Satellit ermittelt Ausmaß

Störung von GPS-Signalen: Russland beeinflusst Leistung von Satelliten über Europa

Aktualisiert:

von Michael Reimers

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ESA warnt vor Crash-Gefahr: Tausende Satelliten werden ins All geschickt

Videoclip • 01:16 Min • Ab 12


Erstmals hat ein Forschungsteam vom Weltraum aus die Störungen von GPS-Signalen auf der Erde gemessen. Satelliten, die vor Raketenstarts und Atomexplosionen warnen sollen, hatten über Europa und dem Nahen Osten eine schlechte Signalstärke, nicht aber über Russland.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Testsatellit hat erstmals aus dem All gemessen, wie weit die Störung von GPS-Signalen über Europa reicht.

  • Die Daten stammen vom Satelliten "Pulsar-0" der Firma Xona Space Systems.

  • Über Nordamerika empfing der Testsatellit noch ein klares Signal, über Europa brach es ein.

Von Frankreich als westlichstem Land bis nach Pakistan im Osten reicht die Zone, in der Satelliten-Signale von GPS und vergleichbaren Systemen wie dem europäischen Galileo gestört werden. Das ergab eine Messung des Unternehmens Xona Space Systems, die erstmalig aus dem All heraus stattfand. Wie "T-Online.de" weiter meldet, stammen die Daten vom Satelliten "Pulsar-0", der die Erde in rund 500 Kilometern Höhe umkreist.

Während er über Nordamerika ein klares Signal empfing, brach es über Europa ein. Teilweise sank die Signalstärke von 40 auf bis zu zehn Dezibel-Hertz, der Maßeinheit für die Qualität eines Satellitensignals. Damit sei das Signal in den am stärksten betroffenen Gebieten zu schwach, um GPS verlässlich zu nutzen. "Wir dachten, wir würden etwas Störung sehen, aber es ist weitaus mehr, als wir erwartet haben", sagt Xona-Mitgründer Kazuma Gunning dem Onlinemedium "space.com".

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Bisher galt GPS-Empfang am Boden als anfällig

Wie sich zeigte, verlieren auch Satelliten in niedriger Umlaufbahn das Signal. Viele Satelliten benötigen selbst GPS, um ihre Position und die genaue Uhrzeit zu bestimmen, heißt es weiter. Fehle das Signal, könnten Aufnahmesatelliten ihr Ziel schlechter anpeilen. Betreiber großer Satelliten-Flotten wie Starlink nutzen GPS, um Zusammenstöße im Orbit zu vermeiden.

Bislang galt dem Bericht zufolge lediglich der GPS-Empfang am Boden als anfällig. So stört Russland das Signal entlang seiner Westgrenze nach eigenen Angaben, um sich gegen ukrainische Drohnen zu schützen. Davon sind jeden Monat Zehntausende Flüge über der Region betroffen. Auch Kriegsparteien im Nahen Osten setzen Störsignale ein, um Drohnen abzuwehren und Schiffe zu verbergen.


Störung der Signale nun auch aus dem Weltall heraus

Eine Störquelle im Weltraum ist nun durch eine weitere Untersuchung ermittelt worden. An der University of Texas führte ein Forschungsteam unter der Leitung von Todd Humphreys von den seit 2019 erfassten Aussetzern drei von 75 auf russische Frühwarnsatelliten zurück, konkret auf den Satelliten "Kosmos 2546". Die übrigen Fälle ordnet es laut "T-Online.de" derselben Ursache zu, könne das jedoch nicht sicher beweisen.

Betroffen seien GPS sowie das europäische Galileo und das chinesische BeiDou, nicht aber Russlands eigenes System. Die Satelliten sollen eigentlich vor Raketenstarts und Atomexplosionen warnen. Ob Russland die Aussetzer absichtlich verursacht, gilt dem Bericht zufolge als umstritten. Fachleute wie Richard Bowden von der spanischen Technologiefirma GMV halten es für denkbar, dass es sich nicht um gezielte Störversuche handelt, sondern um Servicenachrichten zwischen Satelliten und Bodenstationen.


Neue Stufe der elektronischen Kriegsführung?

Hingegen sehen die Forscher:innen um Humphreys in den Störungen sogar eine neue Stufe der elektronischen Kriegsführung. Ramsey Faragher vom Royal Institute of Navigation in London sagte, bislang stehen Störsender meist auf Schiffen, Fahrzeugen oder Flugzeugen und reichen nur begrenzt weit. Ein Störsender in der Umlaufbahn könne hingegen "jeden Tag gezielt einen ganzen Kontinent stören".

GPS und vergleichbare Systeme wie das europäische Galileo sind nicht nur für die Navigation im Auto wichtig. Auch Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr steuern damit ihre Einsätze. Strom- und Funknetze nutzen dem Bericht zufolge die Signale, um ihre Technik auf die Sekunde genau zu takten. Wie es weiter heißt, baut Zona mit seinem Pulsar-Netz selbst eine Alternative zu GPS auf, deren Signale aus niedrigerer Umlaufbahn stärker ankommen und schwerer zu stören sein sollen. Ein erster, eingeschränkter Dienst soll Anfang 2027 starten.


Verwendete Quellen:

t-online.de: "Gestörte Navigation: Russland stört Europas GPS – Satellit misst das Ausmaß"

space.com: "'It's quite a bit more than we expected': Satellite reveals immense scale of GPS signal tampering"

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