Ausbreitung in Europa
Mehr Fälle der seltenen Hautinfektion "Regenfäule" in Deutschland - die Symptome
Aktualisiert:
von Claudia Scheele:newstime
Hautinfektion "Regenfäule" breitet sich in Europa aus
Videoclip • 01:03 Min • Ab 12
In zehn europäischen Ländern wurden Infektionen mit Dermatophilus congolensis registriert. Die Fälle verlaufen meist mild, doch das ECDC sieht Hinweise auf Übertragungen durch engen Körperkontakt.
Das Wichtigste in Kürze
Das ECDC meldet 123 Fälle von Dermatophilus congolensis in zehn europäischen Ländern, darunter Deutschland.
Die Infektionen verursachen meist milde Hautveränderungen und werden nach bisheriger Erfahrung mit örtlichen oder oralen Antibiotika behandelt.
Wahrscheinlich ist eine Übertragung durch engen Hautkontakt; betroffen sind unter anderem Menschen in Sex-on-Premises-Einrichtungen und Kontakt-Sportler:innen.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat über eine ungewöhnliche Häufung von Hautinfektionen mit dem Bakterium Dermatophilus congolensis informiert. Bis zum 20. August 2026 wurden insgesamt 123 Fälle in zehn europäischen Ländern gemeldet, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich, die Niederlande, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Dänemark und Großbritannien.
Das Bakterium war bislang vor allem als Erreger bei Tieren bekannt und wurde beim Menschen nur selten festgestellt. Die nun gemeldeten Fälle deuten laut ECDC auf eine veränderte epidemiologische Lage hin. Die meisten Infektionen verliefen mild und zeigten sich durch Symptome wie örtlich begrenzte Hautveränderungen wie Pusteln, Papeln, Schuppen, Krusten oder entzündete Haarwurzeln. Schwere Komplikationen wurden bislang nicht gemeldet.
"Regenfäule"-Fälle auch in Deutschland registriert
Bei der ersten Risikobewertung im Juni hatte das ECDC 70 bestätigte "Regenfäule"-Fälle in Deutschland, Frankreich, Spanien und Schweden gemeldet. Darunter waren 17 Fälle in Deutschland. Inzwischen wurden weitere Fälle aus Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Großbritannien bekannt. Österreich meldete bis Juli insgesamt 20 Labordiagnosen.
Viele Fälle betreffen schwule, bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern haben. Häufig nannten Betroffene Besuche in Sex-on-Premises-Einrichtungen wie Saunen als mögliche Exposition. Das ECDC betont jedoch, dass dies nicht der einzige Übertragungsweg ist. Auch Fälle bei Kampfsportler:innen und anderen Menschen mit engem Körperkontakt zeigen, dass die Infektion offenbar auch ohne sexuellen Kontakt übertragen werden kann.
Enger Hautkontakt als wahrscheinlicher Übertragungsweg
Genetische Analysen mehrerer Bakterienproben zeigen laut ECDC, dass die Fälle in unterschiedlichen Ländern eng miteinander verwandt sind. Das spricht für eine weitere Verbreitung einer ähnlichen Erregerlinie in Europa. Als wahrscheinlich gilt eine Übertragung durch engen Hautkontakt. Auch eine indirekte Weitergabe über verunreinigte Oberflächen oder Gegenstände kann in warmen und feuchten Umgebungen nicht ausgeschlossen werden.
Für die allgemeine Bevölkerung bewertet das ECDC das Risiko weiterhin als sehr gering. Bei Menschen mit mehreren Sexualpartner:innen, die entsprechende Einrichtungen besuchen, sei die Wahrscheinlichkeit einer Exposition höher, insgesamt bleibe das Risiko aber niedrig. Auch bei Kontakt- und Kampfsportarten können Hautkontakt, gemeinsame Geräte und vorhandene Hautverletzungen die Übertragung begünstigen.
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Ärztliche Abklärung bei auffälligen Hautveränderungen
Das ECDC empfiehlt Ärzt:innen, Hautarztpraxen, Laboren und Einrichtungen der sexuellen Gesundheit, auf passende Hautveränderungen zu achten und Verdachtsfälle mikrobiologisch abzuklären. Menschen mit auffälligen Pusteln, schuppigen oder entzündeten Hautstellen sollten medizinischen Rat suchen und direkten Kontakt mit aktiven Hautläsionen vermeiden.
Für Saunen und andere Einrichtungen empfiehlt das ECDC verstärkte Hygienemaßnahmen und eine gute Reinigung von Flächen. In Sportstätten sollten gemeinsam genutzte Geräte zeitnah gereinigt und Menschen mit aktiven Hautveränderungen vorübergehend auf Training mit engem Körperkontakt verzichten. Entscheidend ist, die Informationen sachlich weiterzugeben – ohne einzelne Gruppen zu stigmatisieren.
Verwendete Quellen:
ECDC: "Spread of Dermatophilus congolensis infection in EU/EEA countries"
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