Trump unbeeindruckt
Neuer Kalter Krieg? Atomvertrag New Start zwischen Russland und USA läuft aus
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von Christopher Schmitt:newstime
Atomvertrag läuft aus: Wadephul warnt vor Wettrüsten
Videoclip • 01:04 Min • Ab 12
Putin fühlt sich nicht mehr verantwortlich, Trump zuckt nur mit den Schultern. Der New Start Vertrag läuft aus – und mit ihm das Zeitalter der Abrüstung?
Das Wichtigste in Kürze
Expert:innen warnen: Der Rüstungskontrollvertrag New Start zwischen den USA und Russland läuft am Donnerstag (5. Februar) aus.
Der Kreml beklagt offiziell das Ende des Vertrags, US-Präsident Trump hatte im Januar "einfach ein besseres Abkommen" angekündigt.
Auch Deutschlands Außenminister Johann Wadephul ist besorgt und drängt darauf, China mit einzubeziehen.
Droht der Welt ein neuer Kalter Krieg? Der Rüstungskontrollvertrag New Start, der letzte seiner Art zwischen den USA und Russland läuft am Donnerstag (5. Februar) aus. Dieses Abkommen, das 2010 von US-Präsident Barack Obama und dem damaligen Kremlchef Dmitri Medwedew unterzeichnet wurde, hatte die Zahl der strategischen Nuklearsprengköpfe auf 1.550 für jede Seite und die einsatzbereiten Abschussvorrichtungen auf 700 begrenzt.
Putin sieht keine Verpflichtung mehr – Trump zuckt mit den Schultern
Die russische Führung beklagt offiziell das Auslaufen des Vertrags. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte: "Da entsteht ein schwerwiegendes Defizit, das kaum den Interessen der Völker unserer beiden Länder und eigentlich der gesamten Welt entspricht." Moskau hatte noch in dieser Woche vorgeschlagen, die Grenzen von New Start für ein weiteres Jahr einzuhalten. Im September 2025 hatte Präsident Wladimir Putin den USA bereits angeboten, sich gegenseitig für ein Jahr zur Einhaltung der Vertragsbestimmungen zu verpflichten.
Nach Angaben des russischen Außenministeriums sieht sich Moskau nun nicht mehr an die Verpflichtungen des Vertrags gebunden und ist grundsätzlich frei in der Wahl seiner folgenden Schritte.
US-Präsident Donald Trump zeigte sich unbeeindruckt vom Ende des Abkommens und erklärte Anfang Januar der "New York Times": "Wir werden einfach ein besseres Abkommen machen." US-Sicherheitsexpert:innen sind jedoch deutlich besorgter. Die Denkfabrik CSIS warnt mit Blick auf das russische Atomprogramm und die Aufrüstung in China: "Wenn dies ein Wettrüsten ist, dann verlieren es die Vereinigten Staaten; und wenn es noch kein Wettrüsten ist, aber eins wird, dann starten die Vereinigten Staaten mit Rückstand."
Warum war New Start so bedeutend?
New Start war das letzte verbliebene Abkommen, das die atomaren Arsenale der beiden größten Atommächte begrenzte und baute auf einer Reihe früherer Verträge auf. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges besaßen die Supermächte rund 70.000 Nuklearsprengköpfe. Ab 1972 schränkten verschiedene Abkommen wie Salt-I, ABM, Salt-II, Start 1, Start 2, Sort und INF die Arsenale ein.
Die im Vertrag bis 2018 vorgesehene Reduzierung der Atomwaffen wurde erreicht. Ein wichtiger Vertrauensmechanismus war die gegenseitige Inspektion der Atomwaffenarsenale durch Expert:innen beider Länder. Diese Inspektionsreisen fielen jedoch ab 2020 aufgrund der Corona-Pandemie aus.
Atomwaffen weltweit: Wie ist die Sicherheitslage?
Die weltweite Lage ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten unübersichtlicher geworden. Zu den anerkannten Atommächten zählen die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien. Zudem verfügen Indien, Pakistan, Nordkorea und inoffiziell Israel über Atomwaffen.
Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri zählte in seinem Bericht für 2025 mehr als 9.600 einsatzfähige Atomsprengköpfe weltweit. Mehr als vier Fünftel davon gehören zu den Arsenalen Russlands und der USA. Bei China registrierten die Forscher einen Anstieg auf 600 Sprengköpfe.
Die Situation wird zusätzlich durch neue Waffensysteme verkompliziert, die in kein bisheriges Vertragsschema passen. So hat Russland beispielsweise den atomgetriebenen Marschflugkörper Burewestnik und die Unterwasserdrohne Poseidon mit Atomantrieb entwickelt.
Auch in den News:
Sipri-Direktor: "Neue Phase erhöhter nuklearer Gefahren"
Expert:innen befürchten ein neues nukleares Wettrüsten. Der damalige Sipri-Direktor Dan Smith warnte 2025: "Es gibt Anzeichen dafür, dass sich ein neues Wettrüsten anbahnt, das mit viel mehr Risiken und Unsicherheiten verbunden ist als das letzte." Sein Nachfolger Karim Haggag erklärte zum Vertragsende: "Das Auslaufen des New-Start-Vertrags läutet eine neue Phase erhöhter nuklearer Gefahren ein."
Die USA haben mehrfach gefordert, China in künftige Abrüstungsverträge einzubeziehen. Peking lehnt dies jedoch ab 1 Auch Russland hält dies für unnötig, da das chinesische Atomwaffenpotenzial nicht mit dem Russlands und der USA zu vergleichen sei 1. Moskau fordert hingegen, das Nuklearpotenzial von Frankreich und Großbritannien bei einem neuen Vertrag einzubeziehen.
Das US-Institut CSIS empfiehlt, dass Trump Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping mit der Aussicht auf einen Dreiergipfel zu Vereinbarungen über nukleare Rüstungskontrolle bewegen sollte.
Auswirkungen auf Deutschland und Europa
Die Sicherheitslage in Europa hat sich durch den Ukraine-Krieg und die russischen Großmachtambitionen deutlich verschlechtert. In der zweiten Amtszeit von Donald Trump wachsen zudem die Zweifel an der Zuverlässigkeit des US-Atomschirms für die europäischen NATO-Verbündeten.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul äußerte am Donnerstag in Canberra seine Besorgnis: "Jede Rüstungskontrollvereinbarung, die ausläuft, muss unsere Besorgnis erregen.". Er forderte, wieder Vertrauen in der internationalen Politik als Grundlage für Rüstungskontrolle zu schaffen und betonte dabei auch die Notwendigkeit, China einzubeziehen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen
Nachrichtenagentur dpa
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