Viele Jugendliche dagegen nicht geimpft
Meningitis-Tote in England: Darum sind die Behörden so beunruhigt
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
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Im englischen Kent ist eine gefährliche Form von Meningitis ausgebrochen, bei der zwei junge Menschen gestorben sind. Jetzt wird bekannt: Gegen diesen Bakterienstamm sind die meisten nicht geimpft.
Das Wichtigste in Kürze
Im englichen Kent sind zwei Jugendliche an Hirnhautentzündung gestorben.
Gegen den Meningokokken-Stamm der Gruppe B sind die meisten nicht geimpft.
E-Zigaretten könnten bei der Verbreitung möglicherweise eine entscheidende Rolle spielen.
Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA hat bestätigt, dass der tödliche Ausbruch von Meningitis (Hirnhautentzündung) in Kent durch den Meningokokken-Stamm der Gruppe B verursacht wird. Das sagte Gayatri Amirthalingam, stellvertretende Direktorin für Immunisierung und impfpräventable Krankheiten bei der UKHSA, im Gespräch mit BBC Radio 5 Live. Wörtlich erklärte sie: "Wir können heute Morgen mitteilen, dass wir anhand einiger Tests festgestellt haben, dass es sich offenbar um den Meningokokken-Stamm der Gruppe B handelt, der den Ausbruch in Kent verursacht."
Nach Angaben der Behörde sind die meisten Menschen gegen genau diesen Stamm nicht geschützt. Amirthalingam betonte, dass der gängige Meningokokken-Impfstoff für Jugendliche vier andere Gruppen abdeckt: "Wir haben einen Meningokokken-Impfstoff, der vier verschiedene Stämme für Jugendliche abdeckt. (…) Er schützt vor den vier Hauptgruppen A, C, W und Y." Der nun nachgewiesene Stamm B fällt nicht darunter.
Gegen tödlichen Meningokokken-Stamm sind die meisten nicht geimpft
Laut "Guardian" sind besonders Menschen betroffen, die vor 2015 geboren wurden. Sie seien in Großbritannien in der Regel nicht gegen Meningitis B geimpft, es sei denn, sie haben sich privat impfen lassen. Die Meningitis-B-Impfung wurde erst 2015 im staatlichen Gesundheitssystem NHS für Säuglinge eingeführt. Eine private Impfung ist dem Bericht zufolge möglich, aber teuer: In Großbritannien kostet eine Dosis zwischen 100 und 120 Pfund (116 bis 139 Euro), zwei Dosen – also eine vollständige Impfserie – etwa 200 bis 240 Pfund.
Die Folgen des aktuellen Ausbruchs sind bereits dramatisch. Eine Schülerin der 13. Klasse in Faversham, die laut "Guardian" auf Wunsch ihrer Eltern Juliette genannt wird, sowie ein namentlich nicht genannter Student der Universität Kent sind gestorben. Weitere Personen werden im Krankenhaus behandelt. Die UKHSA rät allen, die am 5., 6. oder 7. März den Club Chemistry in Canterbury besucht haben, sich vorsorglich für eine vorbeugende Antibiotikabehandlung zu melden.
Haben E-Zigaretten das tödliche Bakterium verbreitet?
Amirthalingam richtete einen deutlichen Appell an junge Menschen in Kent. Wer Antibiotika angeboten bekomme, solle diese unbedingt einnehmen. "Wenn Sie Student:in sind und Ihnen Antibiotika angeboten wurden, oder jemand anderes, dem Antibiotika angeboten wurden, nehmen Sie diese bitte umgehend ein. Dann können Sie bedenkenlos nach Hause zurückkehren", sagte sie der BBC. Die vorbeugende Behandlung sei "eine wirksame Maßnahme, um sich selbst, aber auch Ihre Angehörigen, Ihre Familie und Ihre Freunde zu schützen."
Wie sich die Krankheit in Kent verbreite hat, ist noch unklar. Amirthalingam bestätigte, dass das Teilen von E-Zigaretten eine Rolle spielen könne, verwies aber auf mehrere Übertragungswege. "Meningokokken-Erkrankungen werden auf verschiedenen Wegen übertragen. Dampfen ist nur einer davon. Es besteht ein starker Zusammenhang mit engem Kontakt", sagte sie. Es gebe viele andere Aktivitäten, die die Verbreitung begünstigten – "nicht spezifisch das Dampfen".
Die Infektionsmedizinerin Eliza Gil rät, beim Thema Dampfen grundsätzlich vorsichtig zu sein: "Alles, was in den Mund genommen wird, birgt das Risiko, Mundbakterien zu übertragen." Aus hygienischer Sicht empfehle sie, E‑Zigaretten nicht zu teilen. Auch wenn unklar sei, ob Dampfen in diesem konkreten Fall die Ursache gewesen sei, erscheine es sinnvoll, darauf zu verzichten.
So ist die Impfsituation in Deutschland
Meningokokken-Bakterien können eine Meningitis oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. In Deutschland wird die Impfung für Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren seit Mitte Februar offiziell empfohlen. Ziel ist einerseits der Schutz einer der Altersgruppen mit dem höchsten Erkrankungsrisiko, andererseits soll dadurch die Verbreitung der Erreger in der gesamten Bevölkerung nachhaltig verringert werden, wie das Robert Koch-Institut (RKI) erklärte. Die Impfempfehlung betrifft die vier Untergruppen der Meningokokken A, C, W und Y.
Die neue Empfehlung der Impfkommission sorgt für Anpassungen der Impfempfehlungen für Kleinkinder: Bisher gehörte der Schutz vor Meningokokken der Untergruppe C zu den Standardimpfungen für Kleinkinder ab dem zweiten Lebensjahr. Der Stiko-Rat zu dieser Impfung, wie auch die empfohlene Nachholimpfung bis zum Alter von 18 Jahren, entfällt nun. Bestehen bleibt die Empfehlung, Säuglinge ab einem Alter von zwei Monaten gegen Meningokokken B zu schützen - genau der Stamm also, der gerade in England für traurige Schlagzeilen sorgt.
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Verwendete Quellen:
Guardian: "Meningitis in fatal Kent outbreak identified as less-targeted strain B"
Nachrichtenagentur dpa
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