Russland und der Ukraine-Krieg

Alexandra Prokopenko über Paranoia im Kreml: Russische Elite lebt in Angst und Misstrauen

Aktualisiert:

von Nadine von Parseval

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Putin offenbar zu kurzer Waffenruhe bereit

Videoclip • 01:32 Min • Ab 12


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Die frühere Zentralbank-Beraterin Alexandra Prokopenko beschreibt ein Klima aus Angst und Misstrauen in Russlands Machtzirkeln. Seit dem Ukraine-Krieg habe sich der Blick auf Kremlchef Wladimir Putin stark verändert. Selbst bei Meetings fürchten viele inzwischen Überwachung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die frühere Zentralbank-Beraterin Alexandra Prokopenko berichtet von wachsender Angst in Russlands Elite.

  • Viele Funktionär:innen und Geschäftsleute fürchten laut ihr Überwachung und Repressionen.

  • Der Ukraine-Krieg habe das Verhältnis zahlreicher Eliten zu Wladimir Putin verändert.

Russlands politische Elite wird nach Einschätzung der früheren Zentralbank-Beraterin Alexandra Prokopenko zunehmend von Angst und Misstrauen geprägt. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs herrsche in Machtkreisen eine Stimmung, die sie als "paranoid" beschreibt.

"Das Ausmaß der Paranoia ist so groß, dass die Menschen sogar Angst haben zu denken - geschweige denn zu sprechen", sagte Prokopenko in einem Interview in Paris. Die Angst habe inzwischen "absolut paranoide, stalinistische Ausmaße erreicht".

Krieg veränderte den Blick auf Putin

Nach Angaben der 40-Jährigen hätten viele Vertreter:innen der russischen Elite zunächst nicht geglaubt, dass Präsident Wladimir Putin tatsächlich einen Angriff auf die Ukraine anordnen würde. Mit Kriegsbeginn habe sich das Bild des Präsidenten jedoch deutlich gewandelt.

Während Putin früher als unangefochtener "Boss" gegolten habe, werde er inzwischen vielfach nur noch als "alter Mann" gesehen, erklärte Prokopenko. Anfangs habe es noch Versuche gegeben, den Präsidenten von dem Krieg abzubringen. Später sei die Elite jedoch aus Angst um Freiheit und Vermögen zu "Schleimern und Lakaien" geworden.

Gleichzeitig wachse innerhalb der russischen Führungsschicht der Frust über den Westen. Das könne eine spätere Annäherung erschweren. "Die Chancen für einen demokratischen, liberalen Wandel sind nicht sehr hoch", warnte Prokopenko.

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Handys bleiben bei sensiblen Treffen außen vor

Wie groß das Misstrauen inzwischen sei, zeige sich laut Prokopenko auch im Alltag russischer Funktionär:innen und Geschäftsleute. Vor sensiblen Besprechungen würden häufig Handys und Smartwatches abgelegt, aus Sorge vor Überwachung.

Auch in den News:

In ihrem neuen Buch berichtet sie zudem von einem stellvertretenden Minister, der sich 2022 bei einem Treffen sogar auf sein Handy gesetzt habe. Für das Werk mit dem englischen Titel "From Sovereigns to Servants" führte Prokopenko zahlreiche Gespräche mit Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft.

Die ehemalige Journalistin arbeitete vor dem Ukraine-Krieg als Beraterin des Vizechefs der russischen Zentralbank und berichtete zuvor unter anderem aus dem Kreml. 2022 verließ sie Russland und lebt heute in Deutschland. 2025 wurde sie von Moskau als "ausländische Agentin" eingestuft.


Verwendete Quellen:

Focus Online: "„Paranoia” in Russen-Elite wegen „altem Mann” Putin"

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