Filmemacher und Autor

Alexander Kluge ist tot: Was Deutschlands Kulturbetrieb diesem Mann verdankt

Veröffentlicht:

von dpa

Alexander Kluge starb mit 94 Jahren in München. (Archivbild)

Bild: Fabian Sommer/dpa


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Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge ist gestorben. Deutschland verliert damit einen Tausendsassa des Kulturbetriebs – und großen Erzähler.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Regisseur, Autor und Jurist Alexander Kluge ist verstorben.

  • Kluge prägte die deutsche Kulturlandschaft, er galt als einer der einflussreichsten Vertreter:innen des Neuen Deutschen Films.

  • Als Mitglied der "Gruppe 47" war er auch für die Literatur der Nachkriegszeit höchstrelevant, außerdem erhielt er den Grimme-Preis, den Büchner-Preis sowie den Heinrich-Heine-Preis.

Als feinsinniger Erzähler hat Alexander Kluge die deutsche Kulturlandschaft geprägt - in Wort und im bewegten Bild. Mit Filmen, Büchern und TV-Formaten lieferte der Regisseur, Autor und Jurist jahrzehntelang Denkanstöße. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren in München gestorben, wie der Suhrkamp-Verlag unter Berufung auf seine Familie mitteilte.

Bis ins hohe Alter war Kluge schriftstellerisch und filmisch aktiv. So erschien etwa im Jahr 2024 die zusammen mit Anselm Kiefer verfasste Schrift "Klugheit ist die Kunst, unter verschiedenen Umständen getreu zu bleiben".

Kluge galt als einer der vielseitigsten Intellektuellen in Deutschland, war Filmemacher, Schriftsteller, Philosoph und Jurist. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde er als einer der einflussreichsten Vertreter:innen des Neuen Deutschen Films bekannt.

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Mit der "Gruppe 47" prägte er die Literatur der Nachkriegszeit

Als Autor gehörte er zum Kreis der "Gruppe 47", die den Literaturbetrieb in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit prägte, und machte sich vor allem mit Kurzgeschichten einen Namen.

In einem Interview anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahr 2022 blickte Kluge auf seine Kindheit zurück: Als 13-Jähriger war er bei einem Bombenangriff in seiner Geburtsstadt Halberstadt verschüttet worden. Nach einer Weile habe er einen Ausgang zum Nachbarhaus gefunden, und von da aus ging es zum nächsten und zum übernächsten Haus, bis sich schließlich ein Weg nach draußen fand, erzählte er.

"Es gibt immer einen Ausweg", habe er daraus gelernt. "Um ihn zu finden, muss man locker lassen, oder man muss dafür sorgen, dass der Notausgang zu einem kommt. Man muss ihn zulassen."

Grimme-Preis, Büchner-Preis, Heinrich-Heine-Preis

Kluge studierte Jura, Geschichte und Kirchenmusik. Er promovierte und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. 1958 volontierte er bei dem weltberühmten Regisseur Fritz Lang ("Metropolis") und fing bald darauf an, selbst Regie zu führen. 1962 war er einer der Filmemacher, die mit dem "Oberhausener Manifest" ein Kino der Autoren forderten. Kluge inszenierte Filme wie "Abschied von gestern", "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" und "In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod".

1987 war Kluge Mitbegründer der Produktionsfirma dctp, die private Fernsehsender wie SAT.1 oder RTL mit wissenschaftlichen und kulturellen Beiträgen versorgt. Das Magazin "Spiegel TV" stammt beispielsweise aus seinem Haus.

Für seine Bücher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Heinrich-Heine-Preis sowie den Klopstock-Preis.

Mit dem fast gleichaltrigen Maler Gerhard Richter verbanden Kluge neben einem gemeinsamen Urlaubsziel in der Schweiz auch zwei Bücher. Er steuerte zu Richters Fotos die Texte bei. "Was er kann, kann ich nicht, wir ergänzen uns", sagte er. Dabei sei der Maler gelegentlich recht radikal mit seinen Texten umgegangen, berichtet Kluge. "Er zerschnitt manchmal aus ästhetischen Gründen meine Texte." Umgekehrt wäre das wohl eher nicht anzuraten: "Seine Werke sind generell etwas teurer."

Auch im vorgerückten Alter war Alexander Kluges Begeisterung für Ideen und Herausforderungen, Projekte und Kooperationen ungebremst, sein Tatendrang so imposant wie erstaunlich. "Ich arbeite viel mit jungen Menschen zusammen." Beim Arbeiten spielten Befindlichkeiten und Alter keine Rolle. Behilflich sei beim kreativen Prozess, die "Ich-Schranke" zu senken, sagte Kluge.

"Alles, was einen von der eigentlichen Arbeit ablenkt, muss außen vor bleiben: der eigene Anspruch, die Erwartungshaltung und - natürlich auch - die Eitelkeit. Nur so kann es aus dem Bleistift fließen."

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