Risiko auf See

Russischer Senator will Öltanker der Schattenflotte verminen

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Russisches Kriegsschiff vor Fehmarn (12. Mai)

Videoclip • 01:19 Min • Ab 12


Nach dem Stopp des Tankers "Smyrtos" fordert ein russischer Politiker Sprengsätze auf Schiffen der Schattenflotte. Der Vorstoß schürt neue Sorgen vor Umwelt- und Sicherheitsrisiken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der russische Senator Dmitri Rogosin soll laut Medienberichten vorgeschlagen haben, Tanker der russischen Schattenflotte mit Sprengsätzen auszurüsten.

  • Auslöser war das Festsetzen des Tankers "Smyrtos" durch Großbritannien im Ärmelkanal. Auch russische militärnahe Kanäle sprechen von einem gefährlichen Präzedenzfall.

  • Die US-Küstenwache warnt laut "Wall Street Journal" zusätzlich vor alten Schiffen, mangelnder Wartung und Cyberrisiken, die Ölkatastrophen oder Explosionen begünstigen könnten.

Nach dem Festsetzen des Tankers "Smyrtos" durch Großbritannien hat ein russischer Spitzenpolitiker mit drastischen Forderungen für Aufsehen gesorgt. Der russische Senator und frühere Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin soll vorgeschlagen haben, Tanker der sogenannten Schattenflotte mit Sprengstoff auszustatten. Darüber berichten "t-online" unter Berufung auf die ukrainische Nachrichtenagentur "UNN" sowie russische Medien.

Rogosin reagierte damit auf das Abfangen des Schiffs im Ärmelkanal. Laut "UNN" sagte er sinngemäß, wenn es "ein paar Mal direkt vor ihrer Nase knallt" und dadurch Ölverschmutzungen mit entsprechenden Umweltfolgen entstehen, würden die Gegner "sofort zur Vernunft kommen". Sprengsätze sollten nach seiner Vorstellung "nach Erhalt des entsprechenden Befehls" gezündet werden, etwa wenn ein Schiff in einen ausländischen Hafen gezwungen werde oder von seiner Route abweiche. Eine unabhängige Bestätigung, dass solche Pläne tatsächlich umgesetzt werden, gibt es bislang nicht.


Festsetzung der "Smyrtos" verschärft Ton

Das britische Militär hatte einen Öltanker der russischen Schattenflotte gestoppt, der den Ärmelkanal passieren wollte. Dabei soll es sich um die knapp 244 Meter lange "Smyrtos" handeln, die laut Marine Traffic unter der Flagge Kameruns fährt und aus einem russischen Hafen kam.

Auch aus dem russischen Umfeld kamen danach scharfe Reaktionen. Der dem russischen Verteidigungsministerium nahestehende Telegramkanal Rybar sprach von einem "Präzedenzfall", der zeige, dass die Bedingungen für die Schattenflotte immer schwieriger würden. Weil es unmöglich sei, alle Schiffe militärisch zu eskortieren, schlugen die Autor:innen unbemannte Boote und private Sicherheitskräfte zum Schutz vor weiteren Stopps vor.

Auch in den News:

USA warnen vor alten Schiffen und Cyberrisiken

Zusätzlich wächst die Sorge vor technischen und digitalen Schwachstellen der Schattenflotte. Das "Wall Street Journal" berichtete laut "t-online", dass der US-Küstenwache Hinweise vorliegen, wonach solche Schiffe für Ölkatastrophen oder Explosionen missbraucht werden könnten. Hintergrund seien schlechte Wartung, veraltete Technik und Cyberlücken an Bord.

Konteradmiral Jason Tama, Leiter des Cyberkommandos der US-Küstenwache, sagte demnach, man habe schon lange gewusst, dass die Schattenflotte erhebliche Risiken darstelle, weil alte Schiffe eingesetzt und schlecht instand gehalten würden. Neu sei die Erkenntnis, welche Cyberrisiken an Bord lauerten. Eigentümer könnten demnach per Internetzugang Daten löschen und Kontrollsysteme manipulieren.

Seit dem Angriff auf die Ukraine ist die Schattenflotte zu einem zentralen Werkzeug für russische Ölexporte auf See geworden. Nach Angaben des britischen Thinktanks RUSI umfasste sie 2025 rund 1.300 Schiffe. Gerade deshalb sorgen Rogosins Aussagen für zusätzliche Unruhe: Sollte ein Tanker absichtlich beschädigt oder gesprengt werden, wären die Folgen für Umwelt, Schifffahrt und Sicherheit in Europa potenziell enorm.


Verwendete Quellen:

t-online: "Russischer Senator will Tanker explodieren lassen"

UNN: "Russia proposes mining "shadow fleet" tankers"

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