Erstmals seit über 600 Jahren
Norwegens neue Kronprinzessin: Das ist Ingrid Alexandra
Aktualisiert:
von Max Strumberger:newstime
Norwegens König Harald V. ist tot
Videoclip • 01:06 Min • Ab 12
Ingrid Alexandra steht nach dem Tod von König Harald V. unmittelbar hinter ihrem Vater in der Thronfolge. Ihre Biografie zeigt, wie konsequent sie auf diese Rolle vorbereitet wurde.
Das Wichtigste in Kürze
Nach dem Tod ihres Großvaters Harald V. ist Ingrid Alexandra Norwegens Kronprinzessin.
Ihr Weg führte von staatlichen Schulen und Militärdienst bis zum Studium in Sydney.
Und nun zurück ins Zentrum der Monarchie.
Mit dem Tod von König Harald V. hat sich das Leben seiner Enkelin Ingrid Alexandra grundlegend verändert. Die 22-Jährige ist nun Kronprinzessin von Norwegen und steht als Erstgeborene von König Haakon an erster Stelle der Thronfolge. Ihr Vater übernahm nach dem Tod seines Vaters den Thron, Ingrid Alexandra rückte damit unmittelbar ins Zentrum der Monarchie.
Für Norwegen ist dieser Wechsel historisch. Wenn Ingrid Alexandra eines Tages ihrem Vater folgt, wird sie die erste regierende Königin des Landes seit mehr als 600 Jahren sein. Grundlage dafür ist die Reform des norwegischen Erbrechts von 1990. Seitdem gilt die absolute Erstgeburt: Das älteste Kind erbt den Thron unabhängig vom Geschlecht. Ingrid Alexandra steht deshalb vor ihrem jüngeren Bruder Prinz Sverre Magnus. Die letzte regierende Königin von Norwegen war Margarethe I., die das Land von 1388 bis 1412 beherrscht hatte.
Geboren wurde Ingrid Alexandra 2004 in Oslo. Ihre Kindheit sollte trotz ihrer besonderen Stellung so normal wie möglich verlaufen. Zunächst besuchte sie eine staatliche Grundschule, später die englischsprachige Oslo International School. Für ihren Schulabschluss wechselte sie an weitere norwegische Schulen – ein Bildungsweg, der sie bewusst näher an das Leben ihrer Landsleute heranführen sollte.
Ingrid Alexandra, als sie ihr Studium in Oslo begann.
Bild: Cornelius Poppe/NTB/dpa
Ingrid Alexandra eine Sportskanone und Soldatin
Gleichzeitig wuchs die Prinzessin in einem eng geknüpften europäischen Netzwerk auf. Zu ihren Paten zählen unter anderem der spanische König Felipe, der dänische König Frederik und die schwedische Kronprinzessin Victoria. Auch ihre Tante Märtha Louise gehört zur europäischen Adelswelt.
Ingrid Alexandra selbst machte zunächst vor allem mit sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam. Sie gewann einen norwegischen Juniorentitel im Surfen, fährt Ski und betreibt Kickboxen. Zu ihrem 19. Geburtstag veröffentlichte das Königshaus ein Foto von ihrem Fallschirmsprung aus rund 6000 Metern Höhe. Ihr Vater sagte einst, seine Tochter hätte sich ohne ihre royale Herkunft möglicherweise eine Karriere als Profi-Surferin vorstellen können.
Eine wichtige Station auf dem Weg ins Erwachsenenleben war ihr Militärdienst. Anfang 2024 trat Ingrid Alexandra beim Engineer Battalion der Brigade Nord an. Sie absolvierte die Ausbildung gemeinsam mit anderen Wehrpflichtigen, musste unter anderem Böden reinigen, Betten machen und Unterricht besuchen. Später diente sie als Schützin auf einem CV-90-Kampffahrzeug und verlängerte ihre zunächst auf zwölf Monate angelegte Dienstzeit um drei Monate.
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Ingrid Alexandra begleitete ihren Vater König Haakon zum außerordentlichen Kabinett-Meeting nach dem Tod von König Harald V.
Bild: Lise à serud/NTB Scanpix via AP
Ingrid Alexandra studierte in Australien
Auch ihre Ausbildung sollte ihr eine Perspektive jenseits des Palastes eröffnen. Im Sommer 2025 zog Ingrid Alexandra nach Sydney und begann an der Universität ein dreijähriges Studium der Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt auf internationalen Beziehungen und Politik. Sie lebte im Wohnheim, besuchte Lehrveranstaltungen und trat bei den norwegischen Nationalfeierlichkeiten in Australien erstmals öffentlich auf. Das Studium, sagte sie, könne für ihre spätere Aufgabe als Königin besonders relevant sein.
Doch die Erkrankung ihrer Mutter Mette-Marit beendete das australische Kapitel vorerst. Wegen der fortschreitenden Lungenfibrose und einer notwendigen Lungentransplantation kehrte Ingrid Alexandra nach Oslo zurück, um ihre Mutter zu unterstützen. Im Anschluss setzte sie ihr Studium an der Universität Oslo fort. Zugleich übernahm sie zunehmend offizielle Termine – unter anderem eine erste Solo-Reise in den Norden Norwegens, Auftritte bei Staatsanlässen und gemeinsame Termine mit ihrem Bruder.
Auf Ingrid Alexandra wartet damit nicht nur ein historisches Amt, sondern auch eine schwierige familiäre und politische Ausgangslage. Die norwegische Monarchie wurde zuletzt von gesundheitlichen Problemen, öffentlichen Kontroversen und dem Strafverfahren gegen ihren Halbbruder Marius Borg Høiby belastet. Ingrid Alexandra äußerte sich zurückhaltend, aber mit erkennbarem Mitgefühl zu den Vorwürfen gegen ihn.
Während ihre Mutter sich von der Transplantation erholt, muss die junge Kronprinzessin nun zugleich ihrer Familie beistehen und die Zukunft des Königshauses verkörpern. Herangewachsen ist sie fernab von Skandalen – und genau diese Mischung aus Disziplin, Bodenständigkeit und internationaler Erfahrung könnte sie eines Tages zur wichtigsten Stütze der norwegischen Monarchie machen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Royalcourt.de: Princess of Norway
Kölner Stadt-Anzeiger: Ingrid Alexandra ist Norwegens erste Kronprinzessin seit 600 Jahren
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