Gestrandet an Ostseeküste
Rettungseinsatz läuft: Buckelwal in der Lübecker Bucht größer als gedacht
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
Rettungsversuch für gestrandeten Wal
Videoclip • 28 Sek • Ab 12
Gelingt doch noch die Rettung? Bei Timmendorfer Strand an der Ostseeküste steckt ein Großwal fest. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einem Baggereinsatz.
Es könnte die letzte Chance sein, den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal zu retten. Immer noch liegt das Tier im flachen Wasser vor dem Ortsteil Niendorf der Gemeinde Timmendorfer Strand.
Seit mindestens Montagmorgen (23. März) steckt der männliche Buckelwal auf einer Sandbank fest. Anders als an den vorherigen Tagen war am Mittwoch (25. März) kein regelmäßiges Brummen des Wals mehr zu hören – allein schon wegen des stürmischen Wetters. Auch die Haut des Wals sei beschädigt. Expert:innen des Deutschen Meeresmuseums hatten schon am Dienstag (24. März) den schlechten Zustand des Tiers festgestellt. "Der Gesundheitszustand des Wals ist besorgniserregend, sowohl seine Haut als auch den Allgemeinzustand betreffend", hieß es.
Großer Bagger soll Rinne graben
Am Donnerstag (25. März) könnte endlich Bewegung in die Rettungsaktion kommen: Ein großer Schaufelbagger ist am Vorabend am Timmendorfer Strand angekommen. Zusammen mit einem zweiten Bagger soll er nun eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals graben. So könnte der Wal zurück ins tiefere Wasser gelangen, ohne sich umzudrehen. Die Arbeiten sollen am Donnerstagmorgen (26. März) starten.
Der Versuch, den Wal mit einem kleineren Saugbagger freizuschaufeln, war am Dienstag gescheitert. "Leider hat sich herausgestellt, dass der Sand zu fest ist", erklärt ITAW-Walexpertin Stephanie Groß.
Wal größer als gedacht
Die Rettung ist kompliziert: Wind und Strömung erschweren die Arbeiten. Hinzu kommt: Der Wal ist größer als zunächst angenommen. Messungen hätten ergeben, dass er zwischen zwölf und 15 Metern lang ist und geschätzt 15 Tonnen auf die Waage bringt, so Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Ein so massives Tier zu bewegen, sei umso schwieriger. In der Ostsee gibt es auch keine deutliche Tide, die dabei helfen könnte, den Wal in tiefes Wasser zu spülen.
Helfer: "Ich würde gerne mehr machen"
Bei der gescheiterten Rettungsaktion am Dienstag waren auch Polizei-Boote, Schlauchboote sowie Feuerwehr-Drohnen eingesetzt worden. Die Polizei hatte am Dienstagmorgen erklärt, dass das Hochwasser gegen Mitternacht nicht dafür gesorgt habe, dass sich der Wal aus eigener Kraft freischwimmen konnte.
Carsten Mannheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd beteuerte am Mittwoch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass die Situation niemanden kaltlasse: "Ich würde gerne mehr machen", erklärte der Helfer. Er habe noch Hoffnung, dass es der Wal doch noch zurück ins tiefere Wasser schafft, sagte Mannheimer am Mittwoch.
Neben Einsatzkräften sind auch Expert:innen des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover an der Rettung beteiligt.
Auch in den News:
Schaulustige behinderten Rettungsmaßnahmen
Unklar bleibt, wieso der Wal in der Lübecker Bucht gestrandet ist. ITAW-Expertin Stephanie Groß erklärte, er könne verletzt oder krank sein, möglicherweise auch einfach erschöpft. Auch versehentlich könnte er in den Flachwasserbereich gelangt sein.
Die Nachricht vom gestrandeten Wal lockt auch viele Schaulustige an. Allerdings blieb es teilweise nicht beim einfachen Zuschauen aus der Ferne. Die Rettungsmaßnahmen sind nach Angaben des Bürgermeisters Sven Partheil-Böhnke vereinzelt behindert worden. Er forderte Schaulustige auf, die Maßnahmen rund um das gestrandete Tier nicht zu stören.
Menschen haben demnach beispielsweise am Montag (23. März) versucht, sich dem Tier mit Ruder- und Schlauchbooten zu nähern oder Absperrungen zu umgehen. Ihnen sei offenbar egal, was das mit dem Wal mache, kritisierte Partheil-Böhnke. Er verurteilte die Aktionen und appellierte an die Öffentlichkeit, das Tier in Ruhe zu lassen. Solche Annäherungsversuche versetzten den Wal in Panik und erschwerten die ohnehin komplexen Rettungsmaßnahmen.
Wal wurde wohl bereits mehrfach gesehen
Ein Polizeisprecher hatte bereits am Montagvormittag mitgeteilt, man wolle mit allen möglichen Mitteln versuchen, das Tier an einen Ort zu bringen, wo es wieder schwimmen könne. Doch "das gestaltet sich natürlich schwierig".
Schon seit einiger Zeit wurden Walsichtungen an der Ostsee gemeldet, erstmals Anfang des Monats im Wismarer Hafen. Damals hatte sich der Wal in einem Netz verfangen, Einsatzkräfte halfen, ihn weitgehend davon zu befreien. Laut Polizei wird davon ausgegangen, dass es sich um das gleiche Tier handelt. Weitere Netzreste wurden vergangenen Freitag (20. März) vor Travemünde von Sea Sheperd entfernt, wie die Organisation mitgeteilt hatte.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Ab 12:45 Uhr
LIVE: Sexualisierte Gewalt im Netz – greift der Bundestag jetzt durch?

Minusgrade vor den Osterferien
Wetter in Bayern: Schnee, Graupel und Glätte

Migrationsdebatte
EU-Parlament: Mehrheit stimmt für Abschiebezentren

US-Präsident spricht von "Deal"
USA und Iran widersprechen sich: Gibt es Verhandlungen?

Gewerkschaft Verdi in Nürnberg
Nach Drohbrief an Verdi: Mutmaßlicher Verfasser ermittelt

Bundesregierung plant Reform
Mitversicherung des Ehepartners bei der Krankenkasse bald vorbei?




