Chronik der Ereignisse
3.096 Tage in Gefangenschaft: So geht es Natascha Kampusch heute
Veröffentlicht:
von Anne FunkMehr als acht Jahre befand sie sich in den Fängen ihres Entführers, bis ihr vor 20 Jahren spektakulär die Flucht gelang. Bis heute hat Natascha Kampusch mit den Folgen ihrer jahrelangen Gefangenschaft zu kämpfen.
Das Wichtigste in Kürze
Im Alter von zehn Jahren wurde Natascha Kampusch auf dem Schulweg entführt.
Ihr Entführer hielt Kampusch mehr als acht Jahre in seinem Haus gefangen, bis ihr 2006 die Flucht gelang.
Nach dem Ende ihrer Entführung wurde klar, dass es gravierende Fehler bei den Ermittlungen zu ihrem Verschwinden gegeben hatte.
Weltweit sorgte vor zwanzig Jahren eine junge Frau für Schlagzeilen: Natascha Kampusch hatte sich im Alter von 18 Jahren aus einer jahrelangen Gefangenschaft selbst befreien können.
Die Österreicherin war im März 1998 auf dem Schulweg entführt und seither in einem Privathaus eingesperrt worden – 3.096 Tage wurde sie von ihrem Entführer Wolfgang Priklopil festgehalten. Ihre Geschichte gilt als der Fall der längsten Freiheitsberaubung eines Kindes ohne Todesfolge in Europa.
Natascha Kampusch ist heute mit 38 Jahren wieder in den Schlagzeilen: Noch immer hat sie mit schweren psychischen Herausforderungen zu kämpfen, erlitt einen Zusammenbruch. Das berichtet der ORF, welcher am 16. März eine Dokumentation zum Lebens- und Leidensweg Kampuschs ausstrahlt.
Der Fall Natascha Kampusch – ein Überblick über die Geschehnisse
Die Entführung (2. März 1998)
Am 2. März 1998 wurde die damals zehnjährige Natascha Kampusch in Wien auf ihrem Schulweg entführt. Zeug:innen sagten aus, dass das Mädchen in einen weißen Kastenwagen gezerrt worden sei. Der Täter war der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil.
Die Gefangenschaft (1998-2006)
Priklopil steckte Kampusch in ein fünf Quadratmeter kleines, fensterloses Verlies, das mit einer dicken Stahltür nach außen abgesichert war. Der Entführer wollte sie offenbar zu einer Frau ganz nach seinen Vorstellungen formen.
Während ihrer 3.096 Tage andauernden Gefangenschaft musste Kampusch in ihrem Verlies hausen und immer hoffen, dass ihr Peiniger sie mit Essen und Trinken versorgt. Als Jugendliche kettete Priklopil sie mit Handschellen an sich und missbrauchte sie sexuell.
Später ließ er ihr mehr Freiraum – das Mädchen übernahm Putz- und Küchendienste und durfte auch die anderen Stockwerke des Hauses betreten.
Immer wieder kam es auch zu Gewalttaten durch den Entführer. Kampusch schrieb in ihrem Tagebuch über Priklopils Ausbrüche: "Mehrmals auf mich eingeprügelt, schwarze Blutergüsse unterhalb der Schulterblätter und entlang des Rückgrats."
Im Februar 2006 wurde Kampusch 18 Jahre alt. In den folgenden Monaten durfte sie in den Garten, zum Bäcker und in den Baumarkt. Priklopil hatte Kampusch ihrer Aussage nach mit der Drohung eingeschüchtert, sie umzubringen, falls sie flüchten würde.
Auch in den News:
Die Flucht (23. August 2006)
Am 23. August 2006 nutzte Kampusch in Strasshof bei Wien einen günstigen Moment, um ihrem Peiniger zu entfliehen. Als der 18-Jährigen die Flucht gelingt, bringt sich der 44-jährige Priklopil um.
Ermittlungsfehler im Fall Kampusch
Nach dem Ende ihrer Gefangenschaft zeichnete sich immer mehr ab, dass die Behörden wohl schlampig ermittelt hatten. Laut späterer Analyse wurden wichtige Hinweise übersehen oder es wurde nicht genau genug hingesehen.
Bereits kurz nach der Entführung wurde der weiße Kastenwagen von Priklopil überprüft, aber nichts Verdächtiges gefunden. Am 14. April gab ein Polizist, der Priklopil vage kannte, den Tipp, der Nachrichtentechniker sei ein "Eigenbrötler" mit sexuell motiviertem "Hang zu Kindern" – ein Täter-Profil par excellence, geliefert von einem Polizisten, doch die Spur versandete.
Kampusch hätte möglicherweise schon sechs Wochen nach ihrer Entführung wieder frei sein können. Eine spätere Kommission unter Vorsitz des damaligen Chefs des deutschen Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, prangerte – wie andere Kommissionen auch – die Fehler der Ermittler:innen an.
Natascha Kampusch heute: Ein Leben nach der Befreiung
Vor einigen Jahren erklärte die damals 35-jährige Kampusch: "Die Tat hat die Richtung meines Lebens bestimmt, aber sie war nicht lebensbestimmend".
Die wiedergewonnene Freiheit hatte für Kampusch nicht nur helle Seiten. Einerseits erfuhr sie viel Anteilnahme und echtes Interesse an ihrem Schicksal, andererseits erlebte sie auch Angriffe und Neid. Speziell im Internet hätten ihr Menschen vorgeworfen, sie sei mediengeil und geldgierig.
Die in Wien lebende Kampusch schaute heute nach vorne: "Ich bin viel in der Natur und verbringe Zeit mit meinem Pferd". Kampusch wurde unter anderem als Autorin tätig und veröffentlichte vier Bücher. Sie entwarf und veröffentlichte eine Schmuckkollektion. Außerdem wurde sie karitativ aktiv und finanzierte in Sri Lanka den Bau eines Kinderkrankenhauses.
Im März 2026 veröffentlichte der Sender ORF eine Pressemitteilung zu einer bevorstehenden TV-Austrahlung der Dokumentation "Natascha Kampusch - Gefangen in Freiheit". Darin kommt auch die Schwester von Kampusch, Claudia Nestelberger, zu Wort. "Jeder weiß, wie Natascha früher vor der Kamera gesprochen hat. Das gibt es jetzt überhaupt nicht mehr", beschreibt sie den aktuellen Zustand von Kampusch. "Sie ist meist in einer eigenen Welt. Sie ist wieder in einer Art Gefangenschaft. Es ist herzzerreißend und wir fühlen uns hilflos."
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
ORF: "Thema Spezial Natascha Kampusch - Gefangen in Freiheit"
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