Unter Präsident Alexander Lukaschenko, der das Land seit mehr als drei Jahrzehnten autoritär regiert, hat Minsk seine Beziehungen zu den Staaten der sogenannten CRINK-AchseChina, Russland, Iran und Nordkorea – seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 deutlich intensiviert. Was einst zumindest rhetorisch als Balance zwischen Ost und West verkauft wurde, entwickelt sich zunehmend zu einer einseitigen geopolitischen Festlegung: Belarus positioniert sich als verlässlicher Teil eines Netzwerks, das den Einfluss des Westens zurückdrängen und westliche Sanktionen systematisch unterlaufen will.

Zentral ist dabei die immer tiefere strukturelle Abhängigkeit von Russland. Im Rahmen des sogenannten Unionsstaats sind Wirtschaft und Verteidigung beider Länder eng verflochten – in einem Ausmaß, das praktisch einem Verlust belarussischer Souveränität gleichkommt. Minsk stellt nicht nur sein Territorium als Aufmarsch- und Logistikraum für den russischen Krieg gegen die Ukraine zur Verfügung, sondern passt auch seine Wirtschaftspolitik an russische Bedürfnisse an. Parallel dazu rückt Belarus militärisch näher an Moskau heran und signalisiert der NATO an ihrer Ostflanke Geschlossenheit mit dem Kreml. Der Preis: Jede Perspektive auf eine Annäherung an EU oder Westen rückt in weite Ferne.

Stärkere Bindung an China

Gleichzeitig bindet sich Belarus immer stärker an China. Lukaschenko inszeniert seine Besuche in Peking als Beweis dafür, dass sein Land trotz westlicher Sanktionen nicht isoliert sei. Mit Erfolg – aber zu klaren Bedingungen Pekings: China ist inzwischen nach Russland der zweitwichtigste Handelspartner von Belarus, das 2025 ratifizierte Abkommen über Dienstleistungen und Investitionen hat die wirtschaftliche Verflechtung noch vertieft. Die Handelsbeziehung ist jedoch massiv asymmetrisch: Minsk importiert vor allem chinesische Technologie, Maschinen, Elektronik und Dual-Use-Güter, exportiert aber hauptsächlich Düngemittel, Agrarprodukte, Pflanzenöle und Holz. Hinzu kommen gebundene Kredite aus China, die belarussische Unternehmen an chinesische Lieferketten binden. Unabhängige Entwicklungsspielräume schrumpfen – und die Abkehr vom Westen verfestigt sich strukturell.

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Belarus will iranische Shahed-Drohnen bauen

Noch heikler für das Verhältnis zum Westen ist die wachsende sicherheits- und rüstungspolitische Einbindung in das autoritäre Netzwerk. Nach dem Beitritt zur Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit 2024 vertiefte Belarus seine militärische Kooperation mit China und trat gemeinsam zu Manövern in unmittelbarer Nähe der Nato-Ostflanke an. Unter dem Druck westlicher Sanktionen stützt sich der belarussische Verteidigungssektor zunehmend auf chinesische Komponenten, die in Belarus verbaut und über russische Rüstungsbetriebe in den Kriegskreislauf eingespeist werden – ein Hebel zur Umgehung westlicher Exportkontrollen.

Parallel dazu baut Minsk seine Beziehungen zum Iran aus: Ein Verteidigungsabkommen von 2025, die Perspektive einer Shahed-136-Drohnenproduktion in Belarus und der Zugang zum iranischen Markt im Rahmen des Freihandelsabkommens mit der Eurasischen Wirtschaftsunion zeigen, wie sehr sich Belarus in eine alternative, vom Westen abgekoppelte Sicherheits- und Wirtschaftsordnung einfügt. Der Irankrieg seit Februar 2026 bremst diese Dynamik zwar kurzfristig, ändert aber nichts an den strategischen Motiven beider sanktionierter Regime.

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Auch der Kontakt zu Nordkorea – wirtschaftlich von geringerer Bedeutung – fügt sich in dieses Muster der Westabkehr. Lukaschenkos jüngster Besuch in Pjöngjang unterstreicht den Anspruch, Teil eines größeren autoritären Verbunds zu sein, der von China als wirtschaftlichem Motor, von Russland als militärischem Kern und vom Iran als regionalem Akteur geprägt wird, während Nordkorea opportunistische Beiträge liefert.

Für Europa hat diese Entwicklung klare sicherheitspolitische Konsequenzen: CRINK stärkt die Durchhaltefähigkeit Russlands im Krieg gegen die Ukraine und erschwert die Wirkung westlicher Sanktionen. Belarus fungiert dabei als logistischer, industrieller und zunehmend auch militärischer Knotenpunkt – und damit als direkte Bedrohung für die europäische Sicherheitsordnung. Umso größer wäre die strategische Bedeutung eines zukünftigen souveränen und demokratischen Belarus, das nicht länger Brückenkopf eines autoritären Blocks, sondern Garant für Stabilität an der EU-Ostflanke wäre.


Verwendete Quellen:

N-tv: Lukaschenko positioniert Belarus im Netz der CRINK-Achse

Nachrichtenagentur dpa

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