Zwei Monate nach Angriff
Sachsen: Tiger-Opfer aus Dölzig stirbt an Spätfolgen der Attacke
Veröffentlicht:
von Andrea Ege:newstime
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Videoclip • 01:39 Min • Ab 12
Wochenlang kämpfte der im Mai von dem Tiger "Sandokan" in Dölzig bei Leipzig angegriffene Tierpfleger mit dem Tod. Jetzt ist er seinen Verletzungen erlegen.
Das Wichtigste in Kürze
Neun Tiger lebten zuvor auf der Anlage in Sachsen.
Die Polizei erschoss das Tier kurz vor einer Kleingartenanlage.
Seit 2024 gab es Zwist mit den Behörden.
Vor rund zwei Monaten hatte ein Tigerangriff nahe Leipzig für Entsetzen gesorgt. Der knapp 300 Kilogramm schwere Tiger "Sandokan" hatte seinen Pfleger attackiert und schwer verletzt. Anschließend ist er aus der Anlage einer ehemaligen Zirkus-Artistin in einem Gewerbegebiet in Dölzig nahe der Autobahn 9 entkommen. Die Polizei erschoss das Tier. Rund zwei Monate lang kämpfte der 72-Jährige mit dem Tod. Nun ist er gestorben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
"Der Mann war so schwer verletzt, dass er die ganze Zeit nicht vernommen werden konnte", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Eine Obduktion sei angeordnet worden, die Ergebnisse lägen aber noch nicht vor. Der 72-Jährige war zum Zeitpunkt des Angriffs allein mit dem Tiger. Die ehemalige Dompteurin und Halterin der Tiere war zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort. Wie genau es zu der Attacke kam, bleibt weiterhin unklar.
Nach dem Tod des 72-Jährigen ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung gegen die Halterin der Anlage.
Auch in den News:
Rettungsaktion zwischen neun Tigern
Vor dem Angriff hatten neun ausgewachsene Tiger auf der Anlage in Dölzig gelebt. Rettungskräfte gingen unter Polizeischutz in das Gehege und konnten den 72-Jährigen bergen. "Wir wussten zu diesem Zeitpunkt ja nicht, ob noch weitere Tiere frei herumlaufen", schilderte der Einsatzleiter der Feuerwehr Dölzig, Patrick Siebeck, die Lage. Der Verletzte hatte demnach mehrere Biss- und Kratzwunden erlitten.
Parallel zu der Rettungsaktion begann für die Polizeibeamt:innen die gefährliche Suche nach "Sandokan". Der entkommene Tiger hatte sich an dem sonnigen Sonntagmittag auf eine gut besuchte Kleingartenanlage zubewegt. Neben den Großfahrzeugen der Feuerwehr kam auch eine Drohne zum Einsatz.
Schuss vom Autodach
Die Besucher:innen der Kleingartenanlage wurden per Lautsprecher über die Lage informiert und aufgefordert, in ihren Lauben zu bleiben oder sich in Autos zu verschanzen. Eine 68-Jährige beobachtete, wie Polizist:innen auf ein Autodach stiegen und dreimal auf den Tiger schossen. Sie erwischten das Tier nur wenige Meter vom Zaun der Gartenanlage entfernt. Es starb noch vor Ort.
Halterin ist sich keiner Schuld bewusst
Die Halterin erklärte nach dem Vorfall in einem Interview, sie habe keine Erklärung dafür, wie es zu dem Ausbruch kommen konnte. "Ich habe nichts falsch gemacht. Meine Helfer sind zu 100 Prozent instruiert. Ich verstehe nicht, was hier passiert ist", sagte sie. Ihre Anlage sei sicher gewesen. Die Dompteurin hatte in der Vergangenheit sogar Privatvorführungen mit ihren Tigern veranstaltet, unter anderem auch für Kinder.
Bereits seit 2024 gab es allerdings Streit zwischen der Eigentümerin und den Behörden: Die Tigerhaltung genüge nicht den Anforderungen, hieß es vom Landratsamt Nordsachsen. Die Shows im Gewerbegebiet wurden untersagt.
Grundsätzlich ist die Haltung von Raubkatzen in Sachsen jedoch erlaubt. Laut dem sogenannten Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums muss jedoch für ein oder zwei Tiger ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Für jedes weitere ausgewachsene Tier sind zusätzlich 100 Quadratmeter vorgeschrieben.
Sechs Tiger inzwischen in Spanien
Nach dem Vorfall wurden Anfang Juli sechs Tiger von der Anlage in Dölzig abtransportiert. Das Areal sei für die Anzahl der Tiere zu klein gewesen, erklärte das Landratsamt. Die Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP) übernahm die Tiere und brachte sie in eine Auffangstation nach Spanien. Nach einer Quarantäne sollen sie dort in einem rund 3.000 Quadratmeter großen Außengehege mit Naturboden, Badebecken und Rückzugsmöglichkeiten leben. Die Organisation sprach von der größten Tigerrettung, die sie bislang in Deutschland durchgeführt habe.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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