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Nicht nur Timmy: Zahlreiche Ostsee-Wale "akut bedroht" – Experten schlagen Alarm

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

So stark ist der deutsche Wald gefährdet (25. April)

Videoclip • 01:36 Min • Ab 12


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In den vergangenen Wochen bangte gefühlt eine ganze Nation um den gestrandeten Buckelwal vor Poel. Doch er ist nicht der einzige Ostsee-Wal in Not: Viele vor den Küsten Deutschlands heimische Wale sind extrem bedroht. Expert:innen hoffen nun, dass die Aufmerksamkeit für Timmy auch diesen Arten zugutekommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Expert:innen plädieren, dass die Aufmerksamkeit um den Buckelwal vor Poel auch für den Schutz und die Aufklärung anderer Meerestiere genutzt werden müsse.

  • Eine in der Ostsee heimische Schweinswalpopulation sei besonders bedroht, hier müsse dringend gehandelt werden.

  • Im Meer schwimmende Fischernetze stellen eine besondere Gefahr dar, die auch Wal Timmy in Teilen zum Verhängnis wurde.

"Wir können im Moment auch den Finger in die Wunde legen und sagen, es gibt hier ein ganz, ganz massives, großes Problem", so der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bezüglich der Aufregung um Wal Timmy.

Die Aufmerksamkeit für den gestrandeten Buckelwal müsse dringend für mehr Schutz der Meere und Wale genutzt werden, betont Ritter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

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Ursachen- statt Symptombekämpfung

"Wir reden hier über Symptombekämpfung an einem einzelnen Tier und ich würde mir wünschen, dass wir über Ursachenbekämpfung sprechen", betont der Walforscher. Dennoch sei es gut, dass sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) so stark beim Thema Buckelwal engagiere.

Allerdings dürfe es nach Ritter nicht mehr nur um Timmy gehen. "Die Diskussion geht ja um das Leid dieses einzelnen Tieres. Gleichzeitig muss uns das Leid von vielen anderen Walen auch nahegehen." Dabei weist er auf die in der Ostsee heimischen Schweinswale hin, die sich regelmäßig in Stellnetzen verfangen. "Die können heute in Schutzgebieten ohne Weiteres gestellt werden. Da gibt es kaum Einschränkungen. Und der zuständige Minister dafür ist Herr Backhaus."

Heimische Schweinswale akut vom Aussterben bedroht

Fabian Ritter sagt, der Hype und die Emotionalität um das Einzelschicksal Timmy seien psychologisch erklärbar. "Die weltweit mehreren Hunderttausend jährlich durch die Fischerei sterbenden Wale und Delfine, die sehen wir nicht. Aber das können und müssen wir ändern."

Der Direktor der Stiftung Deutsches Meeresmuseum, Burkard Baschek, betont etwa die Bedrohung der heimischen Schweinswal-Populationen in Nord- und Ostsee. So zählte der Bestand in der zentralen Ostsee nur noch 500 Tiere. "Die sind wirklich akut vom Aussterben bedroht", erklärt er beim Rundgang mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier durch das Ozeaneum.

Die Gründe für das Aussterben seien unter anderem die Fischerei, aber auch Lärm im Meer. Die Population sterbe möglicherweise "sehenden Auges" bei uns aus. "Wenn wir nicht ganz massiv aufpassen. Also 500 Tiere ist eine ganz kritische Zahl. Wenn es weiter runtersinkt, dann sind die eventuell nicht mehr zu retten", so Baschek.

Hoffnung für bedrohte Schweinswale?

Doch bei dem Drama um Buckelwal Timmy hat Baschek auch Hoffnung, "dass wir vielleicht die Aufmerksamkeit ein Stück weit nutzen können, um Leute mit dem ganzen Herzblut, was dabei ist, auch für die Situation der Schweinswale zu mobilisieren. Weil die brauchen es wirklich akut."

Andreas Tanschus, ebenfalls Direktor der Stiftung Deutsches Meeresmuseum, hat bereits eine Lösung für die Rettung der bedrohten Walart: "Unsere Möglichkeiten sind Schutz vor Lärm, Schutz vor der Fischerei, also Stellnetzfischerei." Auch die Reduktion des Nährstoffeintrags in die Ostsee würde helfen.

Beifang in der Fischerei könne nicht ausgeschlossen werden

Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns verweist auf bereits bestehende Regelungen für die Fischerei. So gebe es Einschränkungen für das Aufstellen von Stellnetzen. Dafür sei beispielsweise in bestimmten Schutzgebieten von Anfang November bis Ende Januar ein Verbot ausgesprochen worden. Zudem dürften laut Walschutzverordnung in einem bestimmten Bereich der Ostsee Fischereifahrzeuge mit einer Länge ab zwölf Metern solche Stellnetze nur mit akustischen Abschreckvorrichtungen ausbringen.

Dem Ministerium zufolge sei 2025 in der Fischereiverwaltung ein einziger toter Schweinswal seitens der Fischereibetriebe gemeldet worden. "Beifang kann in der Fischerei nicht gänzlich ausgeschlossen werden", schrieb ein Ministeriumssprecher.

Das Totfund-Monitoring des Deutschen Meeresmuseums liefert andere Zahlen. Pro Jahr soll es in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt 60 tote Schweinswale zwischen 2016 und 2024 gegeben haben. 2024 seien es 34 Tiere gewesen. Von den zwischen 2020 und 2024 verstorbenen Schweinswalen, bei denen das Meeresmuseum eine Todesursache habe bestimmen können, sei bei rund 50 Prozent Verdacht auf Beifang.


Vor allem Geisternetze tückisch

Vorerst galt die Vermutung, bei den gefundenen Netzresten im Maul des bekanntgewordenen Buckelwals Timmy handle es sich um ein Stellnetz. Auf seinem Weg in die Freiheit war der aktuell festsitzende Wal wiederholt in Netze geraten. Laut Wasserschutzpolizei hatte sich das Tier etwa Mitte März vor der Küste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg in einem Fischernetz verfangen. Dieses wurde durchtrennt, anschließend schwamm der Wal wieder seewärts. Um welche Art von Netz es sich bei dem Vorfall tatsächlich handelte, ist allerdings noch immer unklar.

Till Backhaus erklärt nun, die Netzteile seien analysiert worden. "Wir können garantieren, dass das Netz, was er mitgeschleppt hat, nicht aus unseren Gefilden kommt." Derartige Netze würden in Mecklenburg-Vorpommern nicht eingesetzt. "Dieses Netz kommt nicht aus Mecklenburg-Vorpommern, ausdrücklich."

Angaben der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC zufolge seien sogenannte Geisternetze besonders tückisch. Dabei handelt es sich um verlorene oder absichtlich im Meer zurückgelassene Fanggeräte. Diese töteten oft über Jahre hinweg zahlreiche Meeresbewohner.



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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