Schlepperverband unterwegs
Wal Timmy vor Dänemarks Küste – dort werden die Tiere aus Prinzip nicht gerettet
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
Wal schippert weiter Richtung Freiheit
Videoclip • 22 Sek • Ab 12
Die Reise von Buckelwal Timmy in Richtung Nordsee geht weiter. Mittlerweile fährt der Schlepperverband vor der dänischen Küste. In Dänemark hätte man Timmy sterben lassen.
Das Wichtigste in Kürze
Der wochenlang in der Ostsee gestrandete Buckelwal Timmy ist samt Schlepperverband auf dem Weg in die Nordsee und befindet sich vor Dänemarks Küste.
Die Rettungsaktion birgt aber weiter Risiken für das Tier; Expert:innen glauben, es könne "in tieferem Wasser kaum überleben".
Timmy hat einen GPS-Sender erhalten, damit ihn Umweltministerium und Initiator:innen nach der Auswilderung verfolgen können.
Buckelwal Timmy ist weiter auf dem Weg in Richtung Nordsee: Der Schlepperverband samt Transportschiff fuhr am frühen Donnerstagmorgen (30. April) vor der dänischen Küste in Richtung der Westküste Schwedens. Informationen des Schiffs-Ortungsdiensts Vesselfinder zufolge befand sich das Schiff gegen 4:45 Uhr etwa 3 Seemeilen (rund 5,5 Kilometer) südwestlich der dänischen Insel Sejero.
Die für die Bergung verantwortliche private Initiative plant, das Tier in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herumzuführen. Die Route führt durch das Skagerrak in die Nordsee, wo Timmy schließlich ausgesetzt werden soll.
In Dänemark werden gestrandete Meeressäugetiere aus Prinzip nicht gerettet. Dies teilte das dänische Umweltministerium gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Strandungen seien der Behörde zufolge "ein natürlich vorkommendes Phänomen" und Wale sollten generell "nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört" werden. Zum konkreten Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Wals nahm das Ministerium nicht Stellung.
Auf einem "Bett aus Sand" unterwegs
Angaben des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern vom Mittwoch (29. April) zufolge liegt das aus einer flachen Bucht vor Wismar geborgene Tier während seines Transports im gefluteten Lastschiff auf einem Bett aus Sand.
Einem Sprecher von Minister Till Backhaus (SPD) zufolge sei der Wal sein eigener Anker und nicht angebunden. Derzeit wird er mit einem Senderchip aus den USA ausgestattet, um ihn nach der geplanten Auswilderung orten zu können.
Nicht beteiligte Walfreund:innen können Timmy jedoch nicht nachverfolgen. Constanze von der Meden, die Rechtsanwältin der privaten Rettungsinitiative, sagte bei einer Pressekonferenz, dass die Daten nur den Initiator:innen sowie dem Schweriner Umweltministerium zur Verfügung gestellt würden. "Wir wollen keinen Waltourismus generieren", so von der Meden. So solle vermieden werden, dass Menschen losführen und nach dem Wal schauten.
Experten: "Gut gemeint", aber ...
Expert:innen der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen vor einem Trugschluss. "Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben", erklärte das zuständige Expertengremium für Strandungen. "Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Maßnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen."
Neues Schleppfahrzeug für Timmy
Auf seiner Reise Richtung Nordsee wird der Lastkahn mit dem gestrandeten Buckelwal an Bord von einem anderen Schiff weitergezogen. Die "Fortuna B" hat am Mittwochmorgen vor 7 Uhr als Schleppfahrzeug übernommen, wie ein Mitglied der privaten Initiative, das an Bord ist, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte.
Am Dienstagabend (28. April) hatte zunächst der Schlepper "Robin Hood" die Barge – also eine Art schwimmendes Becken – mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel übernommen. Anschließend fuhr er samt dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee. Begleitet wurde er von dem Mehrzweckschiff "Fortuna B", das nun die Schleppaufgabe übernimmt.
Nach Plänen einer privaten Rettungsinitiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann freigelassen werden.
Am Dienstagabend übernahm der Schlepper "Robin Hood" die Barge mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel. Anschließend fuhr er samt dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee.
Rettungsaktion in entscheidender Phase
Mit der Verlegung des Wals in die Barge ging die Rettungsaktion am Dienstag (28. April) in die entscheidende Phase. Mehrere Stunden lang hatten Helfer:innen das Tier in eine eigens gebaggerte Rinne bugsiert. Mitglieder des Teams zogen den Wal mit Gurten zu der Barge.
Um 14:45 Uhr war das Tier schließlich in dem abgesenkten Kahn. Anschließend wurde ein Netz aufgespannt, um zu verhindern, dass der Wal wieder herausschwimmt. Kleinere Boote schoben die Barge dann hinaus aus der Kirchsee in die Wismarbucht, wo sie vom Schlepper "Robin Hood" auf den Haken genommen wurde.
Auch in den News:
Helfer:innen zogen Wal stundenlang zum Lastkahn
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus zeigte sich nach der geglückten Aktion erleichtert. "Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen", sagte er im Hafen von Kirchdorf. "Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Metern mitzuhelfen." Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint.
Nach der Aktion fielen sich die Helfer:innen der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine Träne der Erleichterung nach bangen Wochen voller Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. "Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben", sagte eine Schaulustige vor Ort.
Erste Sichtung des Wals schon Anfang März
Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden erstmals Anfang März in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Zwar gelang es dem Tier, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.
Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest. So kam es zu der nun laufenden Rettungsvariante.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Sommertipps in Bayern
Freibad-Saison startet: Das sind die schönsten Spots in Bayern

Quote sinkt um 0,1 Punkte
Arbeitslosigkeit in Bayern: Wie ist die Lage im April?

Rehkitz-Fund in der Oberpfalz
Rehkitz stirbt nach Rettungsversuch: Was beim Jungtier-Fund zu beachten ist

Schlechte Zahlen
VW startet schwach ins Jahr: Gewinn bricht dramatisch ein

Militärische Schwächung
Flugzeugträger USS Gerald R. Ford zieht laut Bericht aus Nahost ab

30 Produkte
Olivenöl im Test: Viele "nativ extra"-Produkte sind schlecht




