Rechter gegen Iran-Krieg
Bei Lanz: AfD-Chef Chrupalla "maßlos enttäuscht" von Trump
Aktualisiert:
von Natascha Wittmann:newstime
Chrupalla über Trump: "Bin maßlos enttäuscht"
Videoclip • 01:02 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" rechnete AfD-Chef Tino Chrupalla überraschend deutlich mit US-Präsident Donald Trump ab. Mit Blick auf den Krieg gegen den Iran bringt er seine große Enttäuschung zum Ausdruck.
Das Wichtigste in Kürze
AfD-Chef Tino Chrupalla war am Mittwochabend zu Gast bei Markus Lanz.
Beim Thema Iran-Krieg zeigt sich die Spaltung der Rechtspartei.
Chrupalla zeigt sich "maßlos enttäuscht" über das Vorgehen von US-Präsident Trump.
Innerhalb der AfD sorgen nicht nur Debatten über mögliche Korruption und Vetternwirtschaft für Spannungen, sondern auch die gespaltene Meinung zum Thema Außenpolitik gerät mehr und mehr in den Fokus. Ausgerechnet der Krieg gegen den Iran legt offen, wie unterschiedlich die Töne innerhalb der Partei sind. Bei "Markus Lanz" bohrte der ZDF-Moderator deshalb bei AfD-Chef Tino Chrupalla nach.
Lanz fragte direkt: "Der Angriff, die Tötung Chameneis, wo stehen Sie da?" Chrupalla erklärte, es sei generell "schwierig (…), wenn man ein Staatsoberhaupt - egal, ob man ihn gut oder schlecht findet - (...) auf diese Art und Weise tötet". Für ihn handle es sich daher um einen "völkerrechtswidrigen Krieg" ohne erkennbaren Ausweg, so Chrupalla. Seine Frage dazu: "Will man einen Regime-Change erzeugen? Das sehe ich einfach nicht." Als Lanz wissen wollte, was aus AfD-Sicht die Alternative gewesen wäre, verwies Chrupalla auf die iranische Bevölkerung, da "diese Umbildung von Regierungen (...) vom iranischen Volk selbst kommen" müsse.
Grund genug für Lanz, noch genauer nachzufragen: "Sind das Kriegsverbrechen, die die Israelis (...) und die die Amerikaner begehen?" Statt auszuweichen, antwortete Tino Chrupalla konkret: "Wenn man eine Mädchenschule trifft, ist das ein Kriegsverbrechen - ganz klar." Doch wie geschlossen steht die AfD hinter solchen Aussagen? Lanz hakte nach, doch Chrupalla wich aus: "Ob das alle in unserer Partei so sehen, das kann ich nicht beurteilen und bewerten." Für den ZDF-Moderator ein Widerspruch: "Man muss doch eine Position haben, eine geeinte Position!" Chrupalla schoss zurück: "Wir als Bundestagsfraktion haben diese Position." Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass es in der Partei eben auch "mehrheitliche Meinungen in vielen Punkten und Positionen" gebe.
Chrupalla: "70 Prozent der Amerikaner wollen keine weiteren Kriege"
Journalist Frederik Schindler erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass die AfD früher anders argumentiert habe - "auch zum iranischen Regime, auch zu Israel. Da war lange eigentlich eher klar, dass man an der Seite Israels steht". Außerdem sei die rechte Partei lange "islamkritisch" gewesen: "Das war sozusagen ein Feindbild. (...) In den vergangenen Jahren hat sich das ein bisschen geändert." Chrupalla betonte trotzdem: "Ich stehe ja auch an der Seite des israelischen Volkes, da gibt es überhaupt keine Diskussionen." Gleichzeitig müsse man als "Freund Israels" auch "eine Regierung - die Regierung Netanjahu - kritisieren" dürfen.
Auch US-Präsident Donald Trump müsse sich die Kritik gefallen lassen. Chrupalla erläuterte: "70 Prozent der Amerikaner wollen (...) keine weiteren Kriege. (...) Und das muss er im Endeffekt seinen Wählern erklären." Das Fazit des AfD-Chefs? "Ich bin maßlos enttäuscht von Donald Trump, das sage ich ganz offen, was seine Wahlversprechen angeht und seine Ankündigungen."
AfD-Chef behauptet: "Das höchste Gut ist Glaubwürdigkeit"
Weniger konkret antwortete Chrupalla, als es um die AfD und die Vorwürfe rund um familiäre Beschäftigungen ging. Der Politiker beschwichtigte: "Das sind alles Arbeitsverträge und -verhältnisse, die rechtens sind. Kein einziges ist illegal!" Frederik Schindler reagierte verblüfft: "Das wissen wir ja noch gar nicht!" Er warnte, dass "bei einigen Fällen (...) Scheinbeschäftigungen im Raum" stünden: "Das wäre tatsächlich illegal!" Chrupalla konterte zwar, dass man dies erst mal "beweisen" müsse, gab aber zu, es habe "ein Geschmäckle", "wenn man Überkreuzbeschäftigungen hat, weil man natürlich dadurch zumindest den Eindruck erweckt, persönliche Vorteile zu haben".
Als Schindler weitere Enthüllungen ankündigte, blockte Chrupalla ab und machte klar: "Dreckige Wäsche wird zu Hause gewaschen. Wir machen das intern und das machen wir nicht über die 'Welt' oder über irgendwelche Medien!" Zum Schluss fragte Lanz dennoch: "Werden Sie das rückhaltlos, brutalstmöglich (...) aufklären?" Chrupalla antwortete: "Das höchste Gut (...) ist Glaubwürdigkeit. Und damit werden wir das natürlich machen, ja."
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