Was bisher bekannt ist

Schock-Tat in Stade: Sorgerechtsstreit kostete sechs Menschen das Leben

Aktualisiert:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

Mindestens 6 Tote bei Bluttat in Stade

Videoclip • 02:39 Min • Ab 12


Nachdem in einer Jugendeinrichtung in Stade Schüsse fallen, sterben mindestens sechs Menschen. Die Behörden teilen am Montagabend erste schockierende Erkenntnisse mit.

Bei Schüssen in der Innenstadt von Stade westlich von Hamburg sind vier Frauen und ein Mann gestorben, ein sechstes Opfer erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Weitere Personen sind verletzt, darunter einige schwer. Polizei-Angaben zufolge sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Todesopfer noch steige.
Die Tat ereignete sich gegen 12:10 Uhr in einer Jugendeinrichtung, in der auch Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht sind.

Sorgerechtsstreit führt zu tödlicher Attacke in Stade

Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest, wie ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presseagentur (dpa) bestätigte, darunter auch den mutmaßlichen Schützen. Wie die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol schließlich auf einer Pressekonferenz am Abend sagte, war der Hintergrund der Tat vermutlich ein Sorgerechtsstreit.

Beim Verdächtigen handelt es sich demnach um einen in Deutschland geborenen, 45-jährigen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover.

Der mutmaßliche Täter hatte den Angaben nach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter - zusammen mit vielen seiner Opfer. Das Kind und die Mutter sind allerdings nicht unter den insgesamt sechs Toten.

Gegen den Mann lägen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich der Bedrohung, führte Schuol am Abend aus. Sie betonte aber, er habe bislang nicht als "absolut gewalttätig" im polizeilichen System gegolten. Die Polizei hatte den mutmaßlichen Schützen bereits am Nachmittag festgenommen.

Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl für den Mann erlassen. Es sei noch offen, ob und wann dieser am Dienstag beantragt werde. Das hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab.

Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. Über eine Website können Zeuginnen und Zeugen Hinweise sowie Fotos oder Videos direkt an die Ermittler:innen übermitteln, wie die Polizei mitteilte. "Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein."

Auch in den News:

Das ist bekannt:

  • Tote: Sechs Erwachsene sind laut Polizei gestorben.

  • Verletzte: Mehrere Menschen wurden verletzt, zum Teil schwer.

  • Täter: Ein 45-jähriger Mann mit türkischen Wurzeln wurde festgenommen.

  • Motiv: Die Ermitter:innen gehen von einem Sorgerechtsstreit als Hintergrund der Bluttat aus.

  • Tatort: Die Schüsse fielen einer Polizei-Sprecherin zufolge in einer Jugendeinrichtung in Stade, einer Stadt in Niedersachsen westlich von Hamburg.

Insgesamt sind nach der Gewalttat sechs Erwachsene tot. Vier der Toten fanden die Einsatzkräfte in der Einrichtung, eine weitere Person sei vor dem Haus reanimiert worden – ohne Erfolg. Eine sechste Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Unter den Opfern sind laut Schuol vier Frauen und zwei Männer. Weitere Menschen sind verletzt, zum Teil schwer.

Die Tatwaffe sei von der Polizei sichergestellt worden, erklärte Schuol. Unklar ist noch, wie der mutmaßliche Täter an die Waffe gekommen ist. Er habe jedenfalls keine waffenrechtliche Erlaubnis zum Führen der Waffe gehabt, so die Polizeipräsidentin.

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Kita und Grundschule neben dem Tatort

"Ich hab’ Schüsse gehört", so der Zeuge Vitali Martens gegenüber dem "Stader Tageblatt". Er sei gerade vom Einkaufen gekommen, als er überall Polizisten gesehen habe. Durch sein geöffnetes Fenster habe er den Polizeifunk aufgeschnappt, Fetzen gehört wie "Brustschuss" und "Kopfschuss". Dann habe er beobachtet, wie Einsatzkräfte eine Person auf einer Trage aus dem Haus gehoben hätten – und versucht hätten, sie zu reanimieren.

Außer der Jugendhilfeeinrichtung befinden sich um den Tatort eine Kindertagesstätte sowie eine Grundschule. Dort seien die Schüsse ebenfalls zu hören gewesen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Man habe umgehend den Kontakt zu den Einrichtungen gesucht. Die Kinder der Kita seien zum Tatzeitpunkt im Gebäude gewesen. Eltern konnten ihre Schulkinder inzwischen abholen.

"Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht, und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage", so Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung. Gleichzeitig betonte er seine Anteilnahme und sein "tiefes Mitgefühl" den Opfern und Hinterbliebenen.

Polizei warnt vor Fake-News zum Vorfall

In Chatgruppen und sozialen Netzwerken würden unbestätigte Informationen zu der Einsatzlage verbreitet, so die Polizei in ihrem WhatsApp-Kanal. Sie warnt: "Die kursierenden Darstellungen entsprechen nicht dem derzeit polizeilich bestätigten Sachstand." Ungeprüfte Meldungen, Sprachnachrichten oder Gerüchte sollten nicht weiterverbreitet werden. "Dies kann zu Verunsicherung führen und polizeiliche Maßnahmen erschweren."

Stade zählt 48.700 Einwohner:innen und gehört zur Metropolregion Hamburg. In der sonst so ruhigen Wohngegend sind Polizei und Rettungskräfte weiterhin mit einem Großaufgebot im Einsatz.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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