Warnung für Berlin

Polen-Smog über Deutschland: EU überwacht hohe Feinstaubbelastung

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

Der Berliner Fernsehturm bei grauem Himmel, gesehen vom Berliner Funkturm aus.

Bild: dpa


Ost- und Südostwinde tragen derzeit große Mengen Feinstaub aus Polen nach Deutschland. EU-Daten zeigen: In Berlin stammt mehr als die Hälfte der besonders feinen Partikel aus dem Nachbarland – doch auch deutsche Quellen spielen eine große Rolle.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut EU-Luftüberwachungssystem Copernicus stammen in Berlin derzeit rund 54 Prozent der Feinstaubbelastung (PM2,5) aus Polen.

  • Die Werte liegen teils deutlich über dem WHO-Tagesrichtwert.

  • Südostwinde transportieren Abgase aus polnischen Kohlekraftwerken und privaten Heizungen nach Deutschland, während eine festgefahrene Wetterlage die schmutzige Luft über Mitteleuropa staut.

Laut EU-Luftüberwachungssystem Copernicus kommt in Berlin aktuell rund 55 Prozent des Feinstaubs (PM2,5) aus Polen, die Konzentration liegt zeitweise bei über 100 Mikrogramm pro Kubikmeter – deutlich über dem WHO-Tagesrichtwert von 15 Mikrogramm. Ursache sind unter anderem 14 polnische Kohlekraftwerke und viele private Kaminschlote. Die "Dreckluft" zieht wie ein Band bis nach Hamburg (rund 47 Prozent Polen-Anteil) und Hannover (33 Prozent).

Die Feinstaub-Karten des Umweltbundesamts leuchten in großen Teilen Deutschlands rot. Besonders problematisch sind die sehr kleinen Partikel (unter 2,5 Mikrometer), die tief in die Lunge eindringen können. Laut nordrhein-westfälischem Landesamt können langfristig Atemwege, Herz-Kreislauf- und Nervensystem geschädigt werden.


Wetterlage staut den Smog über Deutschland

Wetter-Experte Karsten Brandt warnt in "Bild", "in Mitteleuropa müssen sich die Menschen in den kommenden Tagen wieder auf eine erhöhte Feinstaubbelastung einstellen". Schuld seien Südostwinde, "die verschmutzte Luft aus Osteuropa heranführen", ein großer Teil des Feinstaubs entstehe durch "ungeeignetes Heizmaterial".

Sein Kollege Dominik Jung sagt: "Die Wetterlage ist eingefahren, deshalb baut sich das Feinstaubgebilde auf. Wir bräuchten eine Westwetterlage mit Tiefs von Westen, die frische Luft mitbringen, die Luft austauschen." Solange das ausbleibt, bleibt die Smogglocke über Mitteleuropa hängen.

Auch in den News:

Kachelmann vs. Umweltbundesamt

Meteorologe Jörg Kachelmann hält die Fixierung auf Polen für irreführend und schreibt auf X: "'Bild' lügt. Der Smog ist hausgemacht." Verantwortlich seien vor allem geförderte Holz- und Pelletöfen im "Drecksland" Deutschland.

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UBA-Expertin Ute Dauert widerspricht gegenüber "t-online": "In diesem Punkt muss ich Herrn Kachelmann widersprechen, da hat er Unrecht." Copernicus-Daten zeigten klar den aktuellen Überhang polnischer Quellen in Berlin.

Gleichzeitig bestätigt Dauert, dass Holz- und Pelletöfen tatsächlich einen bedeutenden Teil der Feinstaubbelastung ausmachen – vor allem im Süden und Westen, wo in Städten wie Stuttgart (60 Prozent) und Frankfurt (55 Prozent) der größte Anteil aus deutschen Quellen stammt. Und: "Wenn er aus Westen kommt, weht der Dreck aus Deutschland nach Polen", betont sie – Feinstaub macht an Grenzen keinen Halt.


Verwendete Quellen:

Bild: "Polen-Smogwolke über Deutschland"

t-online: "Bundesamt widerspricht Jörg Kachelmann"

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